Eine Schla­cken­hal­de als Bau­denk­mal?

Eine Schla­cken­hal­de ist kei­ne aus Bau­pro­duk­ten her­ge­stell­te bau­li­che Anla­ge und erfüllt nicht die Merk­ma­le eines Bau­denk­mals.

Eine Schla­cken­hal­de als Bau­denk­mal?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len den Kla­gen gegen die Ein­tra­gung der Schla­cken­hal­de in Sie­gen-Geis­weid in die Denk­mal­lis­te der Stadt Sie­gen statt­ge­ge­ben und die ent­spre­chen­den Beschei­de der Stadt auf­ge­ho­ben. Die als Spitz­ke­gel aus­ge­bil­de­te, inzwi­schen teil­wei­se bewal­de­te und unter Natur­schutz ste­hen­de Schla­cken­hal­de, im Volks­mund „Mon­te Schlacko“ genannt, ent­stand etwa in den Jah­ren 1900 bis 1930 als Abraum­hal­de für die nicht ver­wert­ba­ren nicht­me­tal­li­schen Rück­stän­de, die bei der Eisen­er­zeu­gung in der soge­nann­ten Bre­mer Hüt­te in Sie­gen anfie­len. Die Stadt Sie­gen nahm die Hal­de im Novem­ber 2012 im Ein­ver­neh­men mit dem Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe als Amt für Denk­mal­pfle­ge in die Lis­te der Bau­denk­mä­ler der Stadt auf. Es han­de­le sich um ein Bau­denk­mal, an des­sen Erhal­tung und Nut­zung aus wis­sen­schaft­li­chen, volks­kund­li­chen und städ­te­bau­li­chen Grün­den ein öffent­li­ches Inter­es­se bestehe. Die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin und die Erb­bau­be­rech­tig­te tru­gen in ihren hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­gen neben wei­te­ren denk­mal­recht­li­chen Ein­wän­den vor, es sei nicht mög­lich, die Hal­de der All­ge­mein­heit zugäng­lich zu machen, weil dies vom Natur­schutz unter­sagt wer­de und der aus losem Mate­ri­al bestehen­de Hügel aus Grün­den der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht betre­ten wer­den kön­ne. Außer­dem habe die Hal­de einen wirt­schaft­li­chen Wert, weil ein Recy­cling der Schla­cke unter Berück­sich­ti­gung fort­schrei­ten­der Tech­nik nicht aus­ge­schlos­sen sei.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg sei­en die maß­geb­li­chen denk­mal­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht erfüllt: Ins­be­son­de­re han­de­le es sich bei dem Objekt nicht um ein Bau­denk­mal. Die Hal­de sei kei­ne aus Bau­pro­duk­ten her­ge­stell­te bau­li­che Anla­ge, weil sie ledig­lich der Ent­sor­gung eines bei der Stahl­er­zeu­gung ange­fal­le­nen Neben­pro­dukts, der Schla­cke, ent­stan­den sei, die in die­sem Zusam­men­hang nicht als Bau­stoff zu qua­li­fi­zie­ren sei.

Auch bei einer wei­ten denk­mal­recht­li­chen Aus­le­gung der maß­geb­li­chen Begrif­fe erfül­le die Schla­cken­hal­de die Merk­ma­le eines Bau­denk­mals nicht. Es han­de­le sich ins­be­son­de­re nicht um einen von Men­schen gestal­te­ten Land­schafts­teil, der unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen wie eine bau­li­che Anla­ge zu behan­deln sei. Die Schla­cken­hal­de erhe­be sich zwar als deut­lich sicht­ba­re Erhö­hung in der Land­schaft des Hüt­ten­ta­les. Sie sei aber nicht als bewuss­ter Ein­griff in die Umwelt mit dem Ziel geschaf­fen wor­den, sie einer neu­en Nut­zung durch den Men­schen zu erschlie­ßen. Der Hal­de lie­ge weder ein Gestal­tungs­pro­zess zugrun­de noch eine für die mensch­li­che Nut­zung erfolg­te Zweck­be­stim­mung. Sie sei nicht Aus­druck bestimm­ter Kul­tur­for­men der dama­li­gen Zeit.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Beru­fung gegen die Urtei­le wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung für die Aus­le­gung des Begriffs des Bau­denk­mals im nord­rhein-west­fä­li­schen Denk­mal­schutz­recht zuge­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urtei­le vom 7. April 2014 – 8 K 3545/​12, 8 K 3580/​12