Ent­schei­dun­gen im Eil­ver­fah­ren – und die genü­gend inten­si­ve Durch­drin­gung der Sach- und Rechts­la­ge

Hin­sicht­lich des Rechts auf effek­ti­ven Rechts­schutz ver­langt Art.19 Abs. 4 GG regel­mä­ßig die Mög­lich­keit fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes, , wenn ohne sie dem Betrof­fe­nen eine erheb­li­che, über Rand­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung in sei­nen Rech­ten droht, die durch die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr besei­tigt wer­den könn­te1.

Ent­schei­dun­gen im Eil­ver­fah­ren – und die genü­gend inten­si­ve Durch­drin­gung der Sach- und Rechts­la­ge

Im Ver­fah­ren des fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes dür­fen Ent­schei­dun­gen grund­sätz­lich sowohl auf eine Fol­genab­wä­gung als auch auf eine sum­ma­ri­sche Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten in der Haupt­sa­che gestützt wer­den2.

Hier­bei ist dem Gewicht der in Fra­ge ste­hen­den und gege­be­nen­falls mit­ein­an­der abzu­wä­gen­den Grund­rech­te Rech­nung zu tra­gen, um eine etwai­ge Ver­let­zung von Grund­rech­ten nach Mög­lich­keit zu ver­hin­dern3.

Beson­de­re Anfor­de­run­gen an die Aus­ge­stal­tung des Eil­ver­fah­rens stellt Art.19 Abs. 4 GG, wenn ohne die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes schwe­re und unzu­mut­ba­re, anders nicht abwend­ba­re Beein­träch­ti­gun­gen ent­ste­hen kön­nen4. Die Gerich­te müs­sen in der­ar­ti­gen Fäl­len, wenn sie sich an den Erfolgs­aus­sich­ten der Haupt­sa­che ori­en­tie­ren wol­len, die Sach- und Rechts­la­ge regel­mä­ßig nicht nur sum­ma­risch, son­dern abschlie­ßend prü­fen. Dabei müs­sen sie sich schüt­zend und för­dernd vor die Grund­rech­te des Ein­zel­nen stel­len.

Aller­dings hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits in einem Beschluss vom 06.02.20135 fest­ge­hal­ten, dass sich aus den aus Art.19 Abs. 4 GG fol­gen­den Anfor­de­run­gen an den fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz nur aus­nahms­wei­se die Not­wen­dig­keit einer Voll­prü­fung ergibt6. Die Fach­ge­rich­te müs­sen viel­mehr die Sach- und Rechts­la­ge nur umso ein­ge­hen­der prü­fen, je gewich­ti­ger die dro­hen­de Grund­rechts­ver­let­zung und je höher ihre Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit ist. Fin­det eine gemes­sen am Gewicht der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen genü­gend inten­si­ve Durch­drin­gung der Sach- und Rechts­la­ge statt, kann es unschäd­lich sein, wenn das Fach­ge­richt den Aus­gang des Haupt­sa­che­ver­fah­rens gleich­wohl als offen ein­schätzt und die von ihm vor­ge­nom­me­ne Prü­fung selbst als sum­ma­risch bezeich­net, ohne des­we­gen allein auf eine Fol­genab­wä­gung abzu­stel­len, sofern nur deut­lich wird, dass das Fach­ge­richt den Aus­gang des Haupt­sa­che­ver­fah­rens für weit­ge­hend zuver­läs­sig pro­gnos­ti­zier­bar hält.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Juni 2018 – 1 BvR 733/​18

  1. vgl. BVerfGE 93, 1, 13 f.; 126, 1, 27; stRspr
  2. vgl. BVerfGE 126, 1, 28; BVerfGK 5, 237, 242; 20, 196, 197
  3. vgl. BVerfGE 126, 1, 28; BVerfGK 20, 196, 197
  4. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BVerfGK 5, 237, 242 und BVerfG, Beschluss vom 27.07.2016 – 1 BvR 1241/​16 11
  5. BVerfGK 20, 196
  6. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BVerfGK 20, 196, 197 f.