Flug­lärm­schutz­ und Nacht­flug­be­trieb

We­sent­li­che Än­de­run­gen von Be­triebs­re­ge­lun­gen un­ter­fal­len dem Re­ge­lungs­be­reich des § 73 Abs. 8 HV­wVfG mit der Fol­ge, dass Drit­ten, deren Be­lan­ge erst­ma­lig oder stär­ker als bis­her be­rührt wer­den, die Än­de­rung mit­zu­tei­len und ihnen Ge­le­gen­heit zu Ein­wen­dun­gen zu geben ist.

Flug­lärm­schutz­ und Nacht­flug­be­trieb

Eine all­ge­mei­ne Be­weis­re­gel, die be­sagt, dass die rich­ter­li­che Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit der Aus­gangs­da­ten einer Nach­fra­ge­pro­gno­se (Quel­­le-Ziel-Ma­­tri­­zes; Flug­gast­be­fra­gun­gen) die Kennt­nis die­ser Aus­gangs­da­ten er­for­dert, gibt es nicht.

Das Flug­lärm­schutz­ge­setz ist, so­weit es die Er­stat­tung von Auf­wen­dun­gen für bau­li­chen Schall­schutz und die Ent­schä­di­gung für Be­ein­träch­ti­gun­gen des Au­ßen­wohn­be­reichs re­gelt, ein Spe­zi­al­ge­setz zu § 9 Abs. 2 Luft­VG. Die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ist des­halb weder ge­ne­rell be­rech­tigt noch gar ver­pflich­tet, auf der Grund­la­ge des § 9 Abs. 2 Luft­VG wei­ter­rei­chen­den bau­li­chen Schall­schutz un­ter­halb der Aus­lö­se­wer­te des Flug­lärm­schutz­ge­set­zes an­zu­ord­nen. Das hin­dert sie nicht, Schutz­an­for­de­run­gen für aty­pi­sche, vom Re­ge­lungs­an­spruch des Flug­lärm­schutz­ge­set­zes nicht er­fass­te Si­tua­tio­nen in ihr Lärm­schutz­kon­zept ein­zu­bau­en.

Al­lein aus einer Über­schrei­tung des durch den An­trag auf Plan­fest­stel­lung ge­zo­ge­nen Rah­mens folgt noch kei­ne Rechts­ver­let­zung Drit­ter.

Grund­sät­ze der Raum­ord­nung kön­nen auch kon­kre­ti­sie­ren­de Ge­wich­tungs­vor­ga­ben ent­hal­ten. Eine lan­des­pla­ne­ri­sche Ge­wich­tungs­vor­ga­be, die ein „grund­sätz­li­ches Ver­bot“ plan­mä­ßi­ger Flü­ge in der Me­dia­ti­ons­nacht zum Ge­gen­stand hat, fällt je­den­falls dann in den Auf­ga­ben­be­reich und die Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Raum­ord­nungs­be­hör­den, wenn sie – wie hier durch Fest­le­gung eines Vor­rang­ge­biets – auf eine kon­kre­te lan­des­pla­ne­ri­sche Stand­ort­si­che­rung be­zo­gen ist.

Ein Lärm­schutz­kon­zept, das eine weit­ge­hen­de Lärm­pau­se in der Nacht­kern­zeit vor­sieht, kann es recht­fer­ti­gen, die Lärm­schutz­be­lan­ge der An­woh­ner in den Rand­stun­den der Nacht weit­ge­hend hin­ter den Ver­kehrs­in­ter­es­sen zu­rück­tre­ten zu las­sen. Selbst in die­sem Fall ist es aber nicht ge­recht­fer­tigt, „die Nacht zum Tage zu ma­chen“. Auch dann bleibt die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit nur ge­wahrt, wenn das Kon­zept eines zum Kern der Nacht hin ab­schwel­len­den und da­nach wie­der an­stei­gen­den Flug­ver­kehrs auch in die­sem Zeits­eg­ment durch­ge­hal­ten und der Flug­ver­kehr in den Nachtrand­stun­den zur Ver­mei­dung ta­gähn­li­cher Be­las­tungs­spit­zen durch ge­eig­ne­te Vor­keh­run­gen ef­fek­tiv und kon­kret be­grenzt wird.

Ge­wer­be­be­trie­be sind von den Re­ge­lun­gen des Flug­lärm­schutz­ge­set­zes zum pas­si­ven Schall­schutz nicht er­fasst. In­so­weit bleibt es bei der nach § 9 Abs. 2 Luft­VG be­ste­hen­den Pflicht der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de, im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss die­je­ni­gen Schutz­an­ord­nun­gen zu tref­fen, die zur Si­che­rung der Be­nut­zung der be­nach­bar­ten Grund­stü­cke gegen Ge­fah­ren oder Nach­tei­le not­wen­dig sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 4. April 2012 – 4 C 8.09