Fantasy-League-„Super-Manager“

Das Online-Fan­ta­sy-League-Spiel „Super-Mana­ger“ ist kein Glücks­spiel. Sagt jeden­falls das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt.

Fantasy-League-„Super-Manager“

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bot die Klä­ge­rin, ein in Ber­lin ansäs­si­ges Medi­en­un­ter­neh­men, im Inter­net für die Bun­des­li­ga-Sai­son 2009/​2010 das Fan­ta­sy-League-Spiel „Super-Mana­ger“ an. Die Teil­neh­mer konn­ten gegen Zah­lung von 7,99 € unter Ein­satz eines Spiel­bud­gets eine fik­ti­ve Fuß­ball­mann­schaft aus 18 Spie­lern der Bun­des­li­ga zusam­men­stel­len, die Auf­stel­lung zu jedem Spiel­tag der Bun­des­li­ga neu fest­le­gen und auf der Grund­la­ge einer Jury-Bewer­tung der Leis­tung die­ser Spie­ler Tabel­len­plät­ze in drei fik­ti­ven Ligen errin­gen. Ein Teil­neh­mer durf­te höchs­tens zehn Teams auf­stel­len, von denen jedes drit­te kos­ten­los war. An die Best­plat­zier­ten wur­den Geld- und Sach­ge­win­ne aus­ge­schüt­tet. Der Super-Mana­ger der Sai­son 2009/​2010 gewann 100 000 € in bar.

Das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he ver­bot der Klä­ge­rin das Ver­an­stal­ten und Bewer­ben die­ses Spiels sowie sons­ti­ger Glücks­spie­le im Inter­net.

Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he abge­wie­sen [1]. Im Beru­fungs­ver­fah­ren hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung auf­ge­ho­ben und fest­ge­stellt, das „Super-Manager“-Spiel fal­le nicht unter den Glücks­spiel­staats­ver­trag [2].

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des beklag­ten Lan­des Baden-Würt­tem­berg hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Das „Super-Manager“-Spiel ist nicht als Glücks­spiel im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 GlüStV ein­zu­ord­nen. Die­se Vor­schrift setzt neben der Zufalls­ab­hän­gig­keit des Gewinns vor­aus, dass im Rah­men des Spiels ein Ent­gelt für den Erwerb einer Gewinn­chan­ce ver­langt wird.

Dazu muss es sich in Anleh­nung an den straf­recht­li­chen Glücks­spiel­be­griff um einen Ein­satz han­deln, aus dem sich die Gewinn­chan­ce ergibt. Hin­ge­gen genügt nicht, dass eine blo­ße Teil­nah­me­ge­bühr („Ein­tritts­geld“) gefor­dert wird. Sie ver­mit­telt ledig­lich die Berech­ti­gung zum Mit­spie­len, ohne im Zusam­men­hang mit der Gewinn­chan­ce zu ste­hen.

Das Ent­gelt für das „Super-Manager“-Spiel stellt ledig­lich eine sol­che Teil­nah­me­ge­bühr dar. Es gestat­tet nur, am Spiel über­haupt teil­zu­neh­men. Erst an die Zusam­men­stel­lung des Teams, an die all­wö­chent­li­che Auf­stel­lung der Mann­schaft und deren Erfolg knüpft sich die Gewinn­chan­ce. Eine wei­te­re Aus­le­gung des Glücks­spiel­be­griffs in § 3 Abs. 1 Satz 1 GlüStV wider­sprä­che auch dem Sinn und Zweck des Geset­zes und dem rechts­staat­li­chen Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.

Die weit­ge­hen­den Beschrän­kun­gen des Glücks­spiels durch den Glücks­spiel­staats­ver­trag sol­len der Sucht­be­kämp­fung, dem Jugend- und Spie­ler­schutz und der Kri­mi­na­li­täts­be­kämp­fung die­nen. Sie sind ver­fas­sungs­recht­lich nur gerecht­fer­tigt, soweit sie zur Bekämp­fung die­ser Gefah­ren geeig­net, erfor­der­lich und ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne sind. Das ist nicht der Fall bei Spie­len, deren Gefähr­lich­keit allen­falls gering ist und durch weni­ger ein­schnei­den­de Rege­lun­gen beherrscht wer­den kann.

So liegt es nach den – zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­ti­gen – Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs bei dem „Super-Manager“-Spiel. Ins­be­son­de­re las­sen die Spiel­re­geln es nicht zu, wäh­rend der Lauf­zeit des Spiels wei­te­re Geld­be­trä­ge auf­zu­wen­den in der Erwar­tung, erlit­te­ne Miss­erfol­ge aus­zu­glei­chen. Ver­blei­ben­den Gefah­ren kann im Rah­men des Gewer­be­rechts begeg­net wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Okto­ber 2013 – 8 C 21.12

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 18.10.2010 – 3 K 3226/​09[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.05.2012 – 6 S 389/​11[]