Ethik-Unter­richt in der Grund­schu­le

Es besteht kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung der Bun­des­län­der, ein Schul­fach Ethik für die­je­ni­gen Schü­ler in der Grund­schu­le ein­zu­rich­ten, die nicht am Reli­gi­ons­un­ter­richt teil­neh­men.

Ethik-Unter­richt in der Grund­schu­le

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit begehrt die Klä­ge­rin, eine Mut­ter kon­fes­si­ons­lo­ser schul­pflich­ti­ger Kin­der, die Fest­stel­lung, dass das beklag­te Land Baden-Würt­tem­berg zur Ein­füh­rung des Fachs Ethik an der Grund­schu­le ver­pflich­tet war. Ihre hier­auf gerich­te­te Kla­ge blieb in bei­den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg1 und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg2 in Mann­heim ohne Erfolg. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg hat es für recht­mä­ßig erach­tet, dass das Land erst in höhe­ren Klas­sen (7. oder 8. Klas­se) Ethik­un­ter­richt im Rah­men eines eige­nen Schul­fachs erteilt. Die Klä­ge­rin hält dage­gen die Ein­füh­rung eines geson­der­ten Ethik­un­ter­richts in der Grund­schu­le für gebo­ten. Es feh­le an einem adäqua­ten Ersatz­fach für den Reli­gi­ons­un­ter­richt. Sie rügt einen Gleich­heits­ver­stoß, da kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne Schü­ler ab der ers­ten Klas­se am Reli­gi­ons­un­ter­richt teil­neh­men könn­ten. Dar­in lie­ge eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung gegen­über kon­fes­sio­nell gebun­de­nen Schü­lern.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on der Klä­ge­rin jetzt zurück­ge­wie­sen. Bei der Ein­rich­tung von Schul­fä­chern ver­fügt der Staat über Gestal­tungs­frei­heit. Mit dem Ver­zicht auf die Ein­rich­tung des Fachs Ethik in der Grund­schu­le wer­den die Gren­zen die­ser Gestal­tungs­frei­heit nicht über­schrit­ten. Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung gegen­über Schü­lern, die am Reli­gi­ons­un­ter­richt teil­neh­men, folgt hier­aus nicht. Das Fach Reli­gi­on ist anders als das Fach Ethik durch das Grund­ge­setz vor­ge­schrie­ben. Daher liegt ein Gleich­heits­ver­stoß nicht vor.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. April 2014 – 6 C 11.2013 -

  1. VG Frei­burg i. Br., Urteil vom 21.09.2011 – 2 K 638/​10 []
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.02.2013 – 9 S 2180/​12 []