Fern­stra­ßen­pla­nung im Vogel­schutz­ge­biet

Ände­run­gen eines fern­stra­ßen­recht­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, die nicht nur des­sen Begrün­dungs­ele­men­te, son­dern das Vor­ha­ben selbst betref­fen, erfol­gen stets mit Wir­kung gegen­über allen Betrof­fe­nen.

Fern­stra­ßen­pla­nung im Vogel­schutz­ge­biet

Die ver­fah­rens- und mate­ri­ell­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die fern­stra­ßen­recht­li­che Plan­fest­stel­lung sind ein­heit­lich auf den­sel­ben Abschnitt als Vor­ha­ben im fern­stra­ßen­recht­li­chen Sin­ne anzu­wen­den. Danach kön­nen Ent­schei­dun­gen, die einen bestimm­ten Abschnitt betref­fen, grund­sätz­lich nicht im Rah­men von Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zu ande­ren Abschnit­ten erfol­gen.

Die Fest­stel­lung, dass ein Plan­fest­stel­lungs­be­schluss rechts­wid­rig ist und nicht voll­zo­gen wer­den darf, wirkt nur zwi­schen den Betei­lig­ten. Im Ver­hält­nis zu ande­ren Betrof­fe­nen lässt sie die ein­ge­tre­te­ne Bestands­kraft unbe­rührt. Der Klä­ger kann gegen die Ent­schei­dung im ergän­zen­den Ver­fah­ren gel­tend machen, dass die zur Rechts­wid­rig­keits­fest­stel­lung füh­ren­den Män­gel nicht beho­ben wor­den sei­en, außer­dem im Fal­le einer Plan­än­de­rung, durch die­se erst­mals oder stär­ker als bis­her betrof­fen zu sein.

Die gesetz­li­che Fest­stel­lung des Bedarfs (§ 1 Abs. 2 FStrAbG) hat nicht zum Inhalt, dass bei jedem vom Bedarfs­plan abwei­chen­den Vor­ha­ben eine Plan­recht­fer­ti­gung nach § 1 Abs. 1 FStrG aus­ge­schlos­sen ist.

Eine Ver­ord­nung, die nur das Vogel­schutz­ge­biet abgrenzt und die geschütz­ten Vogel­ar­ten benennt, ohne die Schutz- und Erhal­tungs­zie­le fest­zu­le­gen, erfüllt nicht die Anfor­de­run­gen des Art. 7 FFH-RL i.V.m. Art. 4 Abs. 1 und 2 VRL an eine Über­füh­rung des Gebiets in das FFH-Régime 1. Die einen Regime­wech­sel her­bei­füh­ren­de wei­te­re Kon­kre­ti­sie­rung des Schutz­sta­tus kann nach Maß­ga­be des § 32 Abs. 4 BNatSchG auch durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen erfol­gen.

Umwelt­re­le­van­te mensch­li­che Tätig­kei­ten, die nicht den Bau oder den Betrieb einer Anla­ge betref­fen, kom­men als "Pro­jekt" i.S.d. § 34 Abs. 1 Satz 1 BNatSchG erst dann in Betracht, wenn die Mög­lich­keit besteht, sie etwa anhand von Pla­nun­gen, Kon­zep­ten oder einer fest­ste­hen­den Pra­xis auf ihre Ver­träg­lich­keit mit den Erhal­tungs­zie­len des Schutz­ge­bie­tes zu über­prü­fen 2.

Das arten­schutz­recht­li­che Tötungs­ver­bot ist nicht erfüllt, wenn das vor­ha­ben­be­ding­te Tötungs­ri­si­ko unter Berück­sich­ti­gung von Scha­dens­ver­mei­dungs­maß­nah­men nicht höher ist als das Risi­ko, dem ein­zel­ne Exem­pla­re der jewei­li­gen Art im Rah­men des all­ge­mei­nen Natur­ge­sche­hens stets aus­ge­setzt sind. Das gilt nicht nur für das betriebs­be­ding­te Risi­ko von Kol­li­sio­nen im Stra­ßen­ver­kehr 3, son­dern auch für bau- und anla­ge­be­zo­ge­ne Risi­ken 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 8. Janu­ar 14 – 9 A 4.2013 -

  1. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 01.04.2004 – 4 C 2.03, BVerw­GE 120, 276, 284 f.[]
  2. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 10.04.2013 – 4 C 3.12, BVerw­GE 146, 176 Rn. 29 f.[]
  3. stRspr; vgl. BVerwG, Urteil vom 09.07.2008 – 9 A 14.07, BVerw­GE 131, 274 Rn. 91[]
  4. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 14.07.2011 – 9 A 12.10, Buch­holz 406.400 § 61 BNatSchG 2002 Nr. 13 Rn. 123, 127 zur Bau­feld­frei­ma­chung[]