Ent­eig­nung bei Lini­en­be­stim­mung

Bereits die Bekannt­ga­be der Lini­en­füh­rung einer Bun­des­fern­stra­ße nach § 16 Abs. 1 FStrG kann als „Vor­wir­kung“ der Ent­eig­nung eines für den Bau die­ser Stra­ße benö­tig­ten Grund­stücks anzu­se­hen sein [1].

Ent­eig­nung bei Lini­en­be­stim­mung

Die­se Recht­spre­chung bestä­tig­te der Bun­des­ge­richts­hof jetzt in einem aktu­el­len Ver­fah­ren, in dem strei­tig war, ob bei dem für die Ent­schä­di­gung maß­geb­li­chen Qua­li­täts­stich­tag auf den Zeit­punkt der Bekannt­ma­chung der Lini­en­be­stim­mung (26. Juli 1995) oder aber frü­hes­tens auf den Ein­tritt der Bestands­kraft des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses (April 1997) abge­stellt wer­den muss. Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Lübeck wie auch das Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig als Beru­fungs­ge­richt hat­ten auf den Zeit­punkt der Bekannt­ma­chung der Lini­en­be­stim­mung abge­stellt, was der Bun­des­ge­richts­hof jetzt gebil­ligt hat.

Der BGH hält damit an den Grund­sät­zen sei­ner „Vor­wir­kungs-Recht­spre­chung“ fest. Danach kön­nen auch vor­be­rei­ten­de unver­bind­li­che Pla­nun­gen, die noch kei­nen Ein­griff in das Eigen­tum bil­den, Vor­wir­kun­gen einer spä­te­ren Ent­eig­nung aus­lö­sen, indem sie Grund­stü­cke von der kon­junk­tu­rel­len Wei­ter­ent­wick­lung aus­schlie­ßen. Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass die (unver­bind­li­che) Pla­nung ursäch­lich für die spä­te­re Ent­eig­nung war, eine hin­rei­chen­de Bestimmt­heit hat­te und die spä­te­re ver­bind­li­che Pla­nung, die dann zur Ent­eig­nung führ­te, mit Sicher­heit erwar­ten ließ [2]. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­fall gege­ben sind, ist dabei weit­ge­hend eine Fra­ge tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung [3].

Der BGH hat es ins­be­son­de­re für rechts­be­den­ken­frei erach­tet, dass für die Qua­li­täts­be­stim­mung von für Zwe­cke des Stra­ßen­baus benö­tig­ter Grund­stü­cke der Erlass eines Flä­chen­nut­zungs­plans für maß­geb­lich erach­tet wur­de, in dem der Tras­sen­ver­lauf dar­ge­stellt wor­den war [4]. Hin­zu­ge­kom­men war, dass für das betref­fen­de Gebiet prak­tisch kei­ne Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven mehr bestan­den hat­ten [5] bzw. dass die ver­bind­li­che Pla­nung der end­gül­ti­gen Lage der Stra­ßen­tras­se zügig und fol­ge­rich­tig aus dem Flä­chen­nut­zungs­plan ent­wi­ckelt wor­den war [6]. In letz­te­rem Fall war nach Auf­fas­sung des BGH das Merk­mal der „hin­rei­chen­den Bestimmt­heit“ der Pla­nung nicht schon des­halb zu ver­nei­nen, weil der end­gül­ti­ge Ver­lauf der Stra­ße teil­wei­se (um bis zu 100 m) gegen­über der Dar­stel­lung im Flä­chen­nut­zungs­plan ver­schwenkt wor­den war.

Die Bestim­mung der Lini­en­füh­rung der Bun­des­fern­stra­ßen nach § 16 Abs. 1 FStrG (bzw. – wie hier – § 2 des Ver­kehrs­we­ge­pla­nungs­be­schleu­ni­gungs­ge­set­zes) hat den Cha­rak­ter einer vor­be­rei­ten­den Grund­ent­schei­dung mit ver­wal­tungs­in­ter­ner Bedeu­tung [7]. Das Ver­hält­nis zwi­schen Lini­en­füh­rung und Plan­fest­stel­lung bzw. Plan­ge­neh­mi­gung lässt sich mit dem zwi­schen Flä­chen­nut­zungs­plan und Bebau­ungs­plan ver­glei­chen [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Mai 2009 – III ZR 285/​08

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 26. Janu­ar 1978 – III ZR 184/​75DVBl. 1978, 378 und BGH, Beschluss vom 27. Febru­ar 1992 – III ZR 195/​90BayVBl. 1993, 445[]
  2. vgl. BGHZ 63, 240, 242; 64, 382, 384; 98, 341, 342 f; BGH, Urteil vom 26. Janu­ar 1978 – III ZR 184/​75DVBl. 1978, 378, 379[]
  3. vgl. BGHZ 63, 240, 242; 98, 341, 343; BGH, Urteil vom 26. Janu­ar 1978 aaO; BGH, Beschluss vom 27. Febru­ar 1992 – III ZR 195/​90BayVBl. 1993, 445[]
  4. BGH, Urteil vom 26. Janu­ar 1978 aaO; BGH, Beschluss vom 27. Febru­ar aaO[]
  5. BGH, Urteil vom 26. Janu­ar 1978 a.a.O.[]
  6. BGH, Beschluss vom 27. Febru­ar 1992 a.a.O.[]
  7. BVerwG NVwZ 1996, 1011, 1014; Ronel­len­fitsch, in Marschall/​Schroeter/​Kastner, Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz, 5. Aufl., § 16 Rn. 6; Schmidt, in Müller/​Schulz, Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz, § 16 Rn. 2[]
  8. Ronel­len­fitsch a.a.O.; vgl. auch Schmidt a.a.O. Rn. 9[]