För­de­rung einer Zweit­aus­bil­dung

Es han­delt sich bei dem zwei­jäh­ri­gen Pro­jekt­stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign” der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg um kei­ne wei­te­re Erst­aus­bil­dung in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 7 Abs. 1a BAföG. Aller­dings kann auf der Grund­la­ge von § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG im Ein­zel­fall eine För­de­rung die­ser Aus­bil­dung als Zweit­aus­bil­dung in Betracht kom­men.

För­de­rung einer Zweit­aus­bil­dung

So der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der für das von ihm zwi­schen­zeit­lich abge­schlos­se­ne Pro­jekt­stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg in Lud­wigs­burg die Bewil­li­gung von Aus­bil­dungs­för­de­rung begehrt. Der Klä­ger erwarb im Anschluss an eine Berufs­aus­bil­dung zur Fach­kraft für Ver­an­stal­tungs­tech­nik sowie einer Erwerbs­tä­tig­keit im August 2002 die Fach­hoch­schul­rei­fe. Im Som­mer 2010 been­de­te er das berufs­qua­li­fi­zie­ren­de Stu­di­um in der Fach­rich­tung „Digi­ta­le Medi­en“ an der Hoch­schu­le Darm­stadt mit dem Bache­lor-Abschluss. Zum Win­ter­se­mes­ter 2010 nahm er das Pro­jekt­stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg in Lud­wigs­burg auf und bean­trag­te hier­für erst­mals am 20.11.2010 bei dem beklag­ten Land­kreis die Bewil­li­gung von Aus­bil­dungs­för­de­rung. Dies ist abge­lehnt wor­den. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat der Klä­ger vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart Kla­ge erho­ben. Mit Urteil vom 24. April 2012 hob das Ver­wal­tungs­ge­richt1 die bei­den Aus­gangs­be­schei­de des Beklag­ten sowie den Wider­spruchs­be­scheid des Regie­rungs­prä­si­di­ums Stutt­gart „vom 15.08.2012“ auf und ver­pflich­te­te den Beklag­ten, dem Klä­ger für das Stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ an der Film­aka­de­mie Lud­wigs­burg ab Novem­ber 2010 Aus­bil­dungs­för­de­rungs­leis­tun­gen in gesetz­li­cher Höhe zu gewäh­ren. Dage­gen hat der Beklag­te Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg kommt dem Klä­ger gegen den Beklag­ten ein Anspruch auf Gewäh­rung der bean­trag­ten Aus­bil­dungs­för­de­rung für das Pro­jekt­stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg auf der Grund­la­ge von § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG zu. Hin­ge­gen schei­det eine För­de­rung nach § 7 Abs. 1a und Abs. 2 Satz 1 BAföG aus:

Ent­ge­gen der von dem Ver­wal­tungs­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, kann der Klä­ger sei­nen Anspruch nicht mit Erfolg auf eine ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 7 Abs. 1a BAföG stüt­zen. Eine – auch ent­spre­chen­de – Anwen­dung von § 7 Abs. 1a BAföG kommt dane­ben nach sei­ner Auf­fas­sung in dem vor­lie­gen­den Fall auch bereits des­halb nicht in Betracht, weil sich die Bestim­mung ihrem aus­drück­li­chen Wort­laut nach ledig­lich auf Mas­ter- oder Magis­ter­stu­di­en­gän­ge im Sin­ne von § 19 HRG bzw. auf post­gra­dua­le Diplom­stu­di­en­gän­ge nach § 18 Abs. 1 Satz 1 bis 3 HRG bezieht und es daher im Hin­blick auf das Erfor­der­nis der Durch­füh­rung eines Stu­di­en­gangs an einer nach Lan­des­recht ein­ge­rich­te­ten Hoch­schu­le oder einer staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­le (vgl. inso­weit § 1 HRG) an einer aus­fül­lungs­be­dürf­ti­gen Rege­lungs­lü­cke fehlt. Soweit das Ver­wal­tungs­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang den Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 17. Okto­ber 20062 bemüht, ergibt sich aus die­ser Ent­schei­dung nicht, dass eine ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 7 Abs. 1a BAföG auch auf Stu­di­en­gän­ge an Aus­bil­dungs­stät­ten in Betracht käme, die kei­ne Hoch­schu­len im Rechts­sin­ne dar­stel­len. Das Ziel des § 7 Abs. 1a BAföG ist es ledig­lich, die durch den soge­nann­ten „Bolo­gna-Pro­zess“ ange­sto­ße­ne Restruk­tu­rie­rung der Hoch­schul­ab­schlüs­se durch Aus­dif­fe­ren­zie­rung von (grund­stän­di­gen) Bache­lor- bzw. Bak­ka­lau­re­us­stu­di­en­gän­gen und dar­auf auf­bau­en­den Mas­ter- oder Magis­ter­stu­di­en­gän­gen im Wege einer Erwei­te­rung des Grund­an­spruchs auf Aus­bil­dungs­för­de­rung aus­bil­dungs­för­de­rungs­recht­lich zu unter­stüt­zen. § 7 Abs. 1a BAföG lehnt sich damit an die im Zuge der Hoch­schul- und Stu­di­en­st­ruk­tur­re­form 1998, die auf Bun­des­ebe­ne zum 4. Gesetz zur Ände­rung des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes geführt hat3, in Gang gesetz­te Umstruk­tu­rie­rung des Hoch­schul­be­reichs an. Das Hoch­schul­rah­men­ge­setz fin­det indes eben­so wie das Lan­des­hoch­schul­ge­setz auf die Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg, die durch das Gesetz über die Film- und Pop­aka­de­mie und die Aka­de­mie für Dar­stel­len­de Kunst Baden-Würt­tem­berg (Aka­de­mi­en­ge­setz) vom 25.2.19924 kon­sti­tu­iert wor­den ist und deren Trä­ger die Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg GmbH ist (vgl. § 1 Abs. 2 Satz 1 Aka­de­mi­en­ge­setz), kei­ne Anwen­dung.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ver­mag zudem nicht die Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts zu tei­len, bei dem von dem Klä­ger beleg­ten Stu­di­en­gang „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ han­de­le es sich um einen Stu­di­en­gang, dem jeden­falls in mate­ri­el­ler Hin­sicht eine Hoch­schul­qua­li­tät zukä­me. Hier­ge­gen spricht ins­be­son­de­re die bereits vom Beklag­ten ange­spro­che­ne und näher dar­ge­stell­te vor­nehm­lich prak­ti­sche Aus­rich­tung die­ses Stu­di­en­gangs. All­ge­mein bie­ten die Stu­di­en­gän­ge an den Aka­de­mi­en in Baden-Würt­tem­berg ent­spre­chend § 3 Aka­de­mi­en­ge­setz Aus­bil­dun­gen in „pra­xis­ori­en­tier­ter Pro­jekt­ar­beit, ergänzt durch Grund­übun­gen und theo­re­ti­sche Lehr­ver­an­stal­tun­gen“. Ledig­lich die an der Film­aka­de­mie nach vier Jah­ren erfolg­reich abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung steht ver­gleich­ba­ren berufs­be­fä­hi­gen­den Abschlüs­sen an staat­li­chen Kunst­hoch­schu­len gleich (vgl. § 1 Abs. 6 Satz 2 Aka­de­mi­en­ge­setz). Das Pro­jekt­stu­di­um des Klä­gers umfasst indes nur zwei Jah­re, sodass die­se Rege­lung – ent­ge­gen der im ange­grif­fe­nen Urteil dar­ge­stell­ten Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts – in dem vor­lie­gen­den Fall gera­de kei­ne Anwen­dung fin­den dürf­te.

Eine Anwen­dung von § 7 Abs. 1a BAföG auf den von dem Klä­ger gewähl­ten Stu­di­en­gang kommt nach der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs dane­ben auch des­we­gen nicht in Betracht, weil sich der Stu­di­en­gang ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts gera­de nicht in die „kon­se­ku­ti­ve Stu­di­en­st­ruk­tur im Sin­ne von § 18 HRG“ ein­ord­net. Wie erwähnt wur­de § 7 Abs. 1a BAföG im Zuge der Hoch­schul- und Stu­di­en­st­ruk­tur­re­form 1998 mit dem Ziel ein­ge­fügt, die Aus­bil­dungs­för­de­rung für die mit der Reform neu ein­ge­rich­te­ten Stu­di­en­gän­ge sicher­zu­stel­len. Aus Gleich­be­hand­lungs­grün­den soll­ten hier­bei auch neu ein­ge­rich­te­te post­gra­dua­le Diplom­stu­di­en­gän­ge in die För­de­rung mit­ein­be­zo­gen wer­den5. § 7 Abs. 1a BAföG betrifft danach gera­de die För­de­rung von Master‑, Magis­ter- und post­gra­dua­len Diplom­stu­di­en­gän­gen, die im Zuge der Hoch­schul- und Stu­di­en­st­ruk­tur­re­form seit dem Jahr 1998 neu gebil­det wur­den. Die Vor­schrift bezweckt allein die Klar­stel­lung, dass Bache­lor- und (kon­se­ku­ti­ver) Mas­ter­stu­di­en­gang för­de­rungs­recht­lich eine ein­heit­li­che Aus­bil­dung im Sin­ne von § 7 Abs. 1 BAföG dar­stel­len und gemein­sam den dar­in for­mu­lier­ten Grund­an­spruch auf För­de­rung grund­sätz­lich nur einer Aus­bil­dung aus­schöp­fen6.

Das zwei­jäh­ri­ge Pro­jekt­stu­di­um „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ des Klä­gers an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg ist indes gera­de nicht erst im Zuge der Hoch­schul- und Stu­di­en­st­ruk­tur­re­form 1998 ein­ge­führt wor­den. Unter sei­ner frü­he­ren Bezeich­nung „Film- und Medi­en­mu­sik“ exis­tiert die­ser Stu­di­en­gang viel­mehr bereits seit dem Beginn des Aus­bil­dungs­be­triebs an der Film­aka­de­mie im Jahr 1994, wie sich dies aus § 1 Abs. 2 Nr. 2 der Ver­ord­nung des Minis­te­ri­ums für Fami­lie, Frau­en, Wei­ter­bil­dung und Kunst über die film­ge­stal­te­ri­sche Eig­nungs­prü­fung und wei­te­re Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen für die Stu­di­en­gän­ge an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg vom 30.03.19947 ergibt. Das Stu­di­um des Klä­gers steht danach in kei­ner­lei Zusam­men­hang mit dem soge­nann­ten Bolo­gn­apro­zess. Es wur­de auch zu kei­nem Zeit­punkt in irgend­ei­ner Wei­se im Sin­ne eines post­gra­dua­len bzw. kon­se­ku­ti­ven Stu­di­ums nach­träg­lich an die­sen Pro­zess ange­passt8.

Schließ­lich lässt sich für den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof auch nicht erken­nen, dass das Stu­di­um des Klä­gers die beson­de­re Vor­aus­set­zung des § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 BAföG erfüllt. Nach die­ser Bestim­mung kommt die Gewäh­rung zusätz­li­cher Aus­bil­dungs­för­de­rung für einen der genann­ten Stu­di­en­gän­ge nur dann in Fra­ge, wenn der betref­fen­de Stu­di­en­gang „auf einem Bache­lor- oder Bak­ka­lau­re­us­stu­di­en­gang auf­baut“. Der betref­fen­de Stu­di­en­gang müss­te also gera­de an einen Stu­di­en­gang in dem Sin­ne anknüp­fen, als damit eine Stu­di­en­gang­fol­ge „neu­er Art“ ent­spre­chend dem Bolo­gn­apro­zess her­ge­stellt wird.

In dem vor­lie­gen­den Fall jedoch ist ein der­ar­ti­ges erfor­der­li­ches Auf­bau­en des Pro­jekt­stu­di­ums „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ auf einen bestimm­ten Bache­lor-Stu­di­en­gang an kei­ner Stel­le aus­drück­lich gere­gelt. § 1 Abs. 3 Nr. 2 der Ver­ord­nung des Staats­mi­nis­te­ri­ums über die film­ge­stal­te­ri­sche Eig­nungs­prü­fung und wei­te­re Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen für die Stu­di­en­gän­ge an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg vom 15.02.20079 bestimmt allein, dass für eine Zulas­sung zu dem Pro­jekt­stu­di­um des Klä­gers eine bestan­de­ne Diplom-, Bache­lor- oder Mas­ter­prü­fung in einem musi­ka­li­schen Stu­di­en­gang oder die ers­te Zwi­schen­prü­fung in einem Stu­di­um für das Künst­le­ri­sche Lehr­amt an Gym­na­si­en, an einer Musik­hoch­schu­le, an einer Musik­fach­aka­de­mie oder an einer Uni­ver­si­tät erfor­der­lich ist. Die erwähn­te Bache­lor­prü­fung stellt danach ledig­lich eine von meh­re­ren Mög­lich­kei­ten dar, die beson­de­ren Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 3 der genann­ten Ver­ord­nung zu erfül­len. Dies ver­deut­licht dem Senat, dass der von dem Klä­ger gewähl­te Pro­jekt­stu­di­en­gang – bei abs­trak­ter Betrach­tung – gera­de nicht zwin­gend im Sin­ne von § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 BAföG auf einem Bache­lor­stu­di­um, wie es der Klä­ger an der Hoch­schu­le Darm­stadt absol­viert hat, auf­baut.

Blo­ße Zulas­sungs­re­ge­lun­gen für ein Stu­di­um bewir­ken im Übri­gen ohne­hin nicht gleich­sam selbst­ver­ständ­lich, dass die dadurch erfolg­te Ver­knüp­fung zwei­er Stu­di­en­gän­ge eine Stu­di­en­fol­ge „neu­er Art“ im Sin­ne des Bolo­gn­apro­zes­ses her­vor­ruft10.

Der Klä­ger kann nach allem auf der Grund­la­ge von § 7 Abs. 1a BAföG kei­ne (wei­te­re) För­de­rung einer Erst­aus­bil­dung bean­spru­chen, was indes eine För­de­rung im Rah­men der Bestim­mun­gen des § 7 Abs. 2 BAföG – also die För­de­rung einer Zweit­aus­bil­dung als einer ein­zi­gen wei­te­ren Aus­bil­dung – nicht hin­dert. Denn § 7 Abs. 1a BAföG kommt inso­fern kei­ne aus­schlie­ßen­de Wir­kung zu11.

Auch die Bestim­mun­gen des § 7 Abs. 2 Satz 1 BAföG begrün­den man­gels Vor­lie­gens ihrer Vor­aus­set­zun­gen für den Klä­ger indes kei­nen Anspruch auf Aus­bil­dungs­för­de­rung. § 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 und Nr. 5 BAföG betref­fen allein Aus­zu­bil­den­de, die die Zugangs­vor­aus­set­zun­gen für die zu för­dern­de Aus­bil­dung auf dem soge­nann­ten zwei­ten Bil­dungs­weg erwor­ben haben, was auf den Klä­ger jedoch nicht zutrifft.

§ 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BAföG sieht die För­de­rung einer ein­zi­gen wei­te­ren Aus­bil­dung längs­tens bis zu einem berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss dann vor, wenn im Zusam­men­hang mit der vor­her­ge­hen­den Aus­bil­dung der Zugang zu ihr eröff­net wor­den ist, sie in sich selbst­stän­dig ist und in der­sel­ben Rich­tung fach­lich wei­ter­führt.

Dem Pro­jekt­stu­di­um des Klä­gers „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg man­gelt es indes an der gefor­der­ten Selbst­stän­dig­keit. Der Stu­di­en­gang müss­te – wor­an es hier fehlt – im Gegen­satz zu einer Ver­tie­fungs- oder Ergän­zungs­aus­bil­dung als sol­cher dar­auf ange­legt sein, im Wesent­li­chen alle Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten zu ver­mit­teln, die zur Erlan­gung eines berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschlus­ses erfor­der­lich sind12. Wie der Beklag­te zutref­fend dar­ge­stellt hat, kann sol­ches für das von dem Klä­ger als blo­ßes „Pro­jekt­stu­di­um“ beleg­te Stu­di­um nicht zutref­fen. Für blo­ße ergän­zen­de wei­te­re Aus­bil­dun­gen ent­hält das Gesetz mit der Rege­lung in § 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BAföG eine aus­drück­li­che und abschlie­ßen­de För­der­vor­schrift13.

§ 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BAföG lässt die För­de­rung einer ein­zi­gen wei­te­ren Aus­bil­dung dann zu, wenn sie eine Hoch­schul­aus­bil­dung oder eine die­ser nach Lan­des­recht gleich­ge­stell­te Aus­bil­dung inso­weit ergänzt, als dies für die Auf­nah­me des ange­streb­ten Berufs recht­lich erfor­der­lich ist.

Zwi­schen den Betei­lig­ten ist aller­dings unstrei­tig und es lässt sich für den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof auch nicht erken­nen, dass der von dem Klä­ger nach sei­nem Bekun­den ernst­haft ange­streb­te Beruf eines Film­ton­meis­ters bestimm­te recht­lich aus­for­mu­lier­te Auf­nah­me­vor­aus­set­zun­gen erfor­dert. Zwar ergänzt das Pro­jekt­stu­di­um des Klä­gers, wie sich dies aus den in der erwähn­ten Zulas­sungs­ver­ord­nung gere­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen ergibt, eine ihm vor­an­ge­gan­ge­ne – musi­ka­li­sche – Hoch­schul­aus­bil­dung. Ohne dass die ergän­zen­de Aus­bil­dung in einem Gesetz oder einer Ver­ord­nung für die Auf­nah­me des ange­streb­ten Beru­fes vor­ge­schrie­ben ist, kann § 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BAföG jedoch kei­ne Anspruchs­grund­la­ge für die Gewäh­rung von Aus­bil­dungs­för­de­rung dar­stel­len14.

Der Klä­ger kann die von ihm erstreb­te Aus­bil­dungs­för­de­rung jedoch auf der Grund­la­ge von § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG bean­spru­chen. Nach die­ser Bestim­mung wird Aus­bil­dungs­för­de­rung für eine ein­zi­ge wei­te­re Aus­bil­dung dann geleis­tet, wenn die beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re das ange­streb­te Aus­bil­dungs­ziel, dies erfor­dern.

Einen hin­rei­chen­den beson­de­ren Umstand des Ein­zel­falls nennt das Gesetz selbst, indem es auf das „ange­streb­te Aus­bil­dungs­ziel“ abhebt. Als Aus­bil­dungs­ziel im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist der Erwerb der Qua­li­fi­ka­ti­on für einen bestimm­ten Beruf und nicht etwa der erfolg­rei­che Abschluss der för­de­rungs­fä­hi­gen Aus­bil­dung zu ver­ste­hen. Unter dem Gesichts­punkt des ange­streb­ten Aus­bil­dungs­ziels kann eine wei­te­re Aus­bil­dung nur för­de­rungs­fä­hig sein, wenn der Aus­zu­bil­den­de die Qua­li­fi­ka­ti­on für einen Beruf erwer­ben will, die durch den erfolg­rei­chen Abschluss einer ein­zi­gen för­de­rungs­fä­hi­gen Aus­bil­dung nicht erreicht wer­den kann, viel­mehr den berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss einer zusätz­li­chen Aus­bil­dung vor­aus­setzt, wie dies etwa für das Berufs­bild des Kie­fer­chir­ur­gen oder des Schul­psy­cho­lo­gen aner­kannt ist15.

Ins­be­son­de­re nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts16 kann nach § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG eine wei­te­re Aus­bil­dung, deren berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Abschluss zusam­men mit dem Abschluss der frü­he­ren Aus­bil­dung die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs erst ermög­licht, dann geför­dert wer­den, wenn das Erfor­der­nis zwei­er erfolg­reich abge­schlos­se­ner Aus­bil­dun­gen auf einer tat­säch­li­chen Ein­stel­lungs­pra­xis beruht und der Ent­schluss zur Durch­füh­rung der wei­te­ren Aus­bil­dung erst wäh­rend oder nach Abschluss der ers­ten Aus­bil­dung gefasst wor­den ist. Die Rege­lung grei­fe – so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – in den Fäl­len ein, in denen jeweils im Ein­zel­fall vom ange­streb­ten Aus­bil­dungs­ziel her gese­hen eine ein­zi­ge berufs­qua­li­fi­zie­rend abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung nicht aus­reicht oder in denen der Aus­zu­bil­den­de, eben­falls auf­grund der beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls, die bereits abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung sich nicht mehr zu Nut­ze machen kann. Das ange­streb­te Aus­bil­dungs­ziel kann dabei die För­de­rung der wei­te­ren Aus­bil­dung nach § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG nur dann recht­fer­ti­gen, wenn der Aus­zu­bil­den­de die Qua­li­fi­ka­ti­on für einen Beruf erwer­ben will, die durch den erfolg­rei­chen Abschluss einer för­de­rungs­fä­hi­gen Aus­bil­dung allein nicht erreicht wer­den kann, viel­mehr den berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss einer wei­te­ren Aus­bil­dung oder meh­re­rer sol­cher Aus­bil­dun­gen vor­aus­setzt. Als Aus­bil­dungs­ziel im Sin­ne der Vor­schrift ist mit­hin nicht der erfolg­rei­che Abschluss allein einer för­de­rungs­fä­hi­gen Aus­bil­dung zu begrei­fen, son­dern der Erwerb der Qua­li­fi­ka­ti­on für einen bestimm­ten Beruf. Grund­sätz­lich genügt nicht, dass die Absol­vie­rung der meh­re­ren Aus­bil­dun­gen die Aus­bil­dung die­ses Berufs erleich­tert oder wirt­schaft­lich ertrag­rei­cher macht. Erfor­der­lich ist viel­mehr, dass die wei­te­re Aus­bil­dung zusam­men mit der frü­he­ren Aus­bil­dung die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs erst ermög­licht17.

Ein sol­cher Sach­ver­halt ist nach der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs in dem vor­lie­gen­den Fall gege­ben. Denn nach den unbe­strit­te­nen Ein­las­sun­gen der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg gegen­über dem Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart – Lan­des­amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung – wird erst mit dem Abschluss des Pro­jekt­stu­di­en­gangs „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ der Zugang etwa zu dem Berufs­feld des Film­ton­meis­ters eröff­net. Ohne ein Durch­lau­fen die­ses Stu­di­en­gangs sei die­ser Berufs­zu­gang nicht zu errei­chen. Eine dem ent­spre­chen­de Dar­stel­lung fin­det sich auf der Home­page der Film­aka­de­mie (www.filmakademie.de). Danach umfasst die Aus­bil­dung in dem zwei­jäh­ri­gen Pro­jekt­stu­di­en­gang „Film­mu­sik und Sound­de­sign“ mit sei­nem ab dem Win­ter­se­mes­ter 2010 um den Stu­di­en­schwer­punkt „Filmton/​Sounddesign“ erwei­ter­ten Aus­bil­dungs­in­halt die bei­den Berufs­bil­der „Film­ton­meis­ter für Ori­gi­nal- Ton“ und „Film­ton­meis­ter Postproduktion/​Sounddesign“. Dass – soweit ersicht­lich – der Zugang zu die­sen Beru­fen bis­lang recht­lich nicht nor­miert ist, scha­det im Rah­men der Anwen­dung des § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG nicht. Denn der Fall, dass ein wei­te­res Stu­di­um neben einer ande­ren berufs­qua­li­fi­zie­rend abge­schlos­se­nen Aus­bil­dung ohne eine recht­li­che Fest­le­gung ledig­lich als zusätz­li­che Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung ver­langt wird, ist dem­je­ni­gen gleich zu ach­ten, wonach der Berufs­zu­gang in Rechts­vor­schrif­ten etwa von der erfolg­rei­chen Absol­vie­rung zwei­er Aus­bil­dun­gen abhän­gig gemacht wird. Hier wie dort ist die Qua­li­fi­ka­ti­on für den ange­streb­ten Beruf ohne das Hin­zu­tre­ten einer wei­te­ren Aus­bil­dung objek­tiv nicht erreich­bar, wes­halb die tat­säch­li­che Ein­stel­lungs­pra­xis für den Berufs­be­wer­ber die glei­chen Aus­wir­kun­gen wie eine ent­spre­chen­de recht­li­che Bestim­mung hat. Es besteht danach kein Anlass, bei der Anwen­dung von § 7 Abs. 2 Satz 2 BAföG zwi­schen prak­ti­scher Übung und recht­li­cher Nor­mie­rung zu unter­schei­den, zumal der Wort­laut der Vor­schrift nicht erken­nen lässt, dass eine sol­che Unter­schei­dung gebo­ten sein könn­te18.

Schließ­lich hat der Klä­ger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof durch sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten auch glaub­haft aus­füh­ren las­sen, dass er gegen­wär­tig tat­säch­lich nach Abschluss des Pro­jekt­stu­di­ums an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg den Beruf des Film­ton­meis­ters im Wege einer Anstel­lung in der Film­bran­che oder auch beim Fern­se­hen anstre­be und sich auf ent­spre­chen­de Stel­len aktu­ell bewer­be.

Die­se beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls recht­fer­ti­gen es nach allem für den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, dem Klä­ger im Rah­men der För­de­rung einer Zweit­aus­bil­dung Aus­bil­dungs­för­de­rung ent­spre­chend dem von ihm gestell­ten Antrag zukom­men zu las­sen, wes­halb die sei­tens des Beklag­ten gegen das Ver­pflich­tungs­ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart vom 24.04.2012 gerich­te­te Beru­fung zurück­zu­wei­sen ist.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 9. Okto­ber 2012 – 12 S 1231/​12

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 24.04.2012 – 11 K 3317/​11
  2. BVerwG, Beschluss vom 17.10.2006 – 5 B 78.06
  3. vgl. dazu im Ein­zel­nen Hum­borg in Rothe/​Blanke, Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz, 5. Aufl., Stand März 2010, § 7 RdNr. 16
  4. GBl. 1992, 115
  5. Rothe/​Blanke, a.a.O., Ramsauer/​Stallbaum/​Sternal, BAföG, Komm., 4. Aufl., § 7 RdNr. 18
  6. BSG, Urteil vom 27.09.2011 – B 4 AS 145/​10 R
  7. GBl. 1994, 233 ff.
  8. vgl. dazu die nun­mehr gül­ti­ge Ver­ord­nung des Staats­mi­nis­te­ri­ums über die film­ge­stal­te­ri­sche Eig­nungs­prü­fung und wei­te­re Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen für die Stu­di­en­gän­ge an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg vom 15.2.2007, GBl. 2007, 176 ff. sowie die Ver­ord­nung des Staats­mi­nis­te­ri­ums über die Prü­fung in den Diplom­stu­di­en­gän­gen »Film und Medi­en«, »Pro­duk­ti­on« und »Film­mu­sik und Sound­de­sign« an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg vom 06.12.2005, GBl. 2005, 807
  9. a.a.O.
  10. vgl. Säch­si­sches OVG, Beschluss vom 06.11.2008 – 1 B 188/​07
  11. vgl. BVerwG, Urteil vom 15.05.2008 – 5 C 18.07 – Buch­holz 436.36 § 7 BAföG Nr. 124; BSG, a.a.O.; OVG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 27.10.2011 – 2 LB 13/​11NVwZ-RR 2012, 238
  12. vgl. BSG, a.a.O.; Ramsauer/​Stallbaum/​Sternal, a.a.O., § 7 RdNr. 28
  13. BVerwG, Urteil vom 15.05.2008, a.a.O.
  14. vgl. Rothe/​Blanke, a.a.O., § 7 RdNr. 26.5; Ramsauer/​Stallbaum/​Sternal a.a.O., § 7 RdNr. 26
  15. vgl. Rothe/​Blanke, a.a.O. § 7 RdNr. 34 m.w.N. aus der Recht­spre­chung; s. auch Tz 7.2.22 der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zum BAföGV­wV
  16. BVerwG, Urteil vom 12.03.1987 – 5 C 21.85, BVerw­GE 77, 122 = NVwZ 1987, 890
  17. BVerwG, a.a.O.
  18. so aus­drück­lich BVerwG, Urteil vom 12.03.1987 – 5 C 21.85 -, a.a.O.