Foto­gra­fier­ver­bot bei Poli­zei­be­am­ten eines Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat aktu­ell ent­schie­den, dass ein von der Poli­zei gegen­über Mit­ar­bei­tern einer Zei­tung aus­ge­spro­che­nes Ver­bot rechts­wid­rig war, Poli­zei­be­am­te des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos wäh­rend eines Ein­sat­zes zu foto­gra­fie­ren.

Foto­gra­fier­ver­bot bei Poli­zei­be­am­ten eines Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos

Beam­te des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos der Poli­zei waren beauf­tragt, den der gewerbs­mä­ßi­gen Geld­wä­sche beschul­dig­ten mut­maß­li­chen Sicher­heits­chef einer rus­si­schen Grup­pie­rung orga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät aus der Unter­su­chungs­haft bei einer Augen­arzt­pra­xis in der Schwä­bisch Hal­ler Fuß­gän­ger­zo­ne vor­zu­füh­ren. Der Ein­satz wur­de von zwei Jour­na­lis­ten, dar­un­ter einem Foto­re­por­ter, bemerkt. Nach­dem die­ser sich anschick­te, Bil­der von den Dienst­fahr­zeu­gen und den ein­ge­setz­ten Beam­ten anzu­fer­ti­gen, for­der­te der Ein­satz­lei­ter ihn auf, das Foto­gra­fie­ren zu unter­las­sen. Der Jour­na­list unter­ließ es dar­auf­hin, Bil­der anzu­fer­ti­gen.

Die Poli­zei recht­fer­tig­te das Ver­bot unter ande­rem damit, dass die ein­ge­setz­ten Beam­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos durch die Ver­öf­fent­li­chung der ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en in der Zei­tung der Klä­ge­rin hät­ten ent­tarnt wer­den kön­nen. Dadurch hät­te ihre künf­ti­ge Ein­setz­bar­keit im Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do beein­träch­tigt und sie selbst hät­ten per­sön­lich durch Rache­ak­te gefähr­det wer­den kön­nen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart1wies die gegen das Foto­gra­fier­ver­bo­te erho­be­ne Kla­ge des Zei­tungs­ver­lags ab, für den die Jour­na­lis­ten tätig sind. Auf die Beru­fung des Ver­lags stell­te dage­gen der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim fest, dass das Vor­ge­hen des Ein­satz­lei­ters rechts­wid­rig war2. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­brg hat dabei unter ande­rem ange­nom­men, die Gefahr einer unzu­läs­si­gen Ver­öf­fent­li­chung der ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en habe nicht bestan­den, weil man­gels gegen­tei­li­ger kon­kre­ter Anhalts­punk­te von einer Ver­mu­tung recht­streu­en Ver­hal­tens der Pres­se und damit davon aus­zu­ge­hen sei, dass sie kei­ne Por­trät­auf­nah­men der ein­ge­setz­ten Beam­ten und im Übri­gen nur Foto­gra­fi­en ver­öf­fent­li­chen wer­de, auf denen die Beam­ten ins­be­son­de­re durch Ver­pi­xelung ihrer Gesich­ter unkennt­lich gemacht sei­en. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des beklag­ten Lan­des Baden-Würt­tem­berg hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen:

Die Poli­zei durf­te nicht schon das Anfer­ti­gen der Foto­gra­fi­en unter­sa­gen. Der Ein­satz von Poli­zei­be­am­ten, nament­lich ein Ein­satz von Kräf­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos stellt im Sin­ne der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung des Kunst­ur­he­ber­ge­set­zes ein zeit­ge­schicht­li­ches Ereig­nis dar, von dem Bil­der auch ohne Ein­wil­li­gung der abge­lich­te­ten Per­so­nen ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen.

Ein berech­tig­tes Inter­es­se der ein­ge­setz­ten Beam­ten kann dem ent­ge­gen­ste­hen, wenn die Bil­der ohne den erfor­der­li­chen Schutz gegen eine Ent­tar­nung der Beam­ten ver­öf­fent­licht wer­den. Zur Abwen­dung die­ser Gefahr bedarf es aber regel­mä­ßig kei­nes Ver­bots der Anfer­ti­gung von Foto­gra­fi­en, wenn zwi­schen der Anfer­ti­gung der Foto­gra­fi­en und ihrer Ver­öf­fent­li­chung hin­rei­chend Zeit besteht, den Stand­punkt der Poli­zei auf ande­re, die Pres­se­frei­heit stär­ker wah­ren­de Wei­se durch­zu­set­zen. Eine sol­che Lage war hier nach den Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs gege­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. März 201 – 6 C 12.11

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 18.12.2008 – 1 K 5415/​07 []
  2. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 19.08.2010 – 1 S 2266/​09 []