För­der­fä­hig­keit einer ergän­zen­den Aus­lands­aus­bil­dung

Ein Anspruch auf För­de­rung einer ergän­zen­den Aus­lands­aus­bil­dung auch dann bestehen kann, wenn Aus­zu­bil­den­de an der inlän­di­schen Hoch­schu­le einen Mas­ter-Abschluss anstre­ben, aber an der aus­län­di­schen Uni­ver­si­tät Kur­se in einem Bache­lor-Stu­di­en­gang bele­gen.

För­der­fä­hig­keit einer ergän­zen­den Aus­lands­aus­bil­dung

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nahm die Klä­ge­rin zum Win­ter­se­mes­ter 2009/​2010 den zwei­jäh­ri­gen Mas­ter-Stu­di­en­gang "Kon­fe­renz­dol­met­schen" an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg auf. Für einen Stu­di­en­auf­ent­halt an einer schot­ti­schen Uni­ver­si­tät von Sep­tem­ber bis Dezem­ber 2010, der im Rah­men eines Eras­mus-Aus­tausch­pro­gramms statt­fand, bewil­lig­te ihr die beklag­te Bezirks­re­gie­rung auf der Grund­la­ge des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BAföG Aus­bil­dungs­för­de­rung. Nach­dem die Klä­ge­rin mit­ge­teilt hat­te, dass sie dort in einem Bache­lor-Stu­di­en­gang (Übersetzen/​Dolmetschen) ein­ge­schrie­ben sei, hob die Beklag­te ihren Bewil­li­gungs­be­scheid auf und ver­lang­te die gewähr­te Aus­bil­dungs­för­de­rung von 1.402 € zurück. Die Aus­lands­aus­bil­dung kön­ne nicht geför­dert wer­den, weil sie dem im Inland betrie­be­nen Mas­ter-Stu­di­um nicht "gleich­wer­tig" sei (§ 5 Abs. 4 BAföG).

Mit ihrer hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­ge hat­te die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz Erfolg 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat nun auch die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der beklag­ten Bezirks­re­gie­rung zurück­ge­wie­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Gleich­wer­tig­keit des Besuchs der aus­län­di­schen Aus­bil­dungs­stät­te (§ 5 Abs. 4 Satz 1 BAföG) bejaht. Der not­wen­di­ge Ver­gleich sei nicht auf den kon­kre­ten Stu­di­en­gang oder ein­zel­ne besuch­te Lehr­ver­an­stal­tun­gen bezo­gen, son­dern auf die Aus­bil­dungs­stät­ten, an denen die Aus­bil­dung statt­fin­de. Es gehe um die "insti­tu­tio­nel­le Gleich­wer­tig­keit". Die­se sei hier ins­be­son­de­re des­halb gege­ben, weil die Aus­bil­dung an der schot­ti­schen Uni­ver­si­tät nach Zugangs­vor­aus­set­zun­gen, Art und Inhalt der Aus­bil­dung sowie nach dem ver­mit­tel­ten Aus­bil­dungs­ab­schluss all­ge­mein der Aus­bil­dung an der inlän­di­schen Hoch­schu­le gleich­kom­me. Ein För­de­rungs­an­spruch kön­ne daher auch bestehen, wenn die an der aus­län­di­schen Hoch­schu­le beleg­ten Kur­se zwar in einem Bache­lor-Stu­di­en­gang belegt wer­den, die­se Aus­bil­dung aber für die inlän­di­sche Hoch­schul­aus­bil­dung in einem Mas­ter-Stu­di­en­gang för­der­lich ist und zumin­dest teil­wei­se auf die vor­ge­schrie­be­ne oder übli­che Aus­bil­dungs­zeit im Inland ange­rech­net wer­den kann (§ 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BAföG). Dass die­se Vor­aus­set­zun­gen im Fall der Klä­ge­rin erfüllt sei­en, habe das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bean­stan­dungs­frei fest­ge­stellt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Juli 2012 – 5 C 14.11

  1. VG Mainz, Urtei­le vom 10.02.2011 – 1 K 1431/​10.MZ und 1 K 1553/​10.MZ; OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 15.06.2011 – 7 A 10396/​11.OVG[]