Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch und Ver­jäh­rung

Der An­spruch des Ei­gen­tü­mers ge­gen­über dem ho­heit­li­chen Stö­rer, die zu Be­sei­ti­gung der Stö­rung not­wen­di­gen Maß­nah­men zu dul­den, un­ter­liegt nicht der Ver­jäh­rung.

Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch und Ver­jäh­rung

Die hier in Rede ste­hen­de unstrei­tig rechts­wid­ri­ge Über­bau­ung führt zur Beein­träch­ti­gung von Eigen­tums­po­si­tio­nen im Sin­ne des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG. Das ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Eigen­tum ist durch Pri­vat­nüt­zig­keit und grund­sätz­li­che Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Eigen­tü­mers über den Eigen­tums­ge­gen­stand gekenn­zeich­net. Es soll ihm als Grund­la­ge pri­va­ter Initia­ti­ve und in eigen­ver­ant­wort­li­chem pri­va­tem Inter­es­se von Nut­zen sein und genießt einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz, soweit es um die Siche­rung der per­sön­li­chen Frei­heit des Ein­zel­nen geht 1. Dar­aus ergibt sich ohne Wei­te­res, dass ein Eigen­tü­mer eines Grund­stücks mit die­sem grund­sätz­lich nach Belie­ben ver­fah­ren darf (vgl. für das Zivil­recht § 903 BGB). Die Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG sichert den kon­kre­ten Bestand in der Hand des ein­zel­nen Eigen­tü­mers und sei­ne Ver­fü­gungs­be­fug­nis über den Eigen­tums­ge­gen­stand 2. Des­halb ist er berech­tigt, rechts­wid­ri­ge Ein­wir­kun­gen auf sein Grund­stück abzu­weh­ren.

Im hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall kann der Klä­ger von der Beklag­ten nicht mehr die Besei­ti­gung des rechts­wid­ri­gen Über­baus im Wege der Fol­gen­be­sei­ti­gung ver­lan­gen, nach­dem der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Ver­jäh­rung die­ses Anspruchs fest­ge­stellt hat. Die Ver­jäh­rung des Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruchs besei­tigt jedoch nicht den durch den rechts­wid­ri­gen Über­bau ent­stan­de­nen rechts­wid­ri­gen Zustand, den der Eigen­tü­mer nicht hin­neh­men muss. Er ist viel­mehr befugt, rechts­wid­ri­ge Stö­run­gen sei­nes Eigen­tums auf eige­ne Kos­ten zu besei­ti­gen. Die­ses Recht folgt bei Eigen­tums­ver­let­zun­gen durch hoheit­li­che Maß­nah­men im öffent­li­chen Recht unmit­tel­bar aus dem durch Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­ten Eigen­tums­recht.

Das öffent­li­che Recht schützt den Eigen­tü­mer nicht weni­ger als das Zivil­recht und gewährt eben­so Abwehr­an­sprü­che 3. Nach § 903 Satz 1 BGB kann der Eigen­tü­mer einer Sache, soweit nicht das Gesetz oder Rech­te Drit­ter ent­ge­gen­ste­hen, mit der Sache nach Belie­ben ver­fah­ren und ande­re von jeder Ein­wir­kung aus­schlie­ßen. Im öffent­li­chen Recht gilt nichts ande­res. Umfasst wird der Anspruch gegen­über dem Stö­rer, jeden­falls die Maß­nah­men zu dul­den, die nötig sind, die rechts­wid­ri­ge Eigen­tums­stö­rung zu besei­ti­gen. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn sie wie hier, auf dem Eigen­tums­grund­stück vor­ge­nom­men wer­den sol­len.

Der Dul­dungs­an­spruch ist auch nicht, wie die Beklag­te meint, ein "minus" zum Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruch, son­dern ein "ali­ud". Er ver­langt vom Hoheits­trä­ger näm­lich gera­de nicht, die Fol­gen sei­nes rechts­wid­ri­gen Vor­ge­hens zu besei­ti­gen, son­dern ledig­lich hin­zu­neh­men, dass vom Eigen­tü­mer ein recht­mä­ßi­ger Zustand wie­der­her­ge­stellt wird. Der Dul­dungs­an­spruch ist nicht ver­jährt. Er ist auf die Her­stel­lung des Gebrauchs des Eigen­tums­rechts gerich­tet und des­sen unmit­tel­ba­rer Inhalt. Kraft der grund­ge­setz­li­chen Gewähr­leis­tung ver­jäh­ren das Recht am Eigen­tum und die Aus­übung die­ses Rechts jedoch nicht. Im Zivil­recht ergibt sich das aus § 902 BGB 4. Ob einem sol­chen Dul­dungs­an­spruch gegen­über dem hoheit­li­chen Stö­rer aus­nahms­wei­se Unzu­mut­bar­keit ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann, mag dahin­ste­hen. Denn der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat der­ar­ti­ge Grün­de nicht fest­ge­stellt 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Juli 2013 – 9 B 12.13

  1. BVerfG, Beschluss vom 16.02.2000 – 1 BvR 242/​91, 315/​99, BVerfGE 102,1, 15[]
  2. vgl. BVerfG, Urtei­le vom 18.12.1968 – 1 BvR 638, 673/​64 und 200, 238, 249/​65, BVerfGE 24, 367, 389 und vom 01.03.1979 – 1 BvR 532, 533/​77, 419/​78 und 1 BvL 21/​78, BVerfGE 50, 290, 339 f.; Beschluss vom 12.11.1974 – 1 BvR 32/​68, BVerfGE 38, 175, 181[]
  3. BVerwG, Urteil vom 21.09.1984 – 4 C 51.80, Buch­holz 406.16 § 16 Eigen­tums­schutz Nr. 40 S. 22; zum Schutz des zivil­recht­li­chen Eigen­tums BGH, Urteil vom 28.01.2011 – V ZR 141/​10NJW 2011, 1068, 1069[]
  4. BGH, Urteil vom 28.01.2011 a.a.O.[]
  5. vgl. zur Zumut­bar­keit eines Fol­gen­be­sei­ti­gungs­an­spruchs Urteil vom 26.08.1993 – 4 C 24.91, BVerw­GE 94, 100, 113 ff.[]