Erschlie­ßungs­bei­trä­ge – und ihre Fest­set­zung nach 40 Jah­ren

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat ent­schie­den, dass Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. dem Gebot der Rechts­si­cher­heit in sei­ner Aus­prä­gung als Gebot der Belas­tungs­klar­heit und ‑vor­her­seh­bar­keit (Art.20 Abs. 3 GG) es ver­bie­tet, Bei­trä­ge zeit­lich unbe­grenzt nach dem Ein­tritt der Vor­teils­la­ge fest­zu­set­zen.

Erschlie­ßungs­bei­trä­ge – und ihre Fest­set­zung nach 40 Jah­ren

Unab­hän­gig von einem indi­vi­du­ell betä­tig­ten Ver­trau­en dür­fen lan­ge zurück­lie­gen­de, in tat­säch­li­cher Hin­sicht abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge nicht unbe­grenzt zur Anknüp­fung neu­er Las­ten her­an­ge­zo­gen wer­den.

Dem Gesetz­ge­ber obliegt es, einen Aus­gleich zu schaf­fen zwi­schen dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit an Bei­trä­gen und dem Inter­es­se des Bei­trags­schuld­ners, irgend­wann Klar­heit zu erlan­gen, ob und in wel­chem Umfang er zu einem Bei­trag her­an­ge­zo­gen wer­den kann 1.

Geklärt ist fer­ner, dass die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze für alle Fall­kon­stel­la­tio­nen, in denen eine abzu­gel­ten­de Vor­teils­la­ge ein­tritt, und damit für das gesam­te Bei­trags­recht gel­ten 2.

Ver­fas­sungs­recht­lich aus­ge­schlos­sen ist die zeit­lich unbe­grenz­te Anknüp­fung neu­er Las­ten an "in tat­säch­li­cher Hin­sicht abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge". Inso­weit hat das Beru­fungs­ge­richt zu dem Zustand der in den 1960er Jah­ren gebau­ten Stra­ße ein­ge­hen­de Fest­stel­lun­gen getrof­fen, die mit Ver­fah­rens­rügen nicht ange­grif­fen wor­den sind. Danach waren – abge­se­hen von Defi­zi­ten bei der Ent­wäs­se­rung – jeden­falls in Bezug auf die Stra­ßen­ober­flä­che schon damals die sat­zungs­recht­li­chen Merk­ma­le der end­gül­ti­gen Her­stel­lung nicht erfüllt. Denn die Stra­ße habe seit­lich kei­ner­lei Befes­ti­gung und Begren­zung auf­ge­wie­sen, son­dern sei gleich­sam in das angren­zen­de Gelän­de "aus­ge­lau­fen", sodass die Stra­ßen­kan­te jeder­zeit habe weg­bre­chen kön­nen. Ein sol­ches Pro­vi­so­ri­um erfüllt nicht die Anfor­de­run­gen an die erst­ma­li­ge end­gül­ti­ge Her­stel­lung der Erschlie­ßungs­an­la­ge und ver­mit­telt für sich genom­men auch unter tat­säch­li­chen Gesichts­punk­ten kei­ne bei­trags­re­le­van­te Vor­teils­la­ge.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2018 – 9 B 29.17

  1. BVerwG, Beschluss vom 05.03.2013 – 1 BvR 2457/​08, BVerfGE 133, 143 Rn. 40 ff.[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 20.03.2014 – 4 C 11.13, BVerw­GE 149, 211 Rn. 17; und vom 15.04.2015 – 9 C 19.14, Buch­holz 11 Art.20 GG Nr. 218 Rn. 9[]