Flücht­lin­ge aus Afgha­ni­stan

Für die nach § 60 Abs. 7 Satz 2 Auf­en­thG er­for­der­li­che Ge­fah­ren­pro­gno­se ist bei einem nicht lan­des­wei­ten be­waff­ne­ten Kon­flikt auf den tat­säch­li­chen Ziel­ort des Aus­län­ders bei einer Rück­kehr ab­zu­stel­len. Dies ist re­gel­mä­ßig die Her­kunfts­re­gi­on des Aus­län­ders. Kommt die Her­kunfts­re­gi­on als Ziel­ort wegen der dem Klä­ger dort dro­hen­den Ge­fahr nicht in Be­tracht, kann er nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 8 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG auf eine an­de­re Re­gi­on des Lan­des ver­wie­sen wer­den [1].

Flücht­lin­ge aus Afgha­ni­stan

Für die Be­ur­tei­lung, ob au­ßer­or­dent­li­che Um­stän­de vor­lie­gen, die nicht in die un­mit­tel­ba­re Ver­ant­wor­tung des Ab­schie­bungs­ziel­staa­tes fal­len und die dem ab­schie­ben­den Staat nach Art. 3 EMRK eine Ab­schie­bung des Aus­län­ders ver­bie­ten, ist grund­sätz­lich auf den ge­sam­ten Ab­schie­bungs­ziel­staat ab­zu­stel­len und zu­nächst zu prü­fen, ob sol­che Um­stän­de an dem Ort vor­lie­gen, an dem die Ab­schie­bung endet.

Schlech­te hu­ma­ni­tä­re Be­din­gun­gen im Ab­schie­be­ziel­staat kön­nen nur in be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len in Bezug auf Art. 3 EMRK ein Ab­schie­bungs­ver­bot be­grün­den (hier: ver­neint für Af­gha­nis­tan im An­schluss an EGMR, Ur­tei­le vom 21. Ja­nu­ar 2011 – Nr. 30696/​09, M.S.S. – NVwZ 2011, 413; vom 28. Juni 2011 – Nr. 831/​07, Sufi und Elmi – NVwZ 2012, 681 und vom 13. Ok­to­ber 2011 – Nr. 10611/​09, Hus­s­ei­ni – NJOZ 2012, 952).

Das na­tio­na­le Ab­schie­bungs­ver­bot des § 60 Abs. 5 Auf­en­thG wird in Bezug auf Art. 3 EMRK nicht durch das uni­ons­recht­li­che Ab­schie­bungs­ver­bot des § 60 Abs. 2 Auf­en­thG ver­drängt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. Janu­ar 2013 – 10 C 15.12

  1. Be­stä­ti­gung von BVerwG, Ur­teil vom 14.07.2009 – 10 C 9.08, BVerw­GE 134, 188 Rn. 17; und Be­schlus­s vom 14.11.2012 – 10 B 22.12[]