Flug­lärm und die Flug­rou­ten­pla­nung in der luft­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung

Das Recht auf feh­ler­freie Ab­wä­gung der ei­ge­nen Be­lan­ge steht nicht nur dem­je­ni­gen zu, des­sen Be­lan­ge aus­ge­hend von der dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zu­grun­de lie­gen­den Flug­rou­ten­pro­gno­se ab­wä­gungs­er­heb­lich be­trof­fen wären, son­dern jedem, der ab­wä­gungs­er­heb­lich be­trof­fen wer­den kann, weil sein Grund­stück in­ner­halb des Ein­wir­kungs­be­reichs des Flug­ha­fens liegt und weder aus tat­säch­li­chen noch aus recht­li­chen Grün­den aus­zu­schlie­ßen ist, dass ein zu sei­ner Be­trof­fen­heit füh­ren­des Flug­ver­fah­ren fest­ge­legt wird.

Flug­lärm und die Flug­rou­ten­pla­nung in der luft­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung

Die pro­gnos­ti­sche Flug­rou­ten­pla­nung muss Art und Aus­maß der zu er­war­ten­den Be­trof­fen­hei­ten in der für die Ab­wä­gung re­le­van­ten Grö­ßen­ord­nung rea­lis­tisch ab­bil­den.

Lässt sich die Zu­las­sung des Flug­ha­fen­aus­baus nach dem Ab­wä­gungs­kon­zept der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nur recht­fer­ti­gen, wenn be­stimm­te Ge­bie­te von er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen durch Flug­lärm ver­schont blei­ben, kann die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de klar­stel­len, dass der Schutz die­ser Ge­bie­te zu den tra­gen­den Er­wä­gun­gen des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ge­hört, zu denen sich das BAF bei der nach­fol­gen­den Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren nicht in Wi­der­spruch set­zen darf.

Recht auf feh­ler­freie Abwä­gung der eige­nen Belan­ge[↑]

Das Recht auf feh­ler­freie Abwä­gung der eige­nen Belan­ge steht nicht nur dem­je­ni­gen zu, des­sen Belan­ge aus­ge­hend von der dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­den Flug­rou­ten­pro­gno­se abwä­gungs­er­heb­lich betrof­fen wären, son­dern jedem, der abwä­gungs­er­heb­lich betrof­fen wer­den kann, weil sein Grund­stück inner­halb des Ein­wir­kungs­be­reichs des Flug­ha­fens liegt und weder aus tat­säch­li­chen noch aus recht­li­chen Grün­den aus­zu­schlie­ßen ist, dass ein zu sei­ner Betrof­fen­heit füh­ren­des Flug­ver­fah­ren fest­ge­legt wird. Das gilt unab­hän­gig davon, ob die dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­de Flug­rou­ten­pro­gno­se recht­mä­ßig oder rechts­wid­rig ist.

Die Flug­ver­fah­ren wer­den nicht zusam­men mit der Ent­schei­dung über die Anle­gung oder den Aus­bau des Flug­ha­fens im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren, son­dern in einem geson­der­ten Ver­fah­ren vom BAF auf der Grund­la­ge von Vor­ar­bei­ten der DFS durch Rechts­ver­ord­nung fest­ge­legt (§ 32 Abs. 4 Nr. 8, Abs. 4c LuftVG, § 27a Abs. 2 Satz 1 LuftVO). Müs­sen die Flug­ver­fah­ren für ein neu­es Bahn­sys­tem fest­ge­legt wer­den, kann dies erst nach der Plan­fest­stel­lung der neu­en Bah­nen gesche­hen; auch nach Inbe­trieb­nah­me des Bahn­sys­tems kön­nen die Flug­ver­fah­ren geän­dert wer­den. Die Ermitt­lung der Lärm­be­trof­fen­hei­ten und ande­rer Aus­wir­kun­gen des Flug­be­triebs im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ist des­halb sys­tem­im­ma­nent mit der Unsi­cher­heit behaf­tet, dass die Flug­rou­ten für die An- und Abflü­ge nicht fest­ste­hen [1]. In einer sol­chen Situa­ti­on muss jeder Kla­ge gegen die Anle­gung oder den Aus­bau eines Flug­ha­fens erhe­ben kön­nen, der durch Flug­lärm abwä­gungs­er­heb­lich betrof­fen wer­den kann.

Effek­ti­ver Rechts­schutz gegen die Anle­gung oder den Aus­bau eines Flug­ha­fens und die damit ver­bun­de­nen Beein­träch­ti­gun­gen durch den Flug­be­trieb kann nur im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren gewähr­leis­tet wer­den. Die Fest­le­gung der Flug­rou­ten unter­liegt zwar eben­falls gericht­li­cher Über­prü­fung; die eigent­li­che Stör­quel­le – die Anle­gung oder der Aus­bau des Flug­ha­fens – lässt sich in die­sem Ver­fah­ren jedoch nicht mehr besei­ti­gen [2]. Das BAF ist bei der Fest­le­gung der Flug­rou­ten auch nicht an die der Plan­fest­stel­lung zugrun­de geleg­te Grob­pla­nung der Flug­rou­ten gebun­den, selbst wenn die­se mit der DFS abge­stimmt war. Es muss unter Betei­li­gung der Flug­lärm­kom­mis­si­on (§ 32b Abs. 2 und 3 LuftVG [3]) und gege­be­nen­falls des Umwelt­bun­des­am­tes (§ 32 Abs. 4c Satz 2 LuftVG) in Betracht kom­men­de Rou­tenal­ter­na­ti­ven prü­fen und sodann eine eige­ne Abwä­gungs­ent­schei­dung tref­fen. Die in der Plan­fest­stel­lung und der luft­recht­li­chen Geneh­mi­gung getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen hat es hier­bei zu beach­ten; deren Aus­nut­zung darf es nicht ver­ei­teln [4]. Auch tra­gen­de Erwä­gun­gen des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses kön­nen bei der Fest­le­gung der Flug­rou­ten zu beach­ten sein. Wenn es – wie hier – Pla­nungs­ziel ist, durch die Schlie­ßung der inner­städ­ti­schen Flug­hä­fen Tegel und Tem­pel­hof und den Aus­bau des Flug­ha­fens Schö­ne­feld zum ein­zi­gen Ver­kehrs­flug­ha­fen der Metro­pol­re­gi­on Ber­lin Bran­den­burg die Zahl der schwer Lärm­be­trof­fe­nen wesent­lich zu sen­ken, darf die­ses Ziel nicht kon­ter­ka­riert wer­den, indem stark beleg­te Abflug­ver­fah­ren über dicht besie­del­tes Stadt­ge­biet geführt wer­den. Die Fra­ge, ob und gege­be­nen­falls in wel­cher Wei­se die Erwar­tung der Anwoh­ner und Gemein­den, die Fest­le­gung der Flug­rou­ten wer­de von der dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­den Grob­pla­nung jeden­falls nicht wesent­lich abwei­chen, bei der Ent­schei­dung des BAF in die Abwä­gung ein­zu­stel­len ist, braucht im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht ent­schie­den zu wer­den. Jeden­falls wäre die­ser Belang in der Abwä­gung nicht unüber­wind­bar. Die Ent­ste­hung ande­rer als der pro­gnos­ti­zier­ten Betrof­fen­hei­ten kann im Ver­fah­ren zur Fest­le­gung der Flug­rou­ten nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Die Kla­ge­be­fug­nis eines nicht sicher, son­dern nur mög­li­cher­wei­se Betrof­fe­nen ergibt sich aus sei­ner mate­ri­el­len Rechts­po­si­ti­on in der fach­pla­ne­ri­schen Abwä­gung; er hat in der Abwä­gung nicht – wie der Beklag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung gemeint hat – eine blo­ße „Null-Posi­ti­on“. Wird der Stand­ort des Flug­ha­fens – wie hier – durch die Lan­des­pla­nung ziel­för­mig fest­ge­legt, sind auf der Ebe­ne der Lan­des­pla­nung die weit­räu­mi­gen Aus­wir­kun­gen der Stand­ort­wahl auf die Sied­lungs- und Frei­raum­struk­tur des Pla­nungs­raums in den Blick zu neh­men [5]. Bereits der Trä­ger der Lan­des­pla­nung muss berück­sich­ti­gen, dass die Flug­ver­fah­ren nicht fest­ste­hen. Die Stand­ort­wahl muss grund­sätz­lich auch dann abge­wo­gen sein, wenn ande­re als die pro­gnos­ti­zier­ten Flug­rou­ten fest­ge­legt wer­den [6]. Der Trä­ger der Lan­des­pla­nung muss prü­fen, ob dies in den nach­fol­gen­den Ver­fah­ren gewähr­leis­tet wer­den kann oder ob die Umset­zung sei­ner Stand­ort­ent­schei­dung im nach­fol­gen­den Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren i.V.m. dem Ver­fah­ren zur Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren aus Grün­den des Lärm­schut­zes auf unüber­wind­ba­re tat­säch­li­che oder recht­li­che Hin­der­nis­se sto­ßen wür­de [7]. Die Anfor­de­run­gen an die inso­weit erfor­der­li­che Ermitt­lungs­tie­fe und Abwä­gungs­dich­te wer­den durch die Auf­ga­ben­stel­lung der Raum­ord­nung, den Detail­lie­rungs­grad der Ziel­aus­sa­ge und die pla­ne­ri­sche Kon­zep­ti­on des Trä­gers der Lan­des­pla­nung bestimmt [8]. Im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren kön­nen die von der lan­des­pla­ne­ri­schen Stand­ort­fest­le­gung betrof­fe­nen Anwoh­ner ihre pri­va­ten Belan­ge ver­tei­di­gen; fech­ten sie den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss an, unter­liegt die ziel­för­mi­ge Stand­ort­ent­schei­dung der Lan­des­pla­nung der gericht­li­chen Inzi­dent­kon­trol­le [9].

Pro­gnos­ti­sche Flug­rou­ten­pla­nung[↑]

Bei der Ent­schei­dung über die Zulas­sung des kon­kre­ten Vor­ha­bens an dem lan­des­pla­ne­risch fest­ge­leg­ten Stand­ort muss die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nach der Recht­spre­chung des Senats nicht alle rea­lis­ti­scher­wei­se in Betracht kom­men­den Flug­rou­ten auf die zu erwar­ten­den Lärm­be­ein­träch­ti­gun­gen unter­su­chen; sie kann sich auf die Betrach­tung bestimm­ter Flug­rou­ten beschrän­ken [10]. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss muss aber die von dem Plan­vor­ha­ben in sei­ner räum­li­chen Umge­bung auf­ge­wor­fe­nen Pro­ble­me bewäl­ti­gen [11]. Hier­zu ist er nur in der Lage, wenn die pro­gnos­ti­sche Flug­rou­ten­pla­nung Art und Aus­maß der zu erwar­ten­den Betrof­fen­hei­ten in der für die Abwä­gung rele­van­ten Grö­ßen­ord­nung rea­lis­tisch abbil­det. Die aus­ge­hend von sol­chen exem­pla­ri­schen Flug­rou­ten ermit­tel­ten Betrof­fen­hei­ten ste­hen in der Abwä­gung stell­ver­tre­tend für ver­gleich­ba­re Betrof­fen­hei­ten, die bei ande­ren Flug­ver­fah­ren an ihre Stel­le tre­ten wür­den. Wer­den ande­re als die pro­gnos­ti­zier­ten Flug­rou­ten fest­ge­legt, blei­ben die Betrof­fen­hei­ten aber nach Art und Umfang im Wesent­li­chen unver­än­dert, genügt es zur Bewäl­ti­gung der sich dar­aus erge­ben­den Kon­flik­te in der Regel, die Schutz- und Ent­schä­di­gungs­ge­bie­te neu aus­zu­wei­sen. Soweit es um das sub­jek­ti­ve Recht auf feh­ler­freie Abwä­gung der eige­nen Belan­ge geht, ist eine Reprä­sen­ta­ti­on durch exem­pla­risch ermit­tel­te ande­re Betrof­fe­ne hin­ge­gen nicht mög­lich. Das sub­jek­ti­ve Recht steht jedem Ein­zel­nen zu, des­sen schutz­wür­di­ge Belan­ge mehr als gering­fü­gig betrof­fen wer­den kön­nen. Der Ein­wand der Klä­ger, dass der Ein­zel­ne zu einer rei­nen Zähl­grö­ße in der Abwä­gung degra­diert und dadurch in sei­ner Men­schen­wür­de ver­letzt wer­de, geht schon aus die­sem Grund fehl.

Schutz vor Flug­lärm als tra­gen­de Erwä­gung des Plan­fest­stel­lug­ns­be­schlus­ses[↑]

Durch spä­ter von der Grob­pla­nung abwei­chen­de Flug­ver­fah­ren kön­nen jedoch auch Lärm­be­trof­fen­hei­ten ent­ste­hen, die nach Art und Umfang durch die pro­gnos­ti­zier­ten Flug­ver­fah­ren nicht abge­bil­det wer­den. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss muss auch die sich dar­aus erge­ben­den Kon­flik­te vor­ab bewäl­ti­gen, soweit dies nicht bereits auf der Ebe­ne der Lan­des­pla­nung gesche­hen ist. Hier­für ist es erfor­der­lich, die gesam­te Umge­bung des Flug­ha­fens, die von abwä­gungs­er­heb­li­chem Lärm betrof­fen wer­den könn­te, in den Blick zu neh­men. Eine von bestimm­ten Flug­rou­ten aus­ge­hen­de Ermitt­lung der Lärm­be­trof­fen­hei­ten ist aller­dings in aller Regel nicht erfor­der­lich. Denn für die Kon­flikt­be­wäl­ti­gung genügt es sicher­zu­stel­len, dass die Fest­le­gung der An- und Abflug­ver­fah­ren die Zulas­sung des Vor­ha­bens an dem vor­ge­ge­be­nen Stand­ort mit der fest­ge­leg­ten Bahn­kon­fi­gu­ra­ti­on nicht nach­träg­lich als unab­ge­wo­gen erschei­nen lässt. Wenn die Pro­gno­se der An- und Abflug­ver­fah­ren mit dem BAF oder der DFS abge­stimmt ist [12], darf die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass das BAF Flug­ver­fah­ren fest­le­gen wird, die Art und Aus­maß der im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ermit­tel­ten Betrof­fen­hei­ten nicht wesent­lich über­stei­gen. Vor­keh­run­gen für den Fall, dass das BAF das Pla­nungs­ziel durch Fest­le­gung von Abflug­ver­fah­ren über dicht besie­del­tes Stadt­ge­biet kon­ter­ka­riert, braucht sie nicht zu tref­fen; eine sol­che Flug­rou­ten­pla­nung wäre evi­dent rechts­wid­rig. Ist nach dem pla­ne­ri­schen Kon­zept der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de Grund­la­ge für die Zulas­sung des Vor­ha­bens an dem gewähl­ten Stand­ort, dass bestimm­te Gebie­te, die wegen ihrer dich­ten Besied­lung oder aus ande­ren Grün­den beson­ders schutz­wür­dig sind, von einer Ver­lär­mung durch stark beleg­te Abflug­rou­ten ver­schont blei­ben, kann sie auch dies im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­stel­len. Das BAF hat bei der Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren dann auch die­se Vor­ga­be zu beach­ten. Die Benut­zung des Luft­raums kann im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zwar nicht gere­gelt wer­den [10]. Das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für die Anle­gung oder den Aus­bau des Flug­ha­fens und das Ver­fah­ren zur Fest­le­gung der Flug­rou­ten ste­hen jedoch in einer Wech­sel­be­zie­hung. Lässt sich die Zulas­sung des Flug­ha­fen­aus­baus nach dem Abwä­gungs­kon­zept der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nur recht­fer­ti­gen, wenn bestimm­te Gebie­te von erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen durch Flug­lärm ver­schont blei­ben, kann die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de klar­stel­len, dass der Schutz die­ser Gebie­te zu den tra­gen­den Erwä­gun­gen des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses gehört, zu denen sich das BAF bei der nach­fol­gen­den Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren nicht in Wider­spruch set­zen darf. Ist der Schutz bestimm­ter Gebie­te Vor­aus­set­zung bereits für die ziel­för­mi­ge Fest­le­gung des Flug­ha­fen­stand­orts in der Lan­des­pla­nung, kann auch der Trä­ger der Lan­des­pla­nung die ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel ein­set­zen, um den Schutz die­ser Gebie­te in den nach­fol­gen­den Ver­fah­ren zu sichern [13]. Die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de kann sich zudem vor­be­hal­ten, die Rege­lun­gen über den Flug­be­trieb zu ändern, wenn nur so mit dem Abwä­gungs­ge­bot und dem Schutz der Nacht­ru­he unver­ein­ba­re Beein­träch­ti­gun­gen ver­hin­dert wer­den kön­nen. Mit einer Kla­ge gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss kön­nen die Anwoh­ner gel­tend machen, dass die im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men nicht aus­rei­chend sei­en, um die Abge­wo­gen­heit der Stand­ort­ent­schei­dung für den Fall ihrer Betrof­fen­heit durch von der Grob­pla­nung abwei­chen­de Flug­ver­fah­ren sicher­zu­stel­len.

Ver­än­de­run­gen der Betrof­fen­hei­ten, die sich erge­ben, wenn das BAF Flug­ver­fah­ren fest­legt, die von der für das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erstell­ten Grob­pla­nung abwei­chen, sind hier­nach kei­ne „nicht vor­aus­seh­ba­re Wir­kun­gen“ des Vor­ha­bens i.S.v. § 1 Abs. 1 VwVfGBbg i.V.m. § 75 Abs. 2 Satz 2 VwVfG [14]. Sie sind den von die­ser Vor­schrift erfass­ten Pro­gno­se­ri­si­ken – wie etwa einem stär­ke­ren Wachs­tum der Ver­kehrs­men­ge als vor­her­ge­se­hen [15] – auch nicht ver­gleich­bar. Die Unsi­cher­hei­ten bei der Ermitt­lung der Aus­wir­kun­gen des Flug­be­triebs, die sich aus den unter­schied­li­chen Ver­fah­ren für die Anle­gung oder den Aus­bau des Flug­ha­fens einer­seits und die Fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren ande­rer­seits erge­ben, sind viel­mehr in der Rechts­ord­nung begrün­det; ihnen muss durch eine recht­li­che Koor­di­nie­rung der bei­den Ver­fah­ren Rech­nung getra­gen wer­den.

Dass das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge­be­fug­nis unab­hän­gig von der dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­den Flug­rou­ten­pro­gno­se beja­hen wür­de, war nicht unvor­her­seh­bar. Einen gegen­tei­li­gen Rechts­stand­punkt hat­te es in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nicht ein­ge­nom­men. Dass der Erfolg einer Kla­ge wegen einer unge­klär­ten Rechts­fra­ge unge­wiss ist, stellt kei­nen Hin­de­rungs­grund im Sin­ne der Wie­der­ein­set­zungs­vor­schrif­ten dar; Sinn einer Kla­ge ist es auch, eine unge­wis­se Rechts­la­ge klä­ren zu las­sen [16]. Eine Viel­zahl ande­rer Klä­ger hat sich durch die­se Unge­wiss­heit im Übri­gen nicht abhal­ten las­sen, frist­ge­recht Kla­ge gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zu erhe­ben. Auch Anwoh­ner, die aus­ge­hend von der dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­den Grob­pla­nung der Flug­rou­ten nicht abwä­gungs­er­heb­lich betrof­fen wären, haben in gro­ßer Zahl Kla­ge erho­ben. Die in Königs Wus­ter­hau­sen, Orts­teil Werns­dorf und Zeu­then wohn­haf­ten Resti­tu­ti­ons­klä­ger des Ver­fah­rens BVerwG 4 A 6001.11 bestä­ti­gen dies. Alle frist­ge­recht erho­be­nen Kla­gen hat­ten, soweit es um die Rege­lung des Nacht­flug­be­triebs und die Anord­nung pas­si­ver Schall­schutz­maß­nah­men ging, teil­wei­se Erfolg [17]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat kei­nem der etwa 4 000 Klä­ger die Kla­ge­be­fug­nis abge­spro­chen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. Juli 2012 – 4 A 5000.10

  1. BVerwG, Urteil vom 13.10.2011 – 4 A 4001.10, BVerw­GE 141, 1 Rn. 147[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 28.06.2000 – 11 C 13.99, BVerw­GE 111, 276, 283, vom 24.06.2004 – 4 C 11.03, BVerw­GE 121, 152, 157 und vom 04.05.2005 – 4 C 6.04, BVerw­GE 123, 322, 329[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 24.06.2004, a.a.O., 169[]
  4. BVerwG, Urteil vom 04.05.2005 a.a.O., 330 f.[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 – 4 A 1075.04, BVerw­GE 125, 116 Rn. 72[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.10.2011 a.a.O. Rn. 150[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 a.a.O. Rn. 154[]
  8. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 a.a.O. Rn. 74, 153[]
  9. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 a.a.O. Rn. 82 f.[]
  10. BVerwG, Urteil vom 13.10.2011 a.a.O. Rn. 147[][]
  11. BVerwG, Urteil vom 13.10.2011 a.a.O. Rn. 151 m.w.N.[]
  12. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.10.2011 a.a.O. Rn. 151[]
  13. vgl. BVerwG, Urteil vom 04.04.2012 – 4 C 8.09 u.a., NVwZ 2012, 1314 Rn. 301 – 308[]
  14. vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 07.03.2007 – 9 C 2.06, BVerw­GE 128, 177 Rn.19[]
  15. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.05.2011 – 7 A 10.10 – juris Rn. 40[]
  16. BVerwG, Beschlüs­se vom 18.07.1988 – 3 B 33.88, Buch­holz 310 § 60 VwGO Nr. 157; und vom 15.03.1989 – 7 B 40.89, Buch­holz 310 § 60 VwGO Nr. 162[]
  17. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 16.03.2006 – 4 A 1001.04, 1073.04, 1075.05; und 1078.04, Mus­ter­ver­fah­ren nach § 93a VwGO[]