Fal­sche Anga­ben im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Kla­ge­ver­fah­ren?

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat sich in einer bei ihm anhän­gi­gen Wohn­geld­sa­che im Rah­men der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe mit der Fra­ge zu befas­sen, ob die Kla­ge mut­wil­lig ist, wenn der Pro­zess über­haupt erst auf­grund von vor­sätz­lich fal­schen Anga­ben im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren not­wen­dig wur­de. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg lehnt die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ab:

Fal­sche Anga­ben im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Kla­ge­ver­fah­ren?

Pro­zess­kos­ten­hil­fe ist des­halb nicht zu bewil­li­gen, weil die Kla­ge im Sin­ne von § 114 Satz 1 ZPO mut­wil­lig ist. Mut­wil­lig­keit ist anzu­neh­men, wenn eine ver­stän­di­ge, nicht hilfs­be­dürf­ti­ge Par­tei ihre Rech­te nicht in glei­cher Wei­se ver­fol­gen wür­de [1]. In der zivil­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass eine Rechts­ver­fol­gung mut­wil­lig ist, wenn ein Rechts­mit­tel nur auf Grund neu­en Vor­brin­gens erfolg­reich sein kann, das schon in der Vor­in­stanz hät­te ein­ge­führt wer­den kön­nen, weil die zwei­te Instanz bei sorg­fäl­ti­ger Pro­zess­füh­rung hät­te ver­mie­den wer­den kön­nen [2]. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat bereits ent­schie­den, dass im ver­wal­tungs­recht­li­chen Ver­fah­ren nichts ande­res gel­ten kann, wenn eine Kla­ge mög­li­cher­wei­se hät­te ver­mie­den wer­den kön­nen, indem der Klä­ger ihm schon frü­her bekann­te, erst­mals mit der Kla­ge vor­ge­tra­ge­ne Umstän­de spä­tes­tens im Wider­spruchs­ver­fah­ren vor­ge­bracht und so die Wider­spruchs­be­hör­de in die Lage ver­setzt hät­te, den ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt unter allen maß­geb­li­chen Gesichts­punk­ten zu über­prü­fen [3]. Aus den glei­chen Grün­den kann nichts ande­res gel­ten, wenn ein Pro­zess gegen die Behör­de nur auf­grund vor­sätz­lich fal­scher Anga­ben des Betref­fen­den erfor­der­lich wur­de. In die­sem Fall hät­te es der Betref­fen­de in der Hand gehabt, der Behör­de eine zutref­fen­de Wür­di­gung des Sach­ver­halts zu ermög­li­chen, indem er wahr­heits­ge­mä­ße Anga­ben macht.

So liegt der Fall hier. Unter­stellt man die Rich­tig­keit des Vor­brin­gens der Klä­ge­rin im Beschwer­de­ver­fah­ren, dann hat sie gegen­über der Behör­de vor­sätz­lich falsch ange­ge­ben, im Bewil­li­gungs­zeit­raum von ihrem Vater Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen in Höhe von monat­lich 250 € erhal­ten zu haben. Die­se Erklä­rung hat sie sei­ner­zeit durch Vor­la­ge einer schrift­li­chen Erklä­rung ihres Vaters bekräf­tigt, in der die­ser angibt, sei­ne Toch­ter seit dem Jahr 2004 monat­lich mit 250 € zu unter­stüt­zen. Die Klä­ge­rin, auf deren Ver­an­las­sung die schrift­li­che Erklä­rung ihres Vaters nach ihrem eige­nen Vor­trag zurück­geht, hat damit die Umstän­de, die die Füh­rung des Ver­wal­tungs­pro­zes­ses aus ihrer Sicht not­wen­dig mach­ten, selbst geschaf­fen. Durch ihre vor­sätz­lich fal­schen Anga­ben hat sie das (Rückforderungs-)Verfahren erst in Gang gebracht. Hät­te die Klä­ge­rin dage­gen von Anfang an zutref­fen­de Anga­ben gemacht, wäre der Behör­de unter Zugrun­de­le­gung des zutref­fen­den Sach­ver­halts eine Über­prü­fung der Recht­mä­ßig­keit ihrer Beschei­de mög­lich gewe­sen und das Kla­ge­ver­fah­ren hät­te damit gege­be­nen­falls ver­mie­den wer­den kön­nen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 8. März 2013 – OVG 6 M 16.13

  1. OVG Baut­zen, Beschluss vom 26.04.2010 – 3 D 183/​09[]
  2. vgl. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 05.03.1998 – 2 WF 146/​97, FamRZ 1999, 712[]
  3. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 24.10.2011 – OVG 6 M 23.09[]