Ent­schä­di­gung für die Ent­eig­nung von Bin­nen­schif­fen in der ehe­ma­li­gen DDR

Die Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung für Geschäfts­grund­stü­cke (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Ent­schG) ist auf Schif­fe auch dann nicht anwend­bar, wenn die­se im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind oder waren. Sie ist auch im Hin­blick auf die Höchst­gren­ze der Bemes­sungs­grund­la­ge (§ 5a Abs. 4 Ent­schG) ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Ent­schä­di­gung für die Ent­eig­nung von Bin­nen­schif­fen in der ehe­ma­li­gen DDR

Die in dem Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Bin­nen­schif­fe, für deren Ver­lust dem ehe­ma­li­gen Eigen­tü­mer eine Ent­schä­di­gung zusteht, unter­fal­len der Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung für beweg­li­che Sachen (§ 5a des Geset­zes über die Ent­schä­di­gung nach dem Gesetz zur Rege­lung offe­ner Ver­mö­gens­fra­gen – Ent­schä­di­gungs­ge­setz, Ent­schG 1). Dabei ist die Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung für Geschäfts­grund­stü­cke (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Ent­schG) nicht anwend­bar. § 5a Ent­schG ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Kei­ne Ana­lo­gie zur Ent­schä­di­gung für ent­eig­ne­te Grund­stü­cke[↑]

Die Höhe der Ent­schä­di­gung für die in der Deut­chen Demo­kra­ti­schen Repu­blik ent­eig­ne­ten Bin­nen­schif­fe bestimmt sich gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 Ent­schG nach der Bemes­sungs­grund­la­ge (§§ 3 bis 5a Ent­schG). Hier ist nicht § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­schG ein­schlä­gig. Die­se Bestim­mung ist weder unmit­tel­bar noch auf der Grund­la­ge einer Ana­lo­gie anzu­wen­den.

Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­schG auf 2 Schif­fe schei­det aus. Nach die­ser Vor­schrift ist Bemes­sungs­grund­la­ge der Ent­schä­di­gung für Grund­ver­mö­gen ein­schließ­lich Gebäu­de­ei­gen­tum sowie für land- und forst­wirt­schaft­li­ches Ver­mö­gen der vor der Schä­di­gung zuletzt fest­ge­stell­te Ein­heits­wert, ver­viel­fäl­tigt mit einem Mul­ti­pli­ka­tor, der – in fünf Grup­pen gestaf­felt – je nach Grund­stücks­art dif­fe­riert und etwa für Geschäfts­grund­stü­cke 7 (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Ent­SchG) beträgt.

Bin­nen­schif­fe wer­den von § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG auch dann nicht erfasst, wenn die­se im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind. Bei Schif­fen han­delt es sich um beweg­li­che Sachen 3. Es bedarf kei­ner wei­te­ren Begrün­dung, dass sie den in der Bestim­mung ver­wen­de­ten Begrif­fen des Gebäu­de­ei­gen­tums, des land-und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens sowie des Grund­stücks nicht unter­fal­len.

Schif­fe kön­nen auch nicht dem Begriff des Grund­ver­mö­gens zuge­ord­net wer­den. Wie sich aus dem Wort­laut und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG ergibt, nimmt der ent­schä­di­gungs­recht­li­che Begriff des Grund­ver­mö­gens auf das steu­er­li­che Bewer­tungs­recht Bezug. Er stimmt mit dem bewer­tungs­recht­li­chen Begriff des Grund­ver­mö­gens über­ein 4. Die­ser erstreckt sich nicht auf Schif­fe.

Die Schif­fe sind hin­sicht­lich der Bemes­sungs­grund­la­ge auch nicht im Wege der Ana­lo­gie als Grund­stü­cke zu behan­deln.

Jede Art der geset­zes­im­ma­nen­ten rich­ter­li­chen Rechts­fort­bil­dung – hier die Ana­lo­gie – setzt eine Geset­zes­lü­cke im Sin­ne einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit des Geset­zes vor­aus 5. Hat der Gesetz­ge­ber eine ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen, dür­fen die Gerich­te die­se nicht auf­grund eige­ner rechts­po­li­ti­scher Vor­stel­lun­gen ver­än­dern oder durch eine eige­ne Lösung erset­zen. Ob eine Geset­zes­lü­cke vor­liegt, ist danach zu beur­tei­len, ob die vom Rege­lungs­pro­gramm des Gesetz­ge­bers erfass­ten Fäl­le in den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten tat­säch­lich Berück­sich­ti­gung gefun­den haben. Sie ist zu beja­hen, wenn fest­zu­stel­len ist, dass der Wort­laut der Vor­schrift nicht alle Fäl­le erfasst, die nach dem Sinn und Zweck der Rege­lung erfasst sein soll­ten 6.

Liegt eine Geset­zes­lü­cke vor, ist die­se im Fall der Ein­zel­ana­lo­gie durch Über­tra­gung der Rechts­fol­ge einer Bestim­mung zu schlie­ßen, wenn der unge­re­gel­te Sach­ver­halt wegen einer ver­gleich­ba­ren Sach- und Inter­es­sen­la­ge dem gere­gel­ten Fall ähn­lich ist 7. Bei der Lücken­schlie­ßung im Wege der Gesamt­ana­lo­gie wird meh­re­ren gesetz­li­chen Bestim­mun­gen, die an ver­schie­de­ne Tat­be­stän­de anknüp­fen, ein "all­ge­mei­ner Rechts­grund­satz" ent­nom­men, der auf den im Gesetz nicht gere­gel­ten Tat­be­stand wer­tungs­mä­ßig eben­so zutrifft wie auf die gere­gel­ten Tat­be­stän­de 8. An den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen gemes­sen sind die in Rede ste­hen­den Schif­fe nicht wie Grund­stü­cke zu ent­schä­di­gen.

Die ent­schä­di­gungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lung die­ser Schif­fe mit Grund­stü­cken kann nicht mit einer Gesamt­ana­lo­gie begrün­det wer­den. Deren Vor­aus­set­zun­gen lie­gen schon des­halb nicht vor, weil dem gesetz­ten Recht kein all­ge­mei­ner Grund­satz zu ent­neh­men ist, nach dem im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne (Binnen-)Schiffe recht­lich wie Grund­stü­cke zu behan­deln sind.

Ein sol­cher Grund­satz fin­det sich im Zivil­recht nicht. Ein­ge­tra­ge­ne Schif­fe wer­den bür­ger­lich-recht­lich nicht in jeder Hin­sicht den Grund­stü­cken gleich­ge­stellt. So fehlt etwa eine Rege­lung im All­ge­mei­nen Teil des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs, die Schif­fe als unbe­weg­li­che Sachen ein­ord­net. Die­se sind – wie bereits auf­ge­zeigt – im zivil­recht­li­chen Sinn beweg­li­che Sachen. Es gibt auch kei­ne Rechts­norm des mate­ri­el­len Zivil­rechts oder des Zivil­pro­zess­rechts, die eine pau­scha­le Gleich­stel­lung mit Grund­stü­cken anord­net. Die­se Rechts­ge­bie­te ent­hal­ten neben Spe­zi­al­re­ge­lun­gen für Schif­fe nur par­ti­el­le Bezug­nah­men auf das Grund­stücks­recht, ins­be­son­de­re auf Rege­lun­gen, die an das Grund­buch als mit dem Schiffs­re­gis­ter ver­gleich­ba­res Regis­ter anknüp­fen.

So rich­tet sich die Eigen­tums­über­tra­gung von im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen See- und Bin­nen­schif­fen nach dem beson­de­ren Schiffs­sa­chen­recht, das eige­ne dif­fe­ren­zier­te Rege­lun­gen auf­weist und dem Grund­stücks­recht nur ange­nä­hert ist. Die Schiffs­re­gis­ter­ord­nung in der Fas­sung vom 26.05.1994 9 regelt for­mel­le, das Gesetz über Rech­te an ein­ge­tra­ge­nen Schif­fen und Schiffs­bau­wer­ken (Schiffs­re­gis­ter­ge­setz – SchRG) 10, dage­gen mate­ri­el­le Fra­gen. Danach wer­den ein­ge­tra­ge­ne See­schif­fe durch Eini­gung über­tra­gen, und ihre Ein­tra­gung im Schiffs­re­gis­ter ist nur dekla­ra­to­ri­scher Natur. Bei ein­ge­tra­ge­nen Bin­nen­schif­fen ist die Ein­tra­gung kon­sti­tu­tiv (§ 2 Abs. 1 und § 3 Abs. 1 SchRG). Nicht ein­ge­tra­ge­ne Bin­nen­schif­fe wer­den nach der sachen­recht­li­chen Rege­lung über beweg­li­che Sachen (§ 929 BGB) über­tra­gen. Nach § 929a Abs. 1 BGB ist zur Über­tra­gung des Eigen­tums an einem See­schiff, das nicht im Regis­ter ein­ge­tra­gen ist, oder an einem Anteil an einem sol­chen Schiff die Über­ga­be nicht erfor­der­lich, wenn der Eigen­tü­mer und der Erwer­ber dar­über einig sind, dass das Eigen­tum sofort über­ge­hen soll.

Auch in der Zivil­pro­zess­ord­nung unter­stellt der Gesetz­ge­ber die Schif­fe nicht pau­schal dem für Grund­stü­cke gel­ten­den Rechts­re­gime, son­dern trifft geson­der­te Ein­zel­re­ge­lun­gen mit begrenz­ten Ver­wei­sun­gen. So erfolgt nach § 870a Abs. 1 Satz 1 ZPO die Zwangs­voll­stre­ckung in ein ein­ge­tra­ge­nes Schiff oder in ein Schiffs­bau­werk, das im Schiffs­bau­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist oder in die­ses Regis­ter ein­ge­tra­gen wer­den kann, durch Ein­tra­gung einer Schiffs­hy­po­thek für die For­de­rung oder durch Zwangs­ver­stei­ge­rung. § 870a Abs. 2 ZPO erklärt bestimm­te Rege­lun­gen über die Zwangs­voll­stre­ckung in ein Grund­stück für ent­spre­chend anwend­bar. Anders als bei Grund­stü­cken hat der Gesetz­ge­ber damit jedoch die Zwangs­ver­wal­tung bei ein­ge­tra­ge­nen Schif­fen nicht gestat­tet 11.

Auch im Steu­er­recht wer­den im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Schif­fe nicht durch­gän­gig wie Grund­stü­cke behan­delt oder die­sen gleich­ge­setzt. Zwar wer­den nach § 21 Abs. 1 Nr. 1 EStG vom 08.10.2009 12, vor der Ver­kün­dung die­ser Ent­schei­dung zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 18.12 2013 13, Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Schif­fen, die im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind, wie sol­che aus unbe­weg­li­chem Ver­mö­gen behan­delt, obwohl Schif­fe im bür­ger­lich-recht­li­chen Sinn beweg­li­che Sachen sind 14. Der sach­li­che Grund für die­se ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Gleich­be­hand­lung von bestimm­ten beweg­li­chen Sachen mit Immo­bi­li­en liegt dar­in, dass in ein öffent­li­ches Regis­ter ein­ge­tra­ge­ne beweg­li­che Sachen ähn­lich wie Immo­bi­li­en auf Dau­er als Ein­kunfts­quel­len geeig­net und für Zwe­cke der Besteue­rung ein­fach zu erfas­sen sind.

Soweit der Gesetz­ge­ber die zivil­pro­zes­sua­len Rege­lun­gen über die Voll­stre­ckung in das unbe­weg­li­che Ver­mö­gen bei im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Schif­fen für anwend­bar erklärt (§ 322 Abs. 1 Satz 2 AO) 15, belas­tet die Grund­steu­er den Grund­be­sitz im Sin­ne des Bewer­tungs­ge­set­zes, d.h. Betrie­be der Land- und Forst­wirt­schaft, Betriebs­grund­stü­cke und pri­va­te Grund­stü­cke, nicht aber den Besitz von (ein­ge­tra­ge­nen) Schif­fen.

Im Ver­mö­gens­recht gibt es eben­falls kei­ne gesetz­li­chen Rege­lun­gen, die (ein­ge­tra­ge­ne) Schif­fe pau­schal mit Grund­stü­cken gleich­set­zen. Im Hin­blick auf die zu resti­tu­ie­ren­den Ver­mö­gens­wer­te unter­schei­det § 2 Abs. 2 Satz 1 VermG u.a. zwi­schen beweg­li­chen Sachen einer­seits und bebau­ten und unbe­bau­ten Grund­stü­cken sowie recht­lich selb­stän­di­gen Gebäu­den und Bau­lich­kei­ten, Nut­zungs­rech­ten und ding­li­chen Rech­ten an Grund­stü­cken oder Gebäu­den ande­rer­seits. Schif­fe fal­len zwei­fel­los nicht unter die zwei­te Kate­go­rie, son­dern sind als beweg­li­che Sachen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 Satz 1 VermG anzu­se­hen.

Auch § 34 Abs. 5 VermG ist kein all­ge­mei­ner Grund­satz des Inhalts zu ent­neh­men, dass im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Bin­nen­schif­fe ent­schä­di­gungs­recht­lich Grund­stü­cken gleich­zu­stel­len sind. Die Bestim­mung sieht für sol­che Schif­fe und für im Schiffs­bau­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Schiffs­bau­wer­ke die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 34 Abs. 2 VermG vor. § 34 Abs. 2 Satz 1 VermG betrifft u.a. die Rück­über­tra­gung von Eigen­tums- und sons­ti­gen ding­li­chen Rech­ten an Grund­stü­cken und regelt, dass die Behör­de das Grund­buch­amt um die erfor­der­li­che Berich­ti­gung des Grund­buchs ersucht. § 34 Abs. 5 VermG trägt dem Umstand Rech­nung, dass im Fall der Rück­über­tra­gung bei in den ent­spre­chen­den Regis­tern ein­ge­tra­ge­nen Schif­fen oder Schiffs­bau­wer­ken die Ein­tra­gun­gen unrich­tig wer­den und zu berich­ti­gen sind. Wegen der inso­weit bestehen­den Par­al­le­li­tät zur Not­wen­dig­keit der Berich­ti­gung des Grund­buchs bei der Rück­über­tra­gung von Eigen­tums- oder sons­ti­gen ding­li­chen Rech­ten an Grund­stü­cken gilt § 34 Abs. 2 VermG ent­spre­chend. Die Bestim­mung regelt eine spe­zi­el­le regis­ter­recht­li­che Pro­ble­ma­tik. Ihr kann der für eine Gesamt­ana­lo­gie erfor­der­li­che all­ge­mei­ne Rechts­grund­satz, dass im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne (Binnen-)Schiffe recht­lich wie Grund­stü­cke zu behan­deln sind, nicht ent­nom­men wer­den. Schließ­lich sind auch kei­ne ande­ren ver­mö­gens­recht­li­chen Bestim­mun­gen ersicht­lich, aus denen ein sol­cher Grund­satz abzu­lei­ten wäre.

Die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Ent­SchG kann nicht im Wege einer Ein­zel­ana­lo­gie her­ge­lei­tet wer­den. Es fehlt inso­weit bereits an der Plan­wid­rig­keit einer Geset­zes­lü­cke. Zwar ent­hält § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG kei­ne Rege­lung über die Bemes­sungs­grund­la­ge der Ent­schä­di­gung von Schif­fen. Die­se Lücke ent­spricht hin­ge­gen dem Wil­len des Gesetz­ge­bers.

In die­se Rich­tung weist bereits der Umstand, dass – wie auf­ge­zeigt – der Gesetz­ge­ber in ande­ren Rechts­be­rei­chen ein­schließ­lich des Ver­mö­gens­rechts Son­der­re­ge­lun­gen für ein­ge­tra­ge­ne Schif­fe geschaf­fen hat. Dem ist deut­lich zu ent­neh­men, dass die Ver­nach­läs­si­gung von Schif­fen im Rah­men des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG nicht Aus­druck eines Ver­se­hens ist, son­dern dem gesetz­ge­be­ri­schen Plan ent­spricht.

Die­ser Befund wird bestä­tigt von dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­schG mit dem steu­er­li­chen Bewer­tungs­recht. Die Bestim­mung ist – wor­auf schon hin­ge­wie­sen wur­de – sys­te­ma­tisch auf das Grund­ver­mö­gen im Sin­ne des steu­er­li­chen Bewer­tungs­rechts zuge­schnit­ten. Das Bewer­tungs­recht erfasst jedoch – wie eben­falls bereits auf­ge­zeigt – Schif­fe auch dann nicht, wenn sie im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind. Dem­entspre­chend wird für Schif­fe kein Ein­heits­wert fest­ge­setzt.

Vor dem geschil­der­ten sys­te­ma­ti­schen Hin­ter­grund spricht auch die vom Gesetz­ge­ber mit dem Bezug auf das steu­er­li­che Bewer­tungs­recht im Rah­men des § 3 Ent­schG ver­folg­te Zweck­set­zung dage­gen, die feh­len­de Ein­be­zie­hung von Schif­fen in den Rege­lungs­be­reich des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG als plan­wid­rig anzu­se­hen. Der von der Bestim­mung vor­ge­se­he­ne Rück­griff auf die in der Ver­gan­gen­heit ver­bind­lich fest­ge­leg­ten Ein­heits­wer­te dient der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung und Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung 16. Die­ser Zweck einer ein­fa­chen Wert­ermitt­lung kann bei (ein­ge­tra­ge­nen) Schif­fen von vorn­her­ein nicht erreicht wer­den, weil die­se nicht dem steu­er­li­chen Bewer­tungs­recht unter­lie­gen und unter­la­gen und des­halb auch in der Ver­gan­gen­heit für sie kei­ne Ein­heits­wer­te fest­ge­setzt wor­den sind. Auch dies erweist sich als gewich­ti­ger Hin­weis dar­auf, dass es nicht der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers ent­spricht, Schif­fe in den Rege­lungs­be­reich des § 3 Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG ein­zu­be­zie­hen.

Dies gilt glei­cher­ma­ßen für die dif­fe­ren­zier­ten und auf ver­schie­de­ne Grund­stücks­ar­ten bezo­ge­nen Rege­lun­gen in § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 5 Ent­schG, die auf­grund der tat­säch­li­chen Unter­schie­de bei (ein­ge­tra­ge­nen) Schif­fen kei­ne Ent­spre­chung fin­den kön­nen.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 5a Ent­schG bestä­tigt die Annah­me, dass es der Gesetz­ge­ber nicht ver­se­hent­lich unter­las­sen hat, die Ent­schä­di­gung von Schif­fen einer geson­der­ten Rege­lung zuzu­füh­ren und wie Grund­stü­cke im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Ent­SchG zu ent­schä­di­gen. § 5a Ent­SchG regelt die Bemes­sungs­grund­la­ge der Ent­schä­di­gung für beweg­li­che Sachen. Er sieht u.a. vor, dass inso­weit Bemes­sungs­grund­la­ge der im Ver­hält­nis 2 zu 1 auf Deut­sche Mark umge­stell­te Wert der Sache zum Zeit­punkt der Ent­zie­hung ist (Abs. 1 Satz 1), und dass die Höchst­gren­ze der Sum­me der Bemes­sungs­grund­la­ge für sämt­li­che zu ent­schä­di­gen­den beweg­li­chen Sachen eines Berech­tig­ten 40.000 DM beträgt (Abs. 4). Mit der Ein­fü­gung des § 5a in das Ent­schä­di­gungs­ge­setz durch das Ver­mö­gens­rechts­er­gän­zungs­ge­setz 17 ver­folg­te der Gesetz­ge­ber das Ziel, eine bis dahin feh­len­de Bemes­sungs­grund­la­ge für die Ent­schä­di­gung beweg­li­cher Sachen, die nicht bereits Gegen­stand einer Unter­neh­mens­re­sti­tu­ti­on oder ‑ent­schä­di­gung sind 18, zu schaf­fen. Dabei ging er erkenn­bar davon aus, mit § 5a Ent­SchG wer­de die Geset­zes­lü­cke abschlie­ßend aus­ge­füllt und für alle die­se beweg­li­chen Sachen eine Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung geschaf­fen 19. Dies schließt es aus, für in § 5a Ent­SchG nicht spe­zi­ell auf­ge­führ­te beweg­li­che Sachen – wie etwa Schif­fe – eine plan­wid­ri­ge Geset­zes­lü­cke anzu­neh­men.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Anfor­de­run­gen[↑]

Der für die Bemes­sung der Ent­schä­di­gung – wie sich aus dem Vor­ste­hen­den ergibt – hier ein­schlä­gi­ge § 5a Ent­SchG steht mit Ver­fas­sungs­recht im Ein­klang.

Die Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 GG ist nicht ver­letzt.

§ 5a Ent­schG ist nicht an Art. 14 GG zu mes­sen. Die­ses Grund­recht schei­det als Prü­fungs­maß­stab für die Wie­der­gut­ma­chung der unter der Ver­ant­wor­tung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik began­ge­nen rechts­staats­wid­ri­gen Ver­mö­gens­ein­grif­fe aus. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 20 lässt sich eine Pflicht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Wie­der­gut­ma­chung von Unrecht einer nicht an das Grund­ge­setz gebun­de­nen Staats­ge­walt nicht aus ein­zel­nen Grund­rech­ten her­lei­ten. Dem Eigen­tums­grund­recht des Art. 14 GG sind des­halb für die Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­pflich­tet ist, für der­ar­ti­ges Unrecht einen Aus­gleich zu schaf­fen, kei­ne Vor­ga­ben zu ent­neh­men. Das Glei­che gilt für die Art einer Wie­der­gut­ma­chung und deren Aus­ge­stal­tung im Ein­zel­nen. So ver­pflich­tet Art. 14 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber etwa weder zu einer Wie­der­gut­ma­chung von Ver­mö­gens­schä­den in der Form einer Rück­ga­be rechts­staats­wid­rig ent­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te noch zur Eröff­nung von Wie­der­er­werbs­mög­lich­kei­ten oder zu einer Ent­schä­di­gung. Da Art. 14 GG als Prü­fungs­maß­stab für die Wie­der­gut­ma­chung der unter der Ver­ant­wor­tung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik began­ge­nen rechts­staats­wid­ri­gen Ver­mö­gens­ein­grif­fe aus­schei­det, kommt auch nicht in Betracht, aus der Wert­ent­schei­dung des Art. 14 Abs. 1 GG zuguns­ten des Pri­vat­ei­gen­tums oder aus der Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung des Art. 14 Abs. 3 GG Vor­ga­ben für die Bemes­sung der Ent­schä­di­gung nach dem Ent­schä­di­gungs­ge­setz abzu­lei­ten 21.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ist gleich­falls nicht ver­letzt. Ins­be­son­de­re erweist sich die Begren­zung der Bemes­sungs­grund­la­ge auf 40.000 DM nach § 5a Abs. 4 Ent­schG auch im Hin­blick auf die vom Klä­ger ange­führ­te Fall­grup­pe der zur Berufs­aus­übung die­nen­den ein­ge­tra­ge­nen Schif­fe als mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­ein­bar.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts davon aus, dass dem Gesetz­ge­ber auf dem Gebiet der Wie­der­gut­ma­chung auch im Rah­men des Art. 3 Abs. 1 GG ein beson­ders wei­tes Beur­tei­lungs­er­mes­sen zusteht und er den Gleich­heits­satz nur in sei­ner Bedeu­tung als Will­kür­ver­bot zu beach­ten hat. Ver­bo­ten ist dem Gesetz­ge­ber danach die will­kür­lich unglei­che Behand­lung von Sach­ver­hal­ten, die in wesent­li­chen Punk­ten gleich sind. Wel­che Sach­ver­halts­ele­men­te so wich­tig sind, dass ihre Ver­schie­den­heit eine Ungleich­be­hand­lung recht­fer­tigt, unter­liegt regel­mä­ßig sei­ner Ent­schei­dung. Der Spiel­raum des Gesetz­ge­bers endet erst dort, wo die unglei­che Behand­lung nicht mehr mit einer am Gerech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­ten Betrach­tungs­wei­se ver­ein­bar ist, wo mit ande­ren Wor­ten ein sich aus der Natur der Sache erge­ben­der oder sonst sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für die gesetz­li­che Dif­fe­ren­zie­rung fehlt 22. Dar­an gemes­sen liegt der von dem Klä­ger gerüg­te Grund­rechts­ver­stoß nicht vor 23.

Die Ungleich­be­hand­lung der­je­ni­gen Ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­ten, denen eine beweg­li­che Sache im Wert zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Schä­di­gung von bis zu 40.000 DM ent­zo­gen wur­de, gegen­über den­je­ni­gen Ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­ten, bei denen der Wert der ent­zo­ge­nen beweg­li­chen Sache über 40.000 DM lag, ist nicht gleich­heits­wid­rig. Zwar wird durch die Begren­zung der Bemes­sungs­hö­he die zuletzt genann­te Grup­pe im Ver­gleich zu der zuerst ange­führ­ten schlech­ter gestellt. Die­se Ungleich­be­hand­lung ist jedoch noch mit einer am Gerech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­ten Betrach­tungs­wei­se ver­ein­bar.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 24 ist der Gesetz­ge­ber auch unter dem Gesichts­punkt des Art. 3 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich nicht gehal­ten, die Höhe der Ent­schä­di­gung vor­nehm­lich an der Ver­kehrs­wert­hö­he des ver­lo­re­nen Ver­mö­gens aus­zu­rich­ten. Er konn­te auch ande­re zen­tra­le Gesichts­punk­te des Ent­schä­di­gungs­rechts bei der Bewäl­ti­gung von Fol­gen des Krie­ges und der deut­schen Tei­lung berück­sich­ti­gen. Dazu gehört das Ver­hält­nis die­ser Ver­mö­gens­ent­schä­di­gung zu ande­ren Ent­schä­di­gungs- oder Wie­der­gut­ma­chungs­leis­tun­gen. Die Höhe der Ent­schä­di­gungs­leis­tung für ver­lo­re­nes Ver­mö­gen ist nicht allein an des­sen Wert zu bemes­sen, son­dern auch an den Ent­schä­di­gun­gen für ande­res began­ge­nes Unrecht, das nicht min­der schwer wiegt als der Ver­lust des Eigen­tums, bei dem Ent­schä­di­gun­gen aber nur in gerin­gem Maße zu rea­li­sie­ren sind. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die Begren­zung der Ent­schä­di­gung auf das in § 5a Abs. 4 Ent­SchG vor­ge­se­he­ne Maß nicht als will­kür­lich ange­se­hen wer­den.

Nichts ande­res gilt mit Blick dar­auf, dass die­se Begren­zung die­je­ni­gen begüns­tigt, deren Scha­den die Höchst­gren­ze nicht über­steigt. Damit hat der Gesetz­ge­ber aus sozia­len Grün­den sicher­ge­stellt, dass der Ver­mö­gens­ver­lust umso höher aus­ge­gli­chen wird, je klei­ner das Ver­mö­gen gewe­sen ist. Das inso­fern ver­folg­te Ziel, bei der Ent­schä­di­gung sozia­le Gerech­tig­keit zu ver­wirk­li­chen, fin­det sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Begrün­dung im Sozi­al­staats­ge­bot des Art.20 Abs. 1 GG und recht­fer­tigt des­halb auch Dif­fe­ren­zen zwi­schen dem Wert des ver­lo­re­nen Ver­mö­gens und der Höhe der Ent­schä­di­gungs­leis­tung 25.

Schließ­lich ist die mit der Höchst­gren­ze ein­her­ge­hen­de Ungleich­be­hand­lung der hier inter­es­sie­ren­den Ver­gleichs­grup­pe auch des­halb nicht will­kür­lich, weil der Gesetz­ge­ber bei der Bewäl­ti­gung der Fol­gen des Krie­ges und der deut­schen Tei­lung auch den inso­weit zen­tra­len Gesichts­punkt der Erfül­lung der für not­wen­dig erach­te­ten wei­te­ren Auf­bau­ar­bei­ten der deut­schen Eini­gung in Rech­nung stel­len durf­te. Er durf­te Vor­sor­ge dafür tref­fen, dass neben der Gewäh­rung von Wie­der­gut­ma­chungs- und Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen als erfor­der­lich ange­se­he­ne wei­te­re Auf­ga­ben aus Anlass der deut­schen Eini­gung erfüllt wer­den konn­ten. Im Rah­men des ihm zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raums durf­te er auch dar­auf Rück­sicht neh­men, wel­che finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten er zur Wie­der­gut­ma­chung unter Berück­sich­ti­gung der sons­ti­gen Staats­auf­ga­ben hat. Bei der Finan­zie­rung der mit der deut­schen Eini­gung ver­bun­de­nen Auf­ga­ben durf­te er Prio­ri­tä­ten zuguns­ten gemein­wohl­ori­en­tier­ter Pro­jek­te set­zen und um deren Rea­li­sie­rung wil­len die Sum­me der den Ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­ten zuflie­ßen­den Haus­halts­mit­tel auf ein ins­ge­samt finan­zier­ba­res Maß zurück­füh­ren. Auch die­ser Gesichts­punkt recht­fer­tigt die unglei­che Behand­lung 26.

Die Höchst­gren­ze erweist sich nicht des­halb als gleich­heits­wid­rig, weil die Ent­schä­di­gung wegen des Ent­zugs einer beweg­li­chen Sache nach § 5a Abs. 4 Ent­SchG in der Höhe begrenzt ist, wäh­rend der­je­ni­ge, dem eine sol­che Sache rück­über­tra­gen wird, in den unge­schmä­ler­ten Genuss des Wer­tes der Sache gelangt.

Die­se Ungleich­be­hand­lung stellt sich des­halb nicht als will­kür­lich dar, weil der Gesetz­ge­ber – wie auf­ge­zeigt – berück­sich­ti­gen durf­te, dass die Ent­schä­di­gung ande­ren Unrechts als des Ent­zugs des Ver­mö­gens nur in gerin­gem Maße zu rea­li­sie­ren ist und er im Inter­es­se der Finan­zie­rung mit der deut­schen Ein­heit ein­her­ge­hen­de gemein­wohl­ori­en­tier­te Pro­jek­te die Ent­schä­di­gungs­sum­me begren­zen durf­te.

§ 5a Ent­SchG hält Art. 3 Abs. 1 GG auch mit Blick dar­auf stand, dass sich die Ent­schä­di­gung wegen der Ent­zie­hung einer beweg­li­chen Sache an dem Wert zum Zeit­punkt der Schä­di­gung aus­rich­tet und nach § 5a Abs. 4 Ent­SchG höhen­mä­ßig begrenzt ist, wäh­rend die­je­ni­gen, denen ein Grund­stück ent­zo­gen wur­de, eine nach § 3 Ent­SchG unge­de­ckel­te Ent­schä­di­gung auf der Grund­la­ge des vor der Schä­di­gung zuletzt fest­ge­stell­ten und ver­viel­fach­ten Ein­heits­werts unter Beach­tung der Degres­si­ons­re­ge­lung (§ 7 Ent­SchG) bean­spru­chen kön­nen.

Die damit ver­bun­de­ne unter­schied­li­che Behand­lung für die Ent­schä­di­gung von beweg­li­chen Sachen einer­seits und Grund­ver­mö­gen ande­rer­seits ist bei Zugrun­de­le­gung des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers im Wie­der­gut­ma­chungs­recht nicht will­kür­lich. Sie knüpft ins­be­son­de­re an die für die Rechts­ord­nung grund­le­gen­de Unter­schei­dung zwi­schen beweg­li­chen Sachen und unbe­weg­li­chen Sachen (Grund­ver­mö­gen) an und berück­sich­tigt in tat­säch­li­cher Hin­sicht deren typi­scher­wei­se unter­schied­li­che Wert­ent­wick­lung.

Ein bedeut­sa­mer Unter­schied zwi­schen beweg­li­chen Sachen einer­seits und sons­ti­gen Ver­mö­gens­wer­ten – ins­be­son­de­re Grund­stü­cken – liegt dar­in, dass beweg­li­che Sachen in der Wirk­lich­keit leich­ter abhan­den­kom­men, regel­mä­ßig einem zeit­be­ding­ten Wert­ver­lust unter­lie­gen und bis zum Sub­stanz­ver­zehr abge­nutzt wer­den kön­nen 27. Dem­ge­gen­über ver­hält es sich bei Grund­ver­mö­gen erfah­rungs­ge­mäß eher umge­kehrt. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Ent­wick­lung des Wer­tes von Grund­ver­mö­gen im Bei­tritts­ge­biet nach Her­stel­lung der deut­schen Ein­heit. Infol­ge des Weg­falls der deut­schen Tei­lung sind die Ver­kehrs­wer­te der Immo­bi­li­en in den neu­en Län­dern im Durch­schnitt erheb­lich gestie­gen. Der Unter­schied in der Wert­ent­wick­lung von Grund­ver­mö­gen und beweg­li­chen Sachen spie­gelt sich in den unter­schied­li­chen Rege­lun­gen über Ent­schä­di­gung wider.

Der Wert­stei­ge­rung von Grund­ver­mö­gen hat der Gesetz­ge­ber im Rah­men des § 3 Ent­SchG dadurch Rech­nung getra­gen, dass sich die Bewer­tung sol­chen Ver­mö­gens an ihrem ange­nom­me­nen Wert zum Zeit­punkt der Wie­der­ver­ei­ni­gung ori­en­tiert. Zweck des Abstel­lens auf den vor der Schä­di­gung zuletzt fest­ge­stell­ten Ein­heits­wer­tes und des­sen dif­fe­ren­zier­te Ver­viel­fa­chung nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 5 Ent­schG ist es, die Höhe der Ent­schä­di­gung an den fik­ti­ven Ver­kehrs­wert der jewei­li­gen Grund­stücks­art im Zeit­punkt der Wie­der­ver­ei­ni­gung am 3.10.1990 zu knüp­fen.

Da bei beweg­li­chen Sachen eine Wert­stei­ge­rung typi­scher­wei­se nicht zu ver­zeich­nen ist, ver­zich­tet § 5a Ent­SchG dar­auf, die Bemes­sungs­grund­la­ge der Ent­schä­di­gung an einem fik­ti­ven Wert zum Zeit­punkt der deut­schen Eini­gung aus­zu­rich­ten. Soweit die Bemes­sungs­grund­la­ge auf den Wert der Sache zum Zeit­punkt der Ent­zie­hung abstellt (§ 5a Abs. 1 Satz 1 Ent­SchG), hat der Gesetz­ge­ber noch außer Betracht gelas­sen, dass sich der Wert von beweg­li­chen Sachen vom Schä­di­gungs­zeit­punkt wäh­rend des Bestehens der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik bis zur Wie­der­ver­ei­ni­gung typi­scher­wei­se deut­lich ver­rin­gert hät­te oder gar ein Sub­stanz­ver­zehr zu ver­zeich­nen gewe­sen wäre. Ins­be­son­de­re hat er zuguns­ten der Berech­tig­ten davon abge­se­hen, zeit­lich gestuf­te Abschlä­ge vor­zu­se­hen. Den Beson­der­hei­ten der Wert­ent­wick­lung bei beweg­li­chen Sachen hat er aber nicht nur dadurch Rech­nung getra­gen, dass er hin­sicht­lich der Bemes­sungs­grund­la­ge nicht auf einen fik­ti­ven Wert zum Zeit­punkt der Wie­der­ver­ei­ni­gung abge­stellt hat, son­dern auch in der Wei­se, dass er die Bemes­sungs­grund­la­ge auf 40.000 DM begrenzt hat. Auf­grund der auf­ge­zeig­ten tat­säch­li­chen Unter­schie­de zwi­schen beweg­li­chen Sachen und Grund­ver­mö­gen, erweist sich dies als will­kürfrei.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­kennt nicht, dass die Höchst­gren­ze des § 5a Abs. 4 Ent­SchG im Ein­zel­fall bei bestimm­ten beweg­li­chen Sachen, bei denen die typi­scher­wei­se anzu­neh­men­de Wert­ent­wick­lung nicht ein­ge­tre­ten wäre oder deren Wert zum Zeit­punkt der Ent­zie­hung 40.000 DM sehr deut­lich über­stieg, zu Här­ten füh­ren kann. Auch mit Blick auf das dem Gesetz­ge­ber auf dem Gebiet der Wie­der­gut­ma­chung zuste­hen­de beson­ders wei­te Beur­tei­lungs­er­mes­sen sind pau­scha­lie­ren­de und typi­sie­ren­de Rege­lun­gen aber nicht schon dann als gleich­heits­wid­rig anzu­se­hen, wenn sie im Ein­zel­fall Unzu­träg­lich­kei­ten bewir­ken.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Juli 2014 – 5 C 20.2013 -

  1. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 13.07.2004, BGBl I S. 1658, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 23.05.2011, BGBl I S. 920[]
  2. im Schiffs­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne[]
  3. vgl. Ellen­ber­ger, in: Palandt, BGB, 71. Aufl.2012, Überbl. vor § 90 Rn. 3[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.01.2011 – 5 C 3.10, BVerw­GE 138, 385 = Buch­holz 428.41 § 3 Ent­schG Nr. 10, jeweils Rn. 13[]
  5. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 12.09.2013 – 5 C 35.12, BVerw­GE 148, 13 Rn. 27; und vom 18.04.2013 – 5 C 18.12, Buch­holz 436.511 § 93 SGB VIII Nr. 5 Rn. 22, jeweils m.w.N.[]
  6. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 12.09.2013 a.a.O.; und vom 18.04.2013 a.a.O., jeweils m.w.N.[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 12.09.2013 a.a.O. Rn. 36[]
  8. vgl. Larenz, Metho­den­leh­re der Rechts­wis­sen­schaft, 6. Aufl.1991, S. 384[]
  9. BGBl I S. 1133[]
  10. vom 15.11.1940, RGBl I, S. 1499, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 21.01.2013, BGBl I S. 91[]
  11. vgl. Sei­ler, in: Thomas/​Putzo, ZPO, 33. Aufl.2012, § 870a Rn. 1[]
  12. BGBl I S. 3366, 3862[]
  13. BGBl I S. 4318[]
  14. vgl. BFH, Urteil vom 02.05.2000 – IX R 71/​96, BB 2000, 2081, 2082 m.w.N.[]
  15. vom 01.10.2002, BGBl I S. 3866, 2003 I S. 61) hat er zugleich Son­der­re­ge­lun­gen vor­ge­se­hen, wel­che die­se Ver­wei­sung teil­wei­se wie­der ein­schrän­ken oder modi­fi­zie­ren (vgl. z.B. § 322 Abs. 1 Satz 3 AO).

    Von einer pau­scha­len steu­er­recht­li­chen Gleich­be­hand­lung von ein­ge­tra­ge­nen Schif­fen und unbe­weg­li­chen Sachen wur­de eben­falls abge­se­hen. Das zeigt sich etwa dar­an, dass das dif­fe­ren­zier­te Grund­steu­er­recht, mit dem die Eigen­tü­mer von Grund­be­sitz ver­an­lagt wer­den, für Schif­fe nicht gilt. Nach § 2 des Grund­steu­er­ge­set­zes ((vom 07.08.1973, BGBl I S. 965, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 19.12 2008, BGBl I S. 2794[]

  16. vgl. BVerwG, Beschluss vom 29.10.2013 – 5 B 71.13 6 m.w.N.[]
  17. vom 15.09.2000, BGBl I S. 1382[]
  18. vgl. BVerwG, Urteil vom 19.11.1998 – 7 C 40.97, BVerw­GE 107, 380, 385 f. = Buch­holz 428 § 9 VermG Nr. 3 S. 12, 16 f.[]
  19. vgl. BT-Drs. 14/​1932 S. 10[]
  20. BVerwG, Urteil vom 22.11.2000 – 1 BvR 2307/​94 u.a., BVerfGE 102, 254, 297 m.w.N.[]
  21. vgl. BVerfG, Urteil vom 22.11.2000 a.a.O., 300[]
  22. BVerfG, Urteil vom 22.11.2000 a.a.O., 299 m.w.N.[]
  23. vgl. Zim­mer­mann, in: Rechts­hand­buch Ver­mö­gen und Inves­ti­tio­nen in der ehe­ma­li­gen DDR, Stand 2013, § 4 Ent­SchG Rn. 10 und Bro­schat, in: Fieberg/​Reichenbach/​Messerschmidt/​Neuhaus, Ent­SchG, Stand Okto­ber 2010, § 4 Rn. 43[]
  24. BVerwG, Urteil vom 22.11.2000 a.a.O., 310 f. und 312 f.[]
  25. vgl. BVerfG, Urteil vom 22.11.2000 a.a.O., 314[]
  26. vgl. BVerfG, Urteil vom 22.11.2000 a.a.O., 303 f. und 310 ff.[]
  27. vgl. BVerwG, Urteil vom 19.11.1998 – 7 C 40.97, BVerw­GE 107, 380, 386 = Buch­holz 428 § 9 VermG Nr. 3 S. 12, 17[]