Flug­ha­fen Ber­lin-Bran­den­burg – und die Wann­see-Flug­rou­ten

Die Recht­mä­ßig­keit der „Wann­see-Flug­rou­ten” ist immer noch offen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt in zwei Revi­si­ons­ver­fah­ren die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg bean­stan­det, dass die Fest­le­gung der Wann­see-Flug­rou­ten rechts­wid­rig ist, und den Rechts­streit zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Flug­ha­fen Ber­lin-Bran­den­burg – und die Wann­see-Flug­rou­ten

Bei den Wann­see-Flug­rou­ten han­delt es sich um Luft­we­ge für den Abflug von Flug­zeu­gen vom Flug­ha­fen Ber­lin-Bran­den­burg. Sie füh­ren in ihrem gemein­sa­men Ver­lauf in einer Ent­fer­nung von ca. 3 km an dem Gelän­de des Helm­holtz-Zen­trums in Ber­lin-Wann­see vor­bei, auf dem sich der For­schungs­re­ak­tor BER II, eine Lager­hal­le für Brenn­ele­men­te sowie die Lan­des­sam­mel­stel­le für klein- und mit­tel­ra­dio­ak­ti­ve Abfäl­le befin­den. Die Klä­ger sind drei Umland­ge­mein­den, eine Mit­ar­bei­te­rin des Helm­holtz-Zen­trums sowie meh­re­re Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, die in einer Ent­fer­nung bis zu 10 km zum Helm­holtz-Zen­trum woh­nen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Fest­le­gung der Flug­rou­ten für rechts­wid­rig erklärt, weil die zustän­di­ge Behör­de, das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung (BAF), kei­ne Risi­ko­ana­ly­se vor­ge­nom­men habe. Das BAF habe nicht ein­ge­schätzt, wie hoch das Risi­ko sei, dass ein Flug­zeug oder Tei­le davon als Fol­ge eines Unfalls oder eines Ter­ror­an­schlags aus der Luft das Gebäu­de des For­schungs­re­ak­tors oder stör­an­fäl­li­ge Flä­chen trä­fen und radio­ak­ti­ve Strah­lung frei­ge­setzt wer­de.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hält mit dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das BAF für ver­pflich­tet, Risi­ken der Flug­rou­ten­nut­zung für den For­schungs­re­ak­tor bei sei­ner Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen, wenn die Risi­ken nicht dem Bereich des sog. Rest­ri­si­kos zuzu­ord­nen sind, das als all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko von jedem zu tra­gen ist. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die vor­in­stanz­li­chen Urtei­le gleich­wohl nicht bestä­tigt, weil das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht geprüft hat, ob die Fest­le­gung der Wann­see-Rou­ten im Ergeb­nis ver­tret­bar ist. Die­se Prü­fung muss es nach­ho­len und selbst klä­ren, ob die Klä­ger ohne recht­fer­ti­gen­den Grund mit einer recht­lich rele­van­ten Erhö­hung des Stör­fall­ri­si­kos belas­tet wer­den. Füh­ren die Wann­see-Rou­ten nicht zu einer recht­lich rele­van­ten Risi­ko­er­hö­hung oder gibt es für eine recht­lich rele­van­te Risi­ko­er­hö­hung einen aus­rei­chen­den sach­li­chen Grund – was der Fall ist, wenn sich kei­ne ande­re Rou­te als ein­deu­tig vor­zugs­wür­dig erweist – ist das Abwä­gungs­er­geb­nis nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Juni 2014 – 4 C 2.2013 -