Erlaub­nis für Alko­hol­aus­schank auf Weihnachtsmarkt

Für den Betrei­ber einer Rei­se­gast­stät­te in Nie­der­sach­sen, der beab­sich­tigt, auf einem Weih­nachts­markt Alko­hol aus­zu­schen­ken, ist auch nach dem Weg­fall des § 13 GastG a.F. eine Gestat­tung nach § 12 GastG erfor­der­lich. Sie ist auch nicht durch die Ein­füh­rung der Rege­lung in § 56 Abs. 1 Nr. 3 b GewO entfallen.

Erlaub­nis für Alko­hol­aus­schank auf Weihnachtsmarkt

Bei der Fest­set­zung der Höhe der Rah­men­ge­bühr war für den Weih­nachts­markt im Jahr 2009 das Äqui­va­lenz­prin­zip zu berücksichtigen.

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg ent­schie­de­nen Fall wen­det sich der Klä­ger gegen die Erhe­bung einer Gebühr durch die Beklag­te für die Ertei­lung einer Gestat­tung zur Abga­be alko­ho­li­scher Geträn­ke auf dem Weihnachtsmarkt.

Die erteil­te Gestat­tung stellt eine Amts­hand­lung dar. Für eine sol­che erhebt die zustän­di­ge Behör­de gem. § 1 NVw­KostG Gebüh­ren, wenn der Betei­lig­te zu der Amts­hand­lung Anlass gege­ben hat. Dies ist hier der Fall. Der Klä­ger hat sich mit sei­nem Aus­schank „A.“ für den …markt 2009 bewor­ben und damit der Aus­sa­ge der Beklag­ten zufol­ge, der der Klä­ger nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten ist, wie in den Jah­ren zuvor zugleich kon­klu­dent die Ertei­lung der dafür erfor­der­li­chen Erlaub­nis­se beantragt.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers ist die nach § 12 GastG erteil­te Gestat­tung für den von ihm beab­sich­tig­ten Aus­schank alko­ho­li­scher Geträn­ke auch wei­ter­hin erfor­der­lich. Dem Lan­des­ge­setz­ge­ber steht es frei, die Erlaub­nis­pflicht für das Gast­stät­ten­ge­wer­be auf­zu­he­ben [1]. Man­gels einer sol­chen Rege­lung in Nie­der­sach­sen zum der­zei­ti­gen Zeit­punkt bleibt es jedoch bei der Erlaub­nis­pflicht nach dem GastG für den Aus­schank alko­ho­li­scher Geträn­ke im Rah­men einer sog. Reisegaststätte.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht durch die Auf­he­bung des § 13 GastG durch den Bun­des­ge­setz­ge­ber [2]. In § 13 Abs. 1 GastG war bis zur Auf­he­bung durch das „Zwei­te Gesetz zum Abbau büro­kra­ti­scher Hemm­nis­se ins­be­son­de­re in der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft“ vom 7. Sep­tem­ber 2007 [3] gere­gelt, dass auf die in § 1 Abs. 2 genann­ten Tätig­kei­ten Titel III der Gewer­be­ord­nung kei­ne Anwen­dung fin­det, auch soweit es sich um Per­so­nen han­delt, die das Rei­se­ge­wer­be nicht selb­stän­dig betrei­ben. Damit soll­te bis­lang in die­sem Bereich ein Kon­kur­renz­ver­hält­nis zwi­schen dem der Erlaub­nis­pflicht nach § 55 Abs. 2 GewO und nach dem GastG ver­hin­dert wer­den [4].

Auf­grund des Weg­falls des § 13 GastG sind die Rege­lun­gen des Titel III. (§§ 55 bis 61) der GewO auch auf die Betrei­ber von Rei­se­gast­stät­ten anwend­bar. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass durch das Ent­ste­hen der Erfor­der­lich­keit einer Rei­se­ge­wer­be­kar­te das Erfor­der­nis einer gast­stät­ten­recht­li­chen Erlaub­nis ent­fällt. Dass der Bun­des­ge­setz­ge­ber den Weg­fall der Erfor­der­lich­keit der gast­stät­ten­recht­li­chen Erlaub­nis mit der Auf­he­bung des § 13 GastG in die­sen Kon­stel­la­tio­nen nicht beab­sich­tig­te, ergibt sich bereits aus der Neu­re­ge­lung des § 55 a Abs. 1 Nr. 7 GewO. Danach bedarf einer Rei­se­ge­wer­be­kar­te nicht, wer ein nach Bun­des- oder Lan­des­recht erlaub­nis­pflich­ti­ges Gewer­be aus­übt, für des­sen Aus­übung die Zuver­läs­sig­keit erfor­der­lich ist, und über die erfor­der­li­che Erlaub­nis ver­fügt. Mit der Rege­lung des § 55 a Abs. 1 Nr. 7 GewO hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber einer mög­li­chen Dop­pel­be­las­tung des Betrei­bers einer Rei­se­gast­stät­te i.S.d. § 1 Abs. 2 GastG entgegengewirkt.

Die feh­len­de Rege­lung des umge­kehr­ten Fal­les – Ent­behr­lich­keit einer gast­stät­ten­recht­li­chen Erlaub­nis beim Vor­lie­gen einer Rei­se­ge­wer­be­kar­te – im Bun­des­gast­stät­ten­ge­setz spricht gegen einen ent­spre­chen­den Rege­lungs­wil­len des Bun­des­ge­setz­ge­bers. Die gewer­be­recht­li­chen Rege­lun­gen für Rei­se­gast­stät­ten sind auch kein lex spe­cia­lis gegen­über den Rege­lun­gen im GastG. In § 31 Halb­satz 1 GastG ist viel­mehr gere­gelt, dass auf die den Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes unter­lie­gen­de Gewer­be­be­trie­be die Vor­schrif­ten der Gewer­be­ord­nung soweit Anwen­dung fin­den, als nicht in die­sem Gesetz beson­de­re Bestim­mun­gen getrof­fen wor­den sind.

Die wei­ter­hin erfor­der­li­che gast­stät­ten­recht­li­che Erlaub­nis in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on ent­fällt auch nicht durch die durch das Drit­te MEG vom 17. März 2009 [5] erwei­ter­te Mög­lich­keit, im Rei­se­ge­wer­be Alko­hol aus­zu­schen­ken [2]. Gem. § 56 Abs. 1 Nr. 3 b GewO ist im Rei­se­ge­wer­be das Feil­bie­ten von alko­ho­li­schen Geträn­ken ver­bo­ten; zuge­las­sen sind Bier und Wein in fest ver­schlos­se­nen Behält­nis­sen, alko­ho­li­sche Geträn­ke im Sin­ne von § 67 Abs. 1 Nr. 1 zwei­ter und drit­ter Halb­satz und alko­ho­li­sche Geträn­ke, die im Rah­men und für die Dau­er einer Ver­an­stal­tung von einer orts­fes­ten Betriebs­stät­te zum Ver­zehr an Ort und Stel­le ver­ab­reicht wer­den. Die­se Neu­re­ge­lung soll­te jedoch ledig­lich sicher­stel­len, dass der frü­he­re Rechts­zu­stand auch nach Inkraft­tre­ten der Lan­des­gast­stät­ten­ge­set­ze bun­des­ein­heit­lich bei­be­hal­ten wird [6].

Die von der Beklag­ten ange­nom­me­ne Höhe der Gebühr von 250,– Euro ist eben­falls recht­mä­ßig. Gem. § 1 der All­ge­mei­nen Gebüh­ren­ord­nung und des dazu erlas­se­nen Kos­ten­ta­rifs Nr. 40.4.8 der Anla­ge ist für die vor­über­ge­hen­de Gestat­tung eines Gast­stät­ten­be­triebs nach § 12 GastG eine Gebühr in Höhe 44,– bis 770,– Euro zu erhe­ben. Ist für den Ansatz einer Gebühr durch die Gebüh­ren­ord­nung ein Rah­men bestimmt, so hat die Behör­de gem. § 9 Abs. 1 NVw­KostG, soweit die Gebüh­ren­ord­nung nichts ande­res vor­schreibt, bei Fest­set­zung der Gebühr das Maß des Ver­wal­tungs­auf­wan­des für die ein­zel­ne Amts­hand­lung sowie den Wert des Gegen­stan­des der Amts­hand­lung zu berück­sich­ti­gen. Bei­de Fak­to­ren sind nicht als jewei­li­ge Teil­be­trä­ge zu addie­ren, sie ste­hen viel­mehr in Wech­sel­wir­kung zuein­an­der und sind im Hin­blick auf das Äqui­va­lenz­prin­zip zu kor­ri­gie­ren. Das bedeu­tet, dass bei sehr gerin­gem Auf­wand für die Behör­de und enor­mer Bedeu­tung für den Gebüh­ren­schuld­ner die­se Bedeu­tung als Ori­en­tie­rungs­rah­men genom­men wer­den darf.

Die Gren­ze legt der jewei­li­ge Gebüh­ren­rah­men fest. Die­sen Anfor­de­run­gen kommt die Beklag­te mit der von ihr fest­ge­setz­ten Gebühr nach. Die Beklag­te ori­en­tiert sich in ers­ter Linie an der Bedeu­tung der Amts­hand­lung für den Gebüh­ren­schuld­ner und nur nach­ran­gig an dem Ver­wal­tungs­auf­wand. Es ist recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass die Beklag­te des­halb für den ers­ten Tag der Gestat­tung einen gering­fü­gig über dem Min­dest­be­trag lie­gen­den Wert annimmt und die­sen für die Fol­ge­ta­ge hal­biert. Dass die Beklag­te die­se typi­sie­ren­de Rege­lung auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren anwen­det, ist eben­falls nicht zu bean­stan­den, wenn auch ihr Ver­wal­tungs­auf­wand für die Ertei­lung der Gestat­tung in Anbe­tracht des hier vor­ge­leg­ten, nicht beson­ders umfang­rei­chen Ver­wal­tungs­vor­gangs als gering ein­zu­stu­fen ist. Dies gilt umso mehr, als sie die Gebühr wegen der bereits von den Betrei­bern an die Beklag­te zu zah­len­den Stand­gel­der seit Jah­ren auf 250,– Euro reduziert.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2011 – 12 A 3286/​09

  1. vgl. Geset­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung – „Ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes zum Abbau büro­kra­ti­scher Hemm­nis­se ins­be­son­de­re in der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft“ vom 21. März 2007,BT-Drs. 16/​476, S. 5 unter Ver­weis die Sei­ten 4 bis 42 der BT-Drs. 16/​4391 – dort S. 38[]
  2. vgl. VG Braun­schweig, Urteil vom 16.02.2011 – 1 A 6/​10[][]
  3. BGBl. I, S. 2246[]
  4. vgl. Geset­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung – „Ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes zum Abbau büro­kra­ti­scher Hemm­nis­se ins­be­son­de­re in der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft“ vom 21. März 2007, a.a.O., S. 38 der BT-Drs. 16/​4391[]
  5. BGBl. I, S. 550[]
  6. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie zu dem Geset­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung – Ent­wurf eines Drit­ten Geset­zes zum Abbau büro­kra­ti­scher Hemm­nis­se ins­be­son­de­re in der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft – vom 19. Janu­ar 2009, BT-Drs. 16/​11622, S. 7[]