Frist­fax: spä­tes­tens vor 23:40 Uhr

In Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat regel­mä­ßig die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt erfüllt, wer einen über die zu erwar­ten­de Über­mitt­lungs­dau­er der zu faxen­den Schrift­sät­ze samt Anla­gen hin­aus­ge­hen­den Sicher­heits­zu­schlag in der Grö­ßen­ord­nung von 20 Minu­ten ein­kal­ku­liert sowie inner­halb der ein­zu­kal­ku­lie­ren­den Zeit­span­ne wie­der­holt die Über­mitt­lung ver­sucht 1.

Frist­fax: spä­tes­tens vor 23:40 Uhr

Mit die­ser Begrün­dung lehn­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall eine Wie­der­ein­set­zung ab, da Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine unver­schul­de­te Frist­ver­säum­nis nicht dar­ge­tan sei: Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beschwer­de­füh­re­rin hat vor­ge­tra­gen, mit der Über­mitt­lung der Beschwer­de­schrift mit­tels Fax­ver­sand um 23.47 Uhr erst­mals begon­nen zu haben. Nach­dem er einen zöger­li­chen Fax­ver­sand habe fest­stel­len kön­nen, habe er den Fax­ver­sand der Beschwer­de­schrift von einem räum­lich benach­bar­ten Fax­ge­rät um 23.50 Uhr erneut ver­an­lasst. Den Sen­de­pro­to­kol­len lässt sich hin­ge­gen als Beginn der Über­tra­gung 23.51 Uhr bezie­hungs­wei­se 23.57 Uhr ent­neh­men. Auf die­se zeit­li­che Dis­kre­panz kommt es jedoch nicht an, denn auch nach dem Vor­trag des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin wur­de der Sicher­heits­zu­schlag von 20 Minu­ten vor­lie­gend nicht ein­ge­hal­ten.

Danach ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen Ver­säu­mung der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG unzu­läs­sig.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Juni 2016 – 1 BvR 1806/​14

  1. BVerfGE 135, 126, 140 f. m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 08.07.2011 – III B 7/​10, BFH/​NV 2011, 1895[]