Fort­set­zung eines Aus­wahl­ver­fah­rens nach Feh­ler­be­he­bung

Wird ein Aus­wahl­ver­fah­ren zur Beset­zung eines höher­wer­ti­gen mili­tä­ri­schen Dienst­pos­tens fort­ge­setzt, nach­dem eine feh­ler­haf­te ers­te Aus­wahl­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben wur­de, so ist die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der zu tref­fen­den neu­en Aus­wahl­ent­schei­dung maß­geb­lich. Die Aus­wahl nach dem Leis­tungs­prin­zip ist dabei grund­sätz­lich nicht auf den bei der ers­ten Aus­wahl­ent­schei­dung betrach­te­ten Bewer­ber­kreis begrenzt.

Fort­set­zung eines Aus­wahl­ver­fah­rens nach Feh­ler­be­he­bung

Maß­geb­lich nach Wie­der­auf­nah­me des Aus­wahl­ver­fah­rens ist nicht die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der ers­ten (auf­ge­ho­be­nen), son­dern der zwei­ten (noch zu tref­fen­den) Aus­wahl­ent­schei­dung 1. Dies bedeu­tet auch, dass ggf. ein neu­es Bewer­ber­feld und das jeweils aktu­el­le Beur­tei­lungs­bild der zu betrach­ten­den Bewer­ber für die neue Aus­wahl­ent­schei­dung in den Blick zu neh­men sind 2.

Soweit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gebil­ligt hat, dass ein neu hin­zu­tre­ten­der Kan­di­dat – aus­nahms­wei­se – vom Aus­wahl­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen wer­den kann, wenn er sich erst lan­ge nach Ablauf einer Bewer­bungs­frist bewor­ben hat und das Aus­wahl­ver­fah­ren bereits so weit fort­ge­schrit­ten ist, dass alle Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­wahl­ent­schei­dung vor­lie­gen 3, ist eine sol­che Sach­ver­halts­ge­stal­tung hier nicht gege­ben. Nach Auf­he­bung der ers­ten Aus­wahl­ent­schei­dung vom 14.04.2015 stand die Vor­be­rei­tung der neu­en Aus­wahl­ent­schei­dung wegen der Not­wen­dig­keit, aktu­el­le dienst­li­che Beur­tei­lun­gen ein­zu­ho­len, viel­mehr erst in den Anfän­gen.

Etwas Ande­res ergibt sich auch nicht aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, wonach ein Bewer­ber im Fal­le des unbe­rech­tig­ten Abbruchs eines Aus­wahl­ver­fah­rens des­sen zeit­na­he Fort­füh­rung mit dem bestehen­den Bewer­ber­kreis ver­lan­gen kann 4.

Es liegt hier bereits kein Fall des Abbruchs eines Aus­wahl­ver­fah­rens vor. Der Dienst­herr kann ein Aus­wahl­ver­fah­ren etwa dann abbre­chen, wenn es feh­ler­haft ist und nicht mehr zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Aus­wahl­ent­schei­dung füh­ren kann oder wenn eine erneu­te Aus­schrei­bung erfor­der­lich wird, um eine hin­rei­chen­de Anzahl leis­tungs­star­ker Bewer­ber zu erhal­ten 5. So liegt der Fall hier indes nicht. Die ers­te Aus­wahl­ent­schei­dung wur­de hier aber nicht des­halb auf­ge­ho­ben, weil der Dienst­herr das Aus­wahl­ver­fah­ren für geschei­tert und ein neu­es Aus­wahl­ver­fah­ren für erfor­der­lich hielt; es ging viel­mehr ledig­lich dar­um, das begon­ne­ne Aus­wahl­ver­fah­ren unter Behe­bung eines Feh­lers fort- und zu Ende zu füh­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. April 2016 – 1 WB 27.15

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.09.2012 – 1 WB 44.11 27 m.w.N.; eben­so für das Dienst­recht der Beam­ten und Rich­ter BVerwG, Urteil vom 04.11.2010 – 2 C 16.09, BVerw­GE 138, 102 Rn. 58[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 06.10.2015 – 1 WDS-VR 1.15, NVwZ-RR 2016, 60 = NZWehrr 2016, 31, jeweils Rn. 33[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 30.04.2012 – 2 VR 6.11 3 ff.[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn. 21 ff.[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn.19 und Beschluss vom 27.10.2015 – 1 WB 56.14 31, jeweils m.w.N.[]