Erle­di­gung durch Zeit­ab­lauf – und das Rechts­schutz­in­ter­es­se

Auch nach Erle­di­gung des ursprüng­li­chen Rechts­schutz­ziels ist in Fäl­len gewich­ti­ger, aber in tat­säch­li­cher Hin­sicht über­hol­ter Grund­rechts­ein­grif­fe ein fort­be­stehen­des Rechts­schutz­in­ter­es­se anzu­er­ken­nen, wenn sich die direk­te Belas­tung durch den ange­grif­fe­nen Hoheits­akt nach dem typi­schen Ver­fah­rens­ab­lauf auf eine Zeit­span­ne beschränkt, in wel­cher der Betrof­fe­ne eine gericht­li­che Ent­schei­dung kaum erlan­gen kann [1].

Erle­di­gung durch Zeit­ab­lauf – und das Rechts­schutz­in­ter­es­se

Dies ist bei einer frei­heits­ent­zie­hen­den vor­läu­fi­gen Unter­brin­gungs­maß­nah­me der Fall.

Eine (hier:) fast zwölf Wochen lang andau­ern­de Frei­heits­ent­zie­hung in der geschlos­se­nen Abtei­lung eines psych­ia­tri­schen Kran­ken­hau­ses ist ein beson­ders schwer­wie­gen­der Grund­rechts­ein­griff. Es wür­de der Bedeu­tung des Schut­zes der per­sön­li­chen Frei­heit, wie ihn das Grund­ge­setz garan­tiert, nicht ent­spre­chen, wenn das Recht auf ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Klä­rung einer behaup­te­ten Frei­heits­ver­let­zung bei Wie­der­ge­wäh­rung der Frei­heit ohne Wei­te­res ent­fie­le [2].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Mai 2020 – 2 BvR 1529/​19

  1. vgl. BVerfGE 104, 220, 233; 110, 77, 86; BVerfGK 2, 318, 323; 11, 323, 328; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 58, 208, 219; 65, 317, 321; BVerfGK 11, 323, 328; stRspr[]