För­de­rung der Frei­en Wal­dorf­schu­le

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Mann­heim auf­ge­ho­ben, in dem ein Anspruch auf eine höhe­re För­de­rung der Frei­en Wal­dorf­schu­len in Baden-Würt­tem­berg weit­ge­hend abge­lehnt wor­den war. Die Frei­en Wal­dorf­schu­len in Baden-Würt­tem­berg begeh­ren für das Rech­nungs­jahr 2003 eine höhe­re För­de­rung, als sie im Pri­vat­schul­ge­setz des Lan­des als Zuschuss zu den lau­fen­den Betriebs­kos­ten vor­ge­se­hen war.

För­de­rung der Frei­en Wal­dorf­schu­le

Geklagt hat ein von Eltern getra­ge­ner gemein­nüt­zi­ger Ver­ein, der in Nür­tin­gen eine Freie Wal­dorf­schu­le betreibt, die als Ersatz­schu­le aner­kannt ist. Auf sei­nen Antrag gewähr­te ihm das Ober­schul­amt Stutt­gart für das Rech­nungs­jahr 2003 nach den Vor­schrif­ten des Pri­vat­schul­ge­set­zes (PSchG) einen Zuschuss zu den lau­fen­den Betriebs­kos­ten in Höhe von rund 1,5 Mio. €. Der Klä­ger ist der Ansicht, die­se staat­li­che För­de­rung habe nicht mehr das Exis­tenz­mi­ni­mum des Schul­typs der Frei­en Wal­dorf­schu­le gesi­chert und des­halb nicht den Vor­ga­ben genügt, die das Grund­ge­setz an die För­de­rung von Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft stel­le. Trotz sei­nes erheb­li­chen finan­zi­el­len Enga­ge­ments und obwohl er ver­fas­sungs­wid­rig hohe Schul­gel­der erho­ben habe, habe die Schu­le seit Jah­ren ein erheb­li­ches Defi­zit erwirt­schaf­tet. Der Klä­ger hat hier­auf gestützt Kla­ge mit dem Ziel erho­ben, das Land zu ver­pflich­ten, über sei­nen Antrag auf Gewäh­rung einer höhe­ren För­de­rung erneut zu ent­schei­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mann­heim hat das Land ver­pflich­tet, über den Antrag des Klä­gers erneut zu ent­schei­den, ihm über die Zuschüs­se zu den lau­fen­den Betriebs­kos­ten hin­aus wei­te­re Zuschüs­se als Aus­gleich für von ihm gewähr­te Schul­geld­be­frei­un­gen zu bewil­li­gen. Im Übri­gen hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen [2].

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf die Revi­sio­nen des Klä­gers und des Lan­des das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs auf­ge­ho­ben und die Sache an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zur wei­te­ren Klä­rung des Sach­ver­halts zurück­ver­wie­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat für die erneu­te Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs dar­auf hin­ge­wie­sen, die Kla­ge habe nur Erfolg, wenn der Gesetz­ge­ber sei­ne Schutz- und För­de­rungs­pflicht, die ihm gegen­über den pri­va­ten Ersatz­schu­len obliegt, gröb­lich ver­nach­läs­sigt habe, weil bei wei­te­rer Untä­tig­keit der Bestand des Ersatz­schul­we­sens evi­dent gefähr­det gewe­sen wäre. Dass bei Bei­be­hal­tung der 2003 bestehen­den Rege­lun­gen die Exis­tenz der Insti­tu­ti­on des Ersatz­schul­we­sens in Baden-Würt­tem­berg offen­kun­dig nicht gefähr­det gewe­sen sei, las­se sich noch nicht aus den Fest­stel­lun­gen her­lei­ten, die der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof inso­weit getrof­fen habe. Bei der inso­weit anzu­stel­len­den Gesamt­schau habe der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ande­rer­seits den Pro­gno­se- und Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers nicht hin­rei­chend beach­tet.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Dezem­ber 2011 – 6 C 18.10

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 13.07.2009 – 11 K 867/​05[]
  2. VGH B‑W., Urteil vom 14.07.2010 – 9 S 2207/​09[]