Füh­rer­schein mit fal­schen Per­so­na­li­en

Für die Umschrei­bung eines Füh­rer­scheins ist die Recht­mä­ßig­keit nicht Vor­aus­set­zung.

Füh­rer­schein mit fal­schen Per­so­na­li­en

So ist ein auf­grund der Anga­be fal­scher Per­so­na­li­en aus­ge­stell­ter Füh­rer­schein nicht nich­tig 1.

Rechts­wir­d­rig und nicht nich­tig ist eine Fahr­erlaub­nis, die des­halb erteilt wur­de, weil auf­grund der Anga­be fal­scher Per­so­na­li­en zu Unrecht die Geeig­net­heit zum Füh­ren von Kraft­fahr­zeu­gen bejaht wur­de 2.

Im hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he ent­schie­de­nen Fall lie­gen alle Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung der Fahr­erlaub­nis vor, die Fahr­erlaub­nis­be­hör­de hat den Füh­rer­schein aus­fer­ti­gen zu las­sen und aus­zu­hän­di­gen (§ 22 Abs. 3 FeV). Bei Ände­run­gen der Anga­ben auf dem Füh­rer­schein ist ein neu­er Füh­rer­schein aus­zu­fer­ti­gen (§ 25 Abs. 2 Satz 1 FeV). Im Fall des Klä­gers lie­gen alle Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung der Fahr­erlaub­nis vor und haben sich durch die Mit­tei­lung des Namens xxx sowie des dazu­ge­hö­ri­gen Geburts­tags und ‑orts die Anga­ben auf dem Füh­rer­schein geän­dert.

Kei­ne Vor­aus­set­zung für die Umschrei­bung ist, dass der zur Umschrei­bung ein­ge­reich­te Füh­rer­schein zu Recht aus­ge­stellt wur­de. Die­se Vor­aus­set­zung wird weder durch die Fahr­erlaub­nis­ver­ord­nung noch durch sonst ein Gesetz auf­ge­stellt. Erfor­der­lich ist nur, dass der Füh­rer­schein echt und nicht gem. § 44 LVwVfG nich­tig ist, da nur ein ech­ter und nicht nich­ti­ger Füh­rer­schein ein Füh­rer­schein im Sin­ne der genann­ten Vor­schrif­ten ist 3.

Es bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass der dem Klä­ger auf den Namen xxx aus­ge­stell­te Füh­rer­schein nicht echt ist.

Der auf den Namen xxx aus­ge­stell­te Füh­rer­schein ist auch nicht nich­tig. Ins­be­son­de­re liegt kein beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler vor und ist dies bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de offen­sicht­lich (vgl. § 44 Abs. 1 LVwVfG). Ein Feh­ler ist beson­ders schwer­wie­gend, wenn er wegen sei­nes Gewichts und sei­ner Bedeu­tung mit der Rechts­ord­nung unter kei­nen Umstän­den ver­ein­bar ist 4. Dies ist offen­sicht­lich, wenn die schwe­re Feh­ler­haf­tig­keit sich für einen unvor­ein­ge­nom­me­nen ver­stän­di­gen Beob­ach­ter gera­de­zu auf­drängt 5. Des­halb sind Ver­wal­tungs­ak­te nich­tig, deren Bezugs­sub­jekt bzw. ‑objekt nicht oder nicht mehr exis­tiert 6.

Nicht nich­tig ist hin­ge­gen ein Ver­wal­tungs­akt, der wie im vor­lie­gen­den Fall vom Adres­sa­ten ange­ge­be­ne fal­sche Per­so­na­li­en ver­wen­det. In die­sem Fall ergeht der Ver­wal­tungs­akt nicht gegen­über einer nicht vor­han­de­nen oder ande­ren Per­son, son­dern wird der Adres­sat nur falsch ange­spro­chen 7. Dies gilt erst recht, wenn der Ver­wal­tungs­akt wie der Füh­rer­schein des Klä­gers mit einem Pass­fo­to ver­bun­den und ihm des­halb ein­deu­tig zuzu­ord­nen ist 8. Inso­weit ist eine ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung und Zuord­nung zur Per­son des Klä­gers mög­lich 9.

Das Gericht teilt nicht die Rechts­an­sicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg 10 und des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter 11, die in ver­gleich­ba­ren Fäl­len eine Nich­tig­keit des Füh­rer­scheins ange­nom­men haben. Zwar wird der Fahr­erlaub­nis­in­ha­ber unter dem im Füh­rer­schein ange­ge­be­nen Namen nicht nur bei der Fahr­erlaub­nis­be­hör­de, son­dern auch bei ande­ren Stel­len wie etwa dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt geführt und ist ohne Kennt­nis des rich­ti­gen Namens eine Abfra­ge bei die­sen Stel­len und damit auch die – schon vor Ertei­lung der Fahr­erlaub­nis durch­zu­füh­ren­de – Geeig­net­heits­prü­fung nicht mög­lich 12. Dies recht­fer­tigt jedoch nicht den Schluss, dass auf­grund der Iden­ti­fi­zie­rungs­funk­ti­on des Namens die unter fal­schem Namen erlang­te Fahr­erlaub­nis ins Lee­re gehe und nicht ohne siche­re Iden­ti­fi­zie­rung einer bestimm­ten Per­son zuge­ord­net wer­den kön­ne 13. Viel­mehr kön­nen die Fahr­erlaub­nis und der Füh­rer­schein aus den im vori­gen Absatz genann­ten Grün­den zwei­fels­frei einer bestimm­ten – wenn auch falsch ange­spro­che­nen – Per­son zuge­ord­net wer­den.

Dem öffent­li­chen Inter­es­se, eine Fahr­erlaub­nis nur bei posi­ti­ver Geeig­net­heits­prü­fung zu ertei­len, wird aus­rei­chend dadurch Rech­nung getra­gen, dass bei auf­grund fal­scher Anga­ben zu Unrecht bejah­ter Geeig­net­heit die erteil­te Fahr­erlaub­nis rechts­wid­rig ist und des­halb zurück­ge­nom­men wer­den kann 14.

Anhalts­punk­te für eine Nich­tig­keit des Füh­rer­scheins erge­ben sich auch nicht aus dem Umstand, dass der Klä­ger Fahr­erlaub­nis und Füh­rer­schein unter Vor­la­ge einer Dul­dung erlangt hat. Es kann die Fra­ge dahin­ste­hen, ob dies gegen § 21 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 FeV i. V. m. § 2 Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 StVG, § 21 Abs. 3 Satz 1 FeV ver­stieß 15. Soll­te gegen die genann­ten Vor­schrif­ten ver­sto­ßen wor­den sein, wäre dies kein beson­ders schwer­wie­gen­der Feh­ler, der allen­falls die Rechts­wid­rig­keit des Ver­wal­tungs­akts, nicht aber des­sen Nich­tig­keit zur Fol­ge hät­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 9. August 2011 – 8 K 1402/​11

  1. ent­ge­gen VG Arns­berg, Beschl. v. 25.10.2005 – 6 L 833/​05, bestä­tigt durch OVG Nord­rhein-West­fa­len, Beschl. v. 13.12.2005 – 16 B 1940/​05; VG Müns­ter, Beschl. v. 29.08.2006 – 10 L 487/​06[]
  2. ent­ge­gen VG Gel­sen­kir­chen, Beschl. v. 23.08.2007 – 7 L 656/​07; Besch. v. 27.08.2007 – 7 L 777/​07[]
  3. vgl. VGH Bay­ern, Beschl. v. 05.12.2007 – 8 ZB 07.1642,zum Par­al­lel­fall einer Umschrei­bung eines Sport­boot­füh­rer­scheins der ehe­ma­li­gen DDR in einen sol­chen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land[]
  4. vgl. Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 11. Aufl. 2010, § 44, Rn. 8 m. w. N.[]
  5. vgl. Kopp/​Ramsauer, a. a. O., Rn. 12 m. w. N.[]
  6. vgl. Kopp/​Ramsauer, a. a. O., Rn. 27 m. w. N.[]
  7. vgl. BVerwG, Urt. v. 08.03.1977 – I C 15/​73, NJW 1977, 1603, für eine Ein­bür­ge­rung auf­grund fal­scher Per­so­na­li­en[]
  8. vgl. VGH Bad.-Württ., Urt. v. 12.05.2004 – 13 S 422/​04, NVwZ-RR 2005, 137, für eine unter Anga­be fal­scher Per­so­na­li­en erwirk­te und des­halb auf einen fal­schen Namen lau­ten­de Auf­ent­halts­er­laub­nis mit Pass­fo­to[]
  9. so für mit dem Fall des Klä­gers ver­gleich­ba­re Fäl­le auch VG Gel­sen­kir­chen, Beschl. v. 23.08.2007 – 7 L 656/​07; Beschl. v. 27.08.2007 – 7 L 777/​07[]
  10. Beschl. v. 25.10.2005 – 6 L 822/​05; bestä­tigt durch OVG Nord­rhein-West­fa­len, Beschl. v. 13.12.2005 – 16 B 1940/​05[]
  11. Beschl. v. 29.08.2006 – 10 L 487/​06[]
  12. so die Begrün­dung des VG Arns­berg und des VG Müns­ter, a. a. O.[]
  13. so aber die Begrün­dung des OVG Nord­rhein-West­fa­len, a. a. O.[]
  14. vgl. auch Kopp/​Ramsauer, a. a. O., Rn. 19 m. w. N., wonach ein Ver­wal­tungs­akt, der von einem Wil­lens­man­gel betrof­fen ist, der bei pri­vat­recht­li­chen Wil­lens­er­klä­run­gen ein Anfech­tungs­recht etwa wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung begrün­den wür­de, nicht nich­tig ist; a. A. VG Gel­sen­kir­chen, Beschl. v. 23.08.2007 – 7 L 656/​07; Beschl. v. 27.08.2007 – 7 L 777/​07 []
  15. vgl. Dau­er, in: Hentschel/​König/​Dauer, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 41. Aufl. 2011, § 21, Rn. 12 m. w. N., wonach eine Dul­dung grund­sätz­lich ein aus­rei­chen­des Iden­ti­täts­pa­pier dar­stellt, es sei denn, die dar­in ent­hal­te­nen Anga­ben beru­hen auf den eige­nen Anga­ben des Betrof­fe­nen[]