Fax­be­ginn beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: spä­tes­tens vor 23:40 Uhr

In Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat regel­mä­ßig die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt erfüllt, wer einen über die zu erwar­ten­de Über­mitt­lungs­dau­er der zu faxen­den Schrift­sät­ze samt Anla­gen hin­aus­ge­hen­den Sicher­heits­zu­schlag in der Grö­ßen­ord­nung von 20 Minu­ten ein­kal­ku­liert sowie inner­halb der ein­zu­kal­ku­lie­ren­den Zeit­span­ne wie­der­holt die Über­mitt­lung ver­sucht1.

Fax­be­ginn beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: spä­tes­tens vor 23:40 Uhr

Damit war im vor­lie­gen­den Fall eine unver­schul­de­te Frist­ver­säum­nis nicht dar­ge­tan: Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beschwer­de­füh­rers hat vor­ge­tra­gen, dass er sich um 23:33 Uhr wie­der­holt um eine Über­sen­dung des Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift­sat­zes per Fax bemüht habe, dies jedoch an wie­der­hol­ten Sen­de­ab­brü­chen nach cir­ca 20 Sekun­den geschei­tert sei. Ihm sei bekannt, dass der Sen­de­ab­bruch bei Anwahl eines beset­zen Anschlus­ses sofort erfol­ge. Ein um 23:57 Uhr unter­nom­me­ner Ver­such einer Fax­über­mitt­lung an die Fax­num­mer der Kanz­lei sei erfolg­reich gewe­sen. Die – letzt­ma­lig um 00:20 Uhr des Fol­ge­ta­ges erfolg­los ver­such­te – Über­mitt­lung des Schrift­sat­zes sei dann schließ­lich erst zwi­schen 08:31 Uhr und 8:40 Uhr des Fol­ge­tags gelun­gen.

Nach die­sem Vor­trag des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beschwer­de­füh­rers wur­de der Sicher­heits­zu­schlag von 20 Minu­ten vor­lie­gend nicht ein­ge­hal­ten, da bereits die letzt­lich erfolg­rei­che Über­mitt­lung des 17-sei­ti­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift­sat­zes (ohne Anla­gen) am Fol­ge­tag mehr als 8 Minu­ten in Anspruch nahm und der voll­stän­di­ge Schrift­satz (mit Anla­gen) ins­ge­samt 67 Sei­ten umfass­te. Anhalts­punk­te dafür, dass die Ver­fris­tung auch bei Ein­hal­tung des erfor­der­li­chen Sicher­heits­zu­schlags ein­ge­tre­ten wäre, sind den Emp­fangs­pro­to­kol­len und dem Fax­buch des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts für den maß­geb­li­chen Zeit­raum nicht zu ent­neh­men. Im Gegen­teil gin­gen zwi­schen 21:33 Uhr und 00:37 Uhr des Fol­ge­tags meh­re­re umfang­rei­che Ver­fas­sungs­be­schwer­den ein, ohne dass Stö­run­gen zu ver­zeich­nen waren.

Danach war die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen Ver­säu­mung der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG unzu­läs­sig.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Dezem­ber 2016 – 1 BvR 3511/​13

  1. BVerfGE 135, 126, 140 f. Rn. 36, 38 []