Ein Schul­bus für neun Schü­ler

Die Ver­pflich­tung einer Stadt zur Ein­set­zung eines Schul­bus­ses ergibt sich aus der Bestim­mung des § 69 des rhein­land-pfäl­zi­schen Schul­ge­set­zes. Die Auf­ga­be der Beför­de­rungs­sor­ge bei Schü­lern wird zwar vor­ran­gig durch die Über­nah­me der not­wen­di­gen Fahr­kos­ten für öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel über­nom­men. Bestehen jedoch kei­ne zumut­ba­ren öffent­li­chen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, soll ein Schul­bus ein­ge­setzt wer­den.

Ein Schul­bus für neun Schü­ler

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem sich die Stadt Kai­sers­lau­tern gegen eine Anord­nung der Auf­sichts- und Dienst­leis­tungs­di­rek­ti­on (ADD) gewehrt hat, nach der die Stadt mit Beginn des Schul­jah­res 2013/​2014 am 19. August 2013 einen Schul­bus für Schü­ler aus Elm­stein ein­zu­set­zen hat, die in Kai­sers­lau­tern eine Inte­grier­te Gesamt­schu­le bzw. ein Gym­na­si­um besu­chen. Die ADD hat­te am 5. Juni 2013 die­se Anord­nung erlas­sen und hier­für, nach­dem die Stadt Wider­spruch erho­ben hat­te, am 6. August 2013 die sofor­ti­ge Voll­zie­hung ange­ord­net. Dage­gen rich­tet sich der Eil­an­trag der Stadt Kai­sers­lau­tern.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt erge­be sich die Ver­pflich­tung der Stadt zur Ein­set­zung eines Schul­bus­ses aus der Bestim­mung des § 69 des rhein­land-pfäl­zi­schen Schul­ge­set­zes. Nach die­ser Bestim­mung oblie­ge es den kreis­frei­en Städ­ten und Land­krei­sen als Pflicht­auf­ga­be der Selbst­ver­wal­tung, für die Beför­de­rung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu den in ihrem Gebiet gele­ge­nen Grund­schu­len und För­der­schu­len zu sor­gen, wenn die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ihren Wohn­sitz in Rhein­land-Pfalz haben und ihnen der Schul­weg ohne Benut­zung eines Ver­kehrs­mit­tels nicht zumut­bar sei. Das Glei­che gel­te für die Beför­de­rung zur nächst­ge­le­ge­nen Real­schu­le plus in der jewei­li­gen Schul­form sowie der Sekun­dar­stu­fe I der Gym­na­si­en und Inte­grier­ten Gesamt­schu­len. Die Auf­ga­be der Beför­de­rungs­sor­ge wer­de zwar vor­ran­gig durch die Über­nah­me der not­wen­di­gen Fahr­kos­ten für öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel über­nom­men. Bestün­den jedoch kei­ne zumut­ba­ren öffent­li­chen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, sol­le ein Schul­bus ein­ge­setzt wer­den.

Eine sol­che Kon­stel­la­ti­on sei vor­lie­gend gege­ben. Im Schul­jahr 2013/​2014 besuch­ten vier Kin­der aus Elm­stein bzw. Elm­stein-Schaf­hof eine Inte­grier­te Gesamt­schu­le (IGS) in Kai­sers­lau­tern als nächst­ge­le­ge­ne IGS. Hin­zu kämen fünf Gym­na­si­as­ten aus Elm­stein-Speyer­brunn und Elm­stein-Erlen­bach. Von ihren Wohn­or­ten aus sei­en die Gym­na­si­en in Kai­sers­lau­tern eben­falls näher gele­gen als die ent­spre­chen­den Schu­len in Neu­stadt, denn die Weg­stre­cke nach Neu­stadt sei län­ger. Für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler bestün­den kei­ne zumut­ba­ren öffent­li­chen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen nach Kai­sers­lau­tern, da die Fahr­zeit schon für die ein­fa­che Stre­cke min­des­tens 1 Stun­de und 20 Minu­ten betra­ge. Die Stadt habe des­halb einen Schul­bus für die ins­ge­samt neun Kin­der ein­zu­set­zen. Sie kön­ne sich nicht dar­auf beru­fen, dass dies unwirt­schaft­lich sei. Der Ein­satz eines Schul­bus­ses erwei­se sich nach der Recht­spre­chung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz erst dann als voll­kom­men unwirt­schaft­lich, wenn weni­ger als fünf Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu beför­dern sei­en.

Verr­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Beschluss vom 15. August 2013 – 2 L 710/​13.NW