Erst­wäh­lerwer­bung durch ehren­amt­li­chen Bür­ger­meis­ter

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te sich jetzt mit der Fra­ge zu befas­sen, wel­che Anfor­de­run­gen an das Neu­tra­li­täts­ge­bot von Amts­trä­gern bei Bür­ger­meis­ter­wah­len zu stel­len sind. Im zu ent­schei­den­den Fall hat­te ein ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter im Zuge einer anste­hen­den Stich­wahl für das Amt des haupt­amt­li­chen Bür­ger­meis­ters einen Brief an Erst­wäh­ler gerich­tet, in dem er zur Wahl­be­tei­li­gung auf­ge­for­dert und für den Fall sei­ner Wahl die Ein­be­ru­fung eines Jugend­par­la­ments ver­spro­chen hat­te. In dem Schrei­ben hat­te er mehr­fach auf sein Amt als ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter hin­ge­wie­sen.

Erst­wäh­lerwer­bung durch ehren­amt­li­chen Bür­ger­meis­ter

Für das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat es sich bei die­sem Erst­wäh­ler­an­schrei­ben nicht um eine zur Ungül­tig­keit der Wahl füh­ren­de unzu­läs­si­ge Wahl­be­ein­flus­sung gehan­delt. Das OVG hat dar­auf ver­wie­sen, dass sich ein Amts­trä­ger als Kan­di­dat an einer Wahl in glei­chem Umfang mit glei­chen Mit­teln betei­li­gen darf wie ande­re Bewer­ber, die die­se amt­li­che Eigen­schaft und die damit ver­bun­de­nen Mög­lich­kei­ten nicht besit­zen. Aller­dings müs­sen dabei pri­va­te und amt­li­che Äuße­run­gen des Amts­trä­gers hin­rei­chend sicher unter­scheid­bar sein, da amt­li­che Wahl­be­ein­flus­sun­gen unzu­läs­sig sind. Einen amt­li­chen Cha­rak­ter des Erst­wäh­ler­an­schrei­bens hat der Senat ver­neint, weil es nach sei­nem Inhalt und der Form nicht den Ein­druck ver­mit­telt, dass der ehren­amt­li­che Bür­ger­meis­ter sei­ne amt­li­che Auto­ri­tät in Anspruch genom­men hat­te, um sei­nen Wahl­aus­sa­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. Ein sol­cher Ein­druck konn­te zum Zeit­punkt der Wahl schon des­halb nicht ent­ste­hen, weil der ehren­amt­li­che Bür­ger­meis­ter nicht Lei­ter der Gemein­de­ver­wal­tung war und hoheit­li­che Befug­nis­se nicht aus­üben konn­te. Auch wur­de für das Schrei­ben kein amt­li­cher Brief­kopf ver­wen­det.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Janu­ar 2009 – 10 LA 316/​08