Flücht­lings­an­er­ken­nung wegen christ­li­chen Glau­bens

Ein Über­tritt vom Islam zum christ­li­chen Glau­ben im Sin­ne einer ernst­haf­ten Gewis­sens­ent­schei­dung, mit einem ernst gemein­ten reli­giö­sen Ein­stel­lungs­wan­del und einer iden­ti­täts­prä­gen­den fes­ten Über­zeu­gung führt für ira­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge zur Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft.

Flücht­lings­an­er­ken­nung wegen christ­li­chen Glau­bens

Art. 4 Abs. 1 GG gebie­tet inso­weit, wegen anzu­neh­men­der Aty­pik, auch bei einem sol­cher­ma­ßen sub­jek­ti­ven Nach­flucht­grund die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft nicht gemäß § 28 Abs. 2 AsylVfG aus­zu­schlie­ßen.

Im Rah­men der Prü­fung, ob eine ernst­haf­te Gewis­sens­ent­schei­dung vor­liegt, kom­men Erklä­run­gen der christ­li­chen Gemein­de, der der Schutz­su­chen­de ange­hört, eine gewich­ti­ge indi­zi­el­le Bedeu­tung zu. Gemäß Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Satz 4 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) ist es den Gerich­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit im Regel­fall unter­sagt, ent­ge­gen einer aus­drück­li­chen Erklä­rung einer christ­li­chen Kir­chen­ge­mein­de, wonach der Betref­fen­de ein glaub­haf­tes Bekennt­nis zum Chris­ten­tum abge­legt habe und sei­nen Glau­ben im Rah­men der Gemein­de ernst­haft prak­ti­zie­re, anzu­neh­men, es han­de­le sich allein um ein oppor­tu­nis­ti­sches Tun zur Erlan­gung eines Auf­ent­halts­rech­tes.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2009 – A 11 K 1146/​08