Fre­quenz­ver­ga­be durch die Bun­des­netz­agen­tur

Die Rege­lungs­wir­kung von Anord­nun­gen der Bun­des­netz­agen­tur über die Durch­füh­rung eines der Zutei­lung von Fre­quen­zen vor­an­ge­hen­den Ver­ga­be­ver­fah­rens und die Fest­le­gung von Fre­quenz­nut­zungs­be­stim­mun­gen als Teil der Ver­ga­be­be­din­gun­gen ist auf sol­che Unter­neh­men beschränkt, die sich um die Zutei­lung der zu ver­ge­ben­den Fre­quen­zen bewer­ben. Sie erstreckt sich dage­gen nicht auf Dritt­be­trof­fe­ne, die ledig­lich Stö­run­gen durch die spä­te­re Nut­zung der zu ver­ge­ben­den Fre­quen­zen befürch­ten.

Fre­quenz­ver­ga­be durch die Bun­des­netz­agen­tur

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts war eine Fre­quenz­zu­tei­lung der Bun­des­netz­agen­tur im Bereich des Mobil­funks: Mit All­ge­mein­ver­fü­gung vom 12. Okto­ber 2009 ent­schied die Prä­si­den­ten­kam­mer der Bun­des­netz­agen­tur, die Ver­ga­be von Fre­quen­zen für den draht­lo­sen Netz­zu­gang zum Ange­bot von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­ten in den Berei­chen 790 bis 862 MHz sowie 1710 bis 1725 MHz und 1805 bis 1820 MHz mit dem bereits frü­her ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren zur Ver­ga­be von Fre­quen­zen in den Berei­chen 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz zu ver­bin­den. Im Hin­blick auf die ver­bun­de­nen Fre­quen­zen ord­ne­te die Bun­des­netz­agen­tur des Wei­te­ren ein Ver­ga­be­ver­fah­ren sowie des­sen Durch­füh­rung als Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren an und leg­te Regeln für die Durch­füh­rung des Ver­ga­be­ver­fah­rens sowie Ver­stei­ge­rungs­re­geln fest. Als Teil der Ver­ga­be­be­din­gun­gen wur­den für die Fre­quenz­nut­zun­gen im Bereich 790 bis 862 MHz vor­läu­fi­ge Fre­quenz­nut­zungs­be­stim­mun­gen fest­ge­legt, durch die die stö­rungs­freie Koexis­tenz der Net­ze unter­schied­li­cher Betrei­ber des draht­lo­sen Netz­zu­gangs zum Ange­bot von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­ten inner­halb die­ses Fre­quenz­be­reichs sowie die Koexis­tenz die­ser Net­ze mit den Funk­an­wen­dun­gen der dazu benach­bar­ten Fre­quenz­be­rei­che sicher­ge­stellt wer­den soll. Die Klä­ge­rin­nen, eine Rund­funk­an­stalt des öffent­li­chen Rechts sowie drei Unter­neh­men, die über ter­res­tri­sche Rund­funk­sen­der­net­ze bzw. über Breit­band­ka­bel­net­ze Rund­funk­diens­te ver­brei­ten, befürch­ten, dass die vor­ge­se­he­ne Nut­zung der Fre­quen­zen im Bereich 790 bis 862 MHz für den Mobil­funk – ins­be­son­de­re durch den Ein­satz der für die schnel­le Funk­an­bin­dung an das Inter­net vor­ge­se­he­nen LTE ("Long Term Evo­lu­ti­on") – Tech­no­lo­gie – zu Stö­run­gen der funk­ge­stütz­ten bzw. kabel­ge­stütz­ten digi­ta­len Rund­funk­über­tra­gung füh­ren wer­de. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die gegen die All­ge­mein­ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur erho­be­nen Kla­gen abge­wie­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen zurück­ge­wie­sen. Durch die Anord­nung über die Durch­füh­rung eines der Zutei­lung von Fre­quen­zen vor­an­ge­hen­den Ver­ga­be­ver­fah­rens und die Fest­le­gung von Fre­quenz­nut­zungs­be­stim­mun­gen als Teil der Ver­ga­be­be­din­gun­gen wer­den die Klä­ge­rin­nen eben­so wenig in ihren Rech­ten ver­letzt wie durch die übri­gen in der ange­foch­te­nen All­ge­mein­ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur ent­hal­te­nen Rege­lun­gen. Der Rege­lungs­ge­halt einer tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Ver­ga­be­an­ord­nung beschränkt sich auf die Ein­lei­tung eines Fre­quenz­be­wirt­schaf­tungs­ver­fah­rens zur Bewäl­ti­gung einer Knapp­heits­si­tua­ti­on und berührt des­halb von vorn­her­ein nur Rechts­po­si­tio­nen von Unter­neh­men, die sich um die Zutei­lung der zu ver­ge­ben­den Fre­quen­zen bewer­ben. Recht­li­che Aus­wir­kun­gen auf Dritt­be­trof­fe­ne hat erst die sich an das Ver­ga­be­ver­fah­ren anschlie­ßen­de Zutei­lungs­ent­schei­dung. Dies gilt auch in Bezug auf sol­che Fre­quen­zen, die zum Zeit­punkt der Ver­ga­be­an­ord­nung noch ande­ren Nut­zern zuge­teilt sind. Die Fest­le­gung von Fre­quenz­nut­zungs­be­stim­mun­gen als Teil der Ver­ga­be­be­din­gun­gen hat eben­falls kei­ne über den Kreis der Teil­neh­mer am Ver­ga­be­ver­fah­ren hin­aus­rei­chen­de Rege­lungs­wir­kung. Ins­be­son­de­re ent­hält sie kei­ne abschlie­ßen­de, für die spä­te­re Fre­quenz­zu­tei­lung ver­bind­li­che Rege­lung der­je­ni­gen Vor­aus­set­zun­gen, unter denen Dritt­be­trof­fe­ne wie die Klä­ge­rin­nen recht­lich zur Dul­dung durch die Nut­zung der zu ver­ge­ben­den Fre­quen­zen mög­li­cher­wei­se ver­ur­sach­ter Stö­run­gen des Rund­funk­emp­fangs bzw. des Betriebs ihrer Breit­band­ka­bel­net­ze und ange­schlos­se­nen Emp­fangs­ge­rä­te ver­pflich­tet sind. Die Bestands­kraft der Ver­ga­be­re­ge­lun­gen kann einer gegen die Fre­quenz­zu­tei­lung gerich­te­ten Dritt­an­fech­tungs­kla­ge weder unter dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes der erfolg­rei­chen Bie­ter noch etwa des­halb ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, weil der­ar­ti­ge Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur nur auf­grund einer pla­ne­ri­schen Abwä­gung der Indi­vi­du­al­be­lan­ge Dritt­be­trof­fe­ner zu tref­fen wären.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 10. Okto­ber 2012 – 6 C 13.11, 6 C 36.11, 6 C 2.12 und 6 C 3.12

  1. EuGH, Urteil vom 21.12.2011 – C‑411/​10 und 493/​10[]