Ein Trau­er­marsch am Volks­trau­er­tag

Kann im Rah­men einer Ver­samm­lung bzw. eines Trau­er­mar­sches ein Ver­stoß gegen das Fei­er­tags­ge­setz durch die Ertei­lung von Auf­la­gen abge­wehrt wer­den, ist das Ver­bot der Ver­samm­lung unver­hält­nis­mä­ßig und rechts­wid­rig.

Ein Trau­er­marsch am Volks­trau­er­tag

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge gegen das Ver­bot einer Ver­an­stal­tung am Volks­trau­er­tag 2011 statt­ge­ge­ben. Die NPD hat­te für den 13. Novem­ber 2011 – den Volks­trau­er­trag – einen Trau­er­marsch mit etwa 40 Teil­neh­mern von Haß­loch nach Böhl-Iggel­heim ange­mel­det. Die Ver­an­stal­tung soll­te nach ihren Anga­ben anläss­lich des Volks­trau­er­ta­ges zum Geden­ken an die in den Krie­gen gefal­le­nen Sol­da­ten und Zivi­lis­ten sowie die in Böhl-Iggel­heim umge­kom­me­nen deut­schen Gefan­ge­nen des dor­ti­gen alli­ier­ten Gefan­ge­nen­la­gers statt­fin­den. Es war beab­sich­tigt, Fah­nen, Stell­schil­der, ein Hand­me­ga­phon, eine trans­por­ta­ble Laut­spre­cher­an­la­ge, ein Laut­spre­cher­fahr­zeug, Fackeln und Trans­pa­ren­te mit­zu­füh­ren. Ver­schie­de­ne Red­ner soll­ten zu Wort kom­men und Flug­blät­ter ver­teilt wer­den. Der beklag­te Land­kreis Bad Dürk­heim ver­bot die Ver­samm­lung, weil sie gegen den Schutz des Volks­trau­er­ta­ges nach dem Fei­er­tags­ge­setz ver­sto­ße. Der sich über 5 km erstre­cken­de Marsch mit Kund­ge­bungs­mit­teln wider­spre­che dem Cha­rak­ter des Volks­trau­er­ta­ges als Tag der Trau­er und des stil­len Geden­kens. Es sei auch mit Gegen­de­mons­tra­tio­nen und daher mit einem ent­spre­chen­den Poli­zei­auf­ge­bot zu rech­nen. Dies stö­re die Fei­er­tags­ru­he emp­find­lich. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt ab. Dage­gen ist Beru­fung beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe zwar der ange­mel­de­te Trau­er­marsch in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung gegen das Fei­er­tags­ge­setz ver­sto­ßen. Die­ses schüt­ze den Volks­trau­er­tag, der als Gedenk­tag für die Toten der bei­den Welt­krie­ge und die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu den weni­gen stil­len Fei­er­ta­gen gehö­re, beson­ders, indem es neben dem Ver­bot von Sport- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen öffent­li­che Ver­samm­lun­gen unter­sa­ge, die nicht dem Cha­rak­ter des Fei­er­tags ent­sprä­chen. Die wäh­rend der mehr­stün­di­gen Ver­samm­lung vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung eines Hand­me­ga­phons, einer trans­por­ta­blen Laut­spre­cher­an­la­ge und eines Laut­spre­cher­fahr­zeugs habe nicht zu Trau­er und stil­lem Toten­ge­den­ken bei­getra­gen, son­dern im Gegen­teil das Geden­ken der Bevöl­ke­rung emp­find­lich gestört.

Das ange­ord­ne­te Ver­bot des Trau­er­marschs sei jedoch unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen. Denn der genann­te Ver­stoß gegen das Fei­er­tags­ge­setz hät­te – eben­so wie etwai­ge wei­te­re Ver­stö­ße – durch die Ertei­lung von Auf­la­gen bezüg­lich der vor­ge­se­he­nen Hilfs­mit­tel sowie gege­be­nen­falls der Reden und Flug­blät­ter abge­wehrt wer­den kön­nen. Der Trau­er­marsch als sol­cher habe einen inhalt­li­chen Bezug zum Volks­trau­er­tag und zum Geden­ken an die Toten der bei­den Welt­krie­ge gehabt. Er habe daher nach sei­nem Anlass dem Cha­rak­ter des Fei­er­tags kei­nes­falls wider­spro­chen.

Wenn es wegen Gegen­de­mons­tran­ten etwa im Hin­blick auf ihre Anzahl und ihr – unfried­li­ches – Ver­hal­ten eines grö­ße­ren Poli­zei­auf­ge­bots bedurft haben soll­te, wäre die Stö­rung der Fei­er­tags­ru­he von den Gegen­de­mons­tran­ten aus­ge­gan­gen und kön­ne dem Klä­ger nicht zuge­rech­net wer­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 20. März 2013 – 7 A 11277/​12.OVG