Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te – und ihre Über­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Es ist Sache der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te, Maß­nah­men der staat­li­chen Gewalt der Län­der im Rah­men ihrer Ver­fah­rens­ord­nun­gen am Maß­stab der Lan­des­grund­rech­te zu bewer­ten. Die­se Bewer­tung prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht nach [1].

Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te – und ihre Über­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Zwar kann eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch gegen eine Ent­schei­dung eines Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts erho­ben wer­den, um einen Ver­stoß gegen die im Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten Grund­rech­te gel­tend zu machen [2].

Bei der Über­prü­fung von Ent­schei­dun­gen eines Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist jedoch zu beach­ten, dass Maß­stab der vor­aus­ge­gan­ge­nen Prü­fung durch die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te die jewei­li­ge Lan­des­ver­fas­sung ist, nicht das Grund­ge­setz [3].

Die Ver­fas­sungs­be­rei­che von Bund und Län­dern ste­hen grund­sätz­lich selb­stän­dig neben­ein­an­der [4]. Dem­entspre­chend muss der Bereich der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit der Län­der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mög­lichst unan­ge­tas­tet blei­ben und die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit darf von der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit nicht in grö­ße­re Abhän­gig­keit gebracht wer­den, als es nach dem Bun­des­ver­fas­sungs­recht unver­meid­bar ist [5]. Es ist Sache der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te, Maß­nah­men der staat­li­chen Gewalt der Län­der im Rah­men ihrer Ver­fah­rens­ord­nun­gen am Maß­stab der Lan­des­grund­rech­te zu bewer­ten. Die­se Bewer­tung prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht nach [1].

Um die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung eines Grund­rechts des Grund­ge­set­zes durch die Ent­schei­dung des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf­zu­zei­gen, ist daher die Dar­le­gung erfor­der­lich, dass der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof eine eige­ne Ver­let­zung eines Grund­rechts des Grund­ge­set­zes durch sei­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung oder die Aus­le­gung des ange­wand­ten Rechts began­gen hat. Dies kann nicht dadurch erfol­gen, dass gel­tend gemacht wird, dass das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt die dort gerüg­te Ver­let­zung der Lan­des­ver­fas­sung ver­neint hat.

Dies gilt auch, wenn der Beschwer­de­füh­rer vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine feh­ler­haf­te Über­prü­fung der fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen anhand der Lan­des­grund­rech­te gel­tend macht, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zu über­prü­fen hat.

Soweit sich die beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de außer gegen die Ent­schei­dung des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch gegen die bereits vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­grif­fe­ne fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen rich­tet, ist sie dar­über hin­aus unzu­läs­sig, wenn sie im Hin­blick auf die­se fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dung nicht die Monats­frist aus § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG wahrt. Der Beschluss des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts setzt die­se Frist nicht neu in Gang. Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu einem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt gehört nicht zu dem nach § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG zu erschöp­fen­den Rechts­weg [6].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Febru­ar 2020 – 1 BvR 577/​19

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.06.2006 – 1 BvR 1096/​05, Rn. 14[][]
  2. vgl. BVerfGE 96, 231, 242 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.06.2006 – 1 BvR 1096/​05, Rn. 13[]
  4. vgl. BVerfGE 4, 178, 189; 96, 345, 368[]
  5. vgl. BVerfGE 60, 175, 209; 96, 231, 242[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.06.2006 – 1 BvR 1096/​05, Rn. 10 m.w.N.[]