Ganz­kör­per-Plas­ti­na­te – und das Bestat­tungs­ge­setz

Für die Aus­stel­lung plas­ti­nier­ter mensch­li­cher Kör­per bedarf es in Ber­lin kei­ner vor­he­ri­gen Geneh­mi­gung nach dem Bestat­tungs­ge­setz.

Ganz­kör­per-Plas­ti­na­te – und das Bestat­tungs­ge­setz

In dem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall beab­sich­tig­te die Klä­ge­rin, im Janu­ar 2015 unter dem Namen "KÖRPERWELTEN Muse­um Ber­lin" eine Dau­er­aus­stel­lung von plas­ti­nier­ten mensch­li­chen Kör­pern und Kör­per­tei­len im Gebäu­de des Fern­seh­turms am Ber­li­ner Alex­an­der­platz zu eröff­nen. Bis­her wur­den die Plas­ti­na­te als Wan­der­aus­stel­lung in Deutsch­land in ins­ge­samt 19 Städ­ten, dar­un­ter bereits drei­mal in Ber­lin – 2001, 2009 und 2011 im Post­bahn­hof im Bezirk Fried­richs­hain-Kreuz­berg – gezeigt, ohne dass das zustän­di­ge Bezirks­amt bestat­tungs­recht­li­che Beden­ken gel­tend gemacht hat­te.

Das für den nun­meh­ri­gen Aus­stel­lungs­ort zustän­di­ge Bezirks­amt Mit­te von Ber­lin teil­te der Klä­ge­rin mit, die öffent­li­che Aus­stel­lung von Lei­chen sei nach § 14 des Ber­li­ner Bestat­tungs­ge­set­zes grund­sätz­lich ver­bo­ten, und lehn­te die Ertei­lung einer von der Klä­ge­rin hilfs­wei­se bean­trag­ten Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung ab.

Die Klä­ge­rin mach­te mit ihrer Kla­ge gel­tend, bei Plas­ti­na­ten han­de­le es sich nicht um Lei­chen im Sin­ne des Bestat­tungs­ge­set­zes. Die Rege­lung zum Aus­stel­lungs­ver­bot sei nicht auf soge­nann­te Ana­to­mi­e­lei­chen anwend­bar und im Übri­gen nicht mit der Wis­sen­schafts­frei­heit ver­ein­bar. Sie habe jeden­falls einen Anspruch auf eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung, u.a. weil auch das Medi­zin­his­to­ri­sche Muse­um der Cha­rité Lei­chen öffent­lich aus­stel­len dür­fe.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin gab der Kla­ge statt: Für die Aus­stel­lung sei kei­ne vor­he­ri­ge Geneh­mi­gung nach dem Bestat­tungs­ge­setz erfor­der­lich. Auch wenn die Plas­ti­na­te nach dem Wort­laut des Geset­zes immer noch Lei­chen sei­en, habe der Gesetz­ge­ber des Ber­li­ner Bestat­tungs­ge­set­zes sol­che plas­ti­nier­ten Lei­chen nicht mit erfas­sen wol­len. Das Gesetz zie­le auf die schnel­le Bestat­tung Ver­stor­be­ner ab. Weil Plas­ti­na­te aber einer Bestat­tung weder zugäng­lich noch hier­für vor­ge­se­hen sei­en, erstre­cke sich das Gesetz hier­auf nicht. Plas­ti­na­te wür­den nicht ver­we­sen und könn­ten damit nicht auf einem Fried­hof bestat­tet wer­den. Eine Feu­er­be­stat­tung schei­de aus, weil sie in den der­zeit bestehen­den Kre­ma­to­ri­en nicht ein­ge­äschert wer­den könn­ten. Die Aus­stel­lung von Plas­ti­na­ten ent­spre­che den seit jeher exis­tie­ren­den öffent­li­chen Samm­lun­gen ana­to­mi­scher Prä­pa­ra­te, deren Bestat­tung der Gesetz­ge­ber eben­falls nicht mit­er­fas­sen woll­te.

Die Aus­stel­lung unter­lie­ge daher nur dem all­ge­mei­nen Ord­nungs­recht, so dass die Behör­de etwa bei einem Ver­stoß gegen die öffent­li­che Ord­nung ein­schrei­ten kön­ne; einen sol­chen Ver­stoß hät­ten ande­re Gerich­te nur bei ein­zel­nen Aus­stel­lungs­stü­cken wie dem Objekt "Schwe­ben­der Akt" ange­nom­men.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 16. Dezem­ber 2014 – VG 21 K 346.2014