Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge – und das Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann das Inter­es­se, das Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit einer Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist, recht­li­cher, wirt­schaft­li­cher oder ide­el­ler Natur sein.

Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge – und das Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se

Es ist typi­scher­wei­se in den aner­kann­ten Fall­grup­pen

gege­ben, kann aber auch aus ande­ren beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls her­ge­lei­tet wer­den, sofern die gericht­li­che Ent­schei­dung geeig­net ist, die klä­ge­ri­sche Posi­ti­on in recht­li­cher, wirt­schaft­li­cher oder ide­el­ler Hin­sicht zu ver­bes­sern1.

Ein Reha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se besteht nur, wenn sich aus der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me eine Stig­ma­ti­sie­rung des Betrof­fe­nen ergibt, die geeig­net ist, sein Anse­hen in der Öffent­lich­keit oder im sozia­len Umfeld her­ab­zu­set­zen. Die­se Stig­ma­ti­sie­rung muss Außen­wir­kung erlangt haben und noch in der Gegen­wart andau­ern2.

Fer­ner kann auch die Art eines mit der Kla­ge gerüg­ten Ein­griffs, ins­be­son­de­re im grund­recht­lich geschütz­ten Bereich, ver­bun­den mit dem durch Art.19 Abs. 4 GG garan­tier­ten Anspruch auf effek­ti­ven Rechts­schutz, die Aner­ken­nung eines Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses recht­fer­ti­gen, wenn sich die unmit­tel­ba­re Belas­tung durch den schwer­wie­gen­den Hoheits­akt auf eine Zeit­span­ne beschränkt, in der die Ent­schei­dung des Gerichts kaum zu erlan­gen ist3. Hier­zu zäh­len vor allem Fest­stel­lungs­be­geh­ren, die poli­zei­li­che Maß­nah­men zum Gegen­stand haben. Eine (fort­wir­ken­de) dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung der behörd­li­chen Maß­nah­me ist dafür nicht Vor­aus­set­zung4.

Ob die Vor­aus­set­zun­gen einer der genann­ten Fall­grup­pen vor­lie­gen, beur­teilt sich nach den Umstän­den des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les und ist einer ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen Klä­rung nicht zugäng­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 25. Juni 2019 – 6 B 154.18

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 29.03.2017 – 6 C 1.16 [ECLI:?DE:?BVerwG:?2017:?290317U6C1.16.0], BVerw­GE 158, 301 Rn. 29 m.w.N.
  2. BVerwG, Urteil vom 16.05.2013 – 8 C 14.12, BVerw­GE 146, 303 Rn. 25
  3. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 30.04.1997 – 2 BvR 817/​90 u.a., BVerfGE 96, 27, 39 f.; und vom 04.02.2005 – 2 BvR 308/​04 [ECLI:?DE:?BVerfG:?2005:?rk20050204.2bvr030804] – NJW 2005, 1637, 1639; BVerwG, Urteil vom 25.10.2017 – 6 C 46.16 [ECLI:?DE:?BVerwG:?2017:?251017U6C46.16.0], BVerw­GE 160, 169 Rn.20
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 29.04.1997 – 1 C 2.95, Buch­holz 310 § 43 VwGO Nr. 127 S. 7 f. m.w.N.