Erhö­hung des Grund­steu­er­he­be­sat­zes

Ist die Erhö­hung des Hebe­sat­zes der für die mit Wohn­ge­bäu­den bebau­ten Grund­stü­cke maß­ge­ben­den Grund­steu­er B weder will­kür­lich erfolgt noch eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge finan­zi­el­le Belas­tung der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und auch ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz liegt nicht vor, dann ist die Erhö­hung recht­mä­ßig erfolgt.

Erhö­hung des Grund­steu­er­he­be­sat­zes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall meh­re­re Kla­gen gegen die Anhe­bung des Hebe­sat­zes der für die mit Wohn­ge­bäu­den bebau­ten Grund­stü­cke maß­geb­li­chen Grund­steu­er B von bis­lang 445 % auf nun­mehr 825 % durch die Stadt Selm abge­wie­sen. Ins­ge­samt sind noch ca. 150 Ver­fah­ren anhän­gig, in denen die Klä­ger gel­tend machen, die auf dem fast ver­dop­pel­ten Hebe­satz beru­hen­de Steu­er füh­re zu einer unzu­mut­ba­ren Belas­tung und ent­fal­te eine unzu­läs­si­ge „Erdros­se­lungs­wir­kung“. Der gewähl­te Hebe­satz sei im bun­des­wei­ten Ver­gleich neu­er „Spit­zen­rei­ter“ und durch den Rat als Sat­zungs­ge­ber will­kür­lich, unsach­lich und gleich­heits­wid­rig gewählt wor­den. Ins­be­son­de­re habe die Stadt die Gewer­be­steu­er und die Grund­steu­er A für land­wirt­schaft­lich genutz­te Gebäu­de gleich­heits­wid­rig nicht ent­spre­chend ange­ho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen kom­me den Gemein­den auch bei der Fest­set­zung des Hebe­sat­zes seit jeher ein wei­ter kom­mu­nal­po­li­ti­scher Ermes­sen­spiel­raum zu, der allein durch das Will­kür­ver­bot begrenzt sei. Weder das Gericht noch der jewei­li­ge Steu­er­pflich­ti­ge sei­en daher befugt, ihre eige­nen für rich­tig oder sach­ge­recht gehal­te­nen Vor­stel­lun­gen an die Stel­le des hier­zu beru­fe­nen und ent­spre­chend legi­ti­mier­ten Sat­zungs­ge­bers zu set­zen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen konn­te weder eine will­kür­li­che Erhö­hung des Hebe­sat­zes fest­stel­len noch eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge oder „erdros­seln­de“ finan­zi­el­le Belas­tung der Grund­ei­gen­tü­mer. Auch ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz sei nicht zu erken­nen: Zum einen schei­de nach der föde­ra­len Struk­tur der Bun­des­re­pu­blik ein Ver­gleich mit den Hebe­sät­zen ande­rer Gemein­den von vorn­her­ein aus. Zum ande­ren sei­en Gewer­be­steu­er und Grund­steu­er A schon kraft Bun­des­rechts unab­hän­gig von der Grund­steu­er B zu betrach­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urtei­le vom 25. Okto­ber 2012 – 5 K 1137/​12 u.a.