Gast­stät­ten­be­wer­tun­gen im Inter­net

Für eine Bewer­tung von Gast­stät­ten durch eine im Inter­net geführ­te Lis­te der kon­trol­lier­ten Gast­stät­ten und Schank­wirt­schaf­ten unter Erwäh­nung einer Minus­punkt­zahl fehlt die erfor­der­li­che gesetz­li­che Grund­la­ge. Eine betrof­fe­ne Gast­stät­te muss die mit einer schlech­ten Beur­tei­lung ver­bun­de­ne Prang­erwir­kung nicht hin­neh­men.

Gast­stät­ten­be­wer­tun­gen im Inter­net

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Café-Betrei­bers, der sich gegen die Ein­tra­gung im Inter­net gewehrt hat. Der Bezirk Tem­pel­hof-Schö­ne­berg ver­öf­fent­licht die Bewer­tung von Gast­stät­ten in der von der Senats­ver­wal­tung für Jus­tiz und Ver­brau­cher­schutz im Inter­net durch eine „Lis­te der kon­trol­lier­ten Gast­stät­ten und Schank­wirt­schaf­ten“. Der Klä­ger betreibt in ver­schie­de­nen Bezir­ken vier gleich­na­mi­ge Cafés. Auf­grund einer Kon­trol­le im Som­mer 2011 wur­de sein Betrieb in Tem­pel­hof-Schö­ne­berg im Inter­net mit der „aktu­el­len Bewer­tung: zufrie­den­stel­lend“ unter Erwäh­nung einer Minus­punkt­zahl erfasst. Mit sei­ner Kla­ge ver­langt der Klä­ger die Ent­fer­nung die­ser Ein­tra­gung. Er macht gel­tend, dass die behaup­te­ten Män­gel und die Bewer­tung nicht nach­voll­zieh­bar sei­en.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin müs­se der Klä­ger die mit einer schlech­ten Beur­tei­lung ver­bun­de­ne Prang­erwir­kung nicht hin­neh­men. Für eine Bewer­tung von Gast­stät­ten in die­ser Form feh­le die erfor­der­li­che gesetz­li­che Grund­la­ge. Es spre­che bereits viel dafür, dass die Neu­fas­sung des Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­ge­set­zes im Lebens­mit­tel­be­reich nur War­nun­gen vor kon­kre­ten Erzeug­nis­sen erlau­be. Jeden­falls dürf­ten aber nur Infor­ma­tio­nen über fest­ge­stell­te Ver­stö­ße ver­öf­fent­licht wer­de, nicht blo­ße „Zen­su­ren“. Die prak­ti­zier­te Mit­tei­lung von Noten und Minus­punk­ten sei nicht aus­sa­ge­kräf­tig und die­ne daher nicht der Infor­ma­ti­on des Ver­brau­chers. Für den Betrach­ter der Inter­net­lis­te blei­be im Unkla­ren, wel­che Tat­sa­chen sich hin­ter der Bewer­tung ver­ber­gen und ob es wirk­lich um Hygie­ne­män­gel geht oder – wie im vor­lie­gen­den Fall – im Wesent­li­chen um Fra­gen der Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 28. Novem­ber 2012 – 14 K 79.11