Gebüh­ren­re­ge­lung für Son­der­trans­por­te

Die nie­der­säch­si­che Gebüh­ren­ord­nung für Erlaub­nis­se und Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen für über­mä­ßi­ge Stra­ßen­nut­zun­gen ist nicht zuläs­sig, da die Vor­aus­set­zun­gen der in Anspruch genom­me­nen Befug­nis zur Abwei­chung von Bun­des­recht nach Art. 84 Abs. 1 Satz 2 GG nicht gege­ben sind.

Gebüh­ren­re­ge­lung für Son­der­trans­por­te

So das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in den hier vor­lie­gen­den drei Nor­men­kon­troll­an­trä­gen von meh­re­ren Spe­di­ti­ons­fir­men aus Nie­der­sach­sen, die Schwer­last- und Groß­raum­trans­por­te durch­füh­ren, und sich durch die erhöh­ten Gebüh­ren belas­tet sehen. Die Benut­zung öffent­li­cher Stra­ßen mit beson­ders gro­ßen oder schwe­ren Fahr­zeu­gen oder Ladun­gen ist nach der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung erlaub­nis­pflich­tig; für die Ertei­lung der Erlaub­nis­se sind von den zustän­di­gen Stra­ßen­ver­kehrs­äm­tern Gebüh­ren auf der Grund­la­ge einer vom Bun­des­ge­setz­ge­ber erlas­se­nen Gebüh­ren­ord­nung für Maß­nah­men im Stra­ßen­ver­kehr (GebOSt) zu erhe­ben. Die Minis­te­ri­en für Wirt­schaft und Finan­zen haben auf­grund einer mit dem Haus­halts­ge­setz 2012 vor­ge­nom­me­nen Ergän­zung der Ver­wal­tungs­kos­ten­ge­set­zes am 14. Febru­ar 2012 eine eigen­stän­di­ge nie­der­säch­si­sche Gebüh­ren­ord­nung erlas­sen, die am 1. April 2012 in Kraft getre­ten ist. Sie soll bei Erlaub­nis­sen und Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen für Schwer­last- und Groß­raum­trans­por­te anstel­le der bun­des­recht­li­chen Gebüh­ren­zif­fern Anwen­dung fin­den und sieht einen Gebüh­ren­rah­men von 10 bis 850 EUR – statt 10,20 EUR bis 787 EUR der GebOSt des Bun­des – vor, wobei sich die ein­zel­ne Gebühr bei Mit­wir­kung der Nie­der­säch­si­sche Lan­des­be­hör­de für Stra­ßen­bau und Ver­kehr um 30 EUR erhöht, die an das Land abzu­füh­ren sind. Dage­gen haben sich die Spe­di­ti­ons­fir­men mit ihren Kla­gen gewandt.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist die­ses Vor­ge­hen des Ver­ord­nungs­ge­bers unzu­läs­sig. Die Vor­aus­set­zun­gen der in Anspruch genom­me­nen Befug­nis zur Abwei­chung von Bun­des­recht nach Art. 84 Abs. 1 Satz 2 GG sind nicht gege­ben. Sie bezie­hen sich auf das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und den Behör­den­auf­bau. Rege­lun­gen der Gebüh­ren­fest­set­zung sind indes nach der neue­ren bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung der Sach­kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers zuzu­ord­nen, hier für das Stra­ßen­ver­kehrs­recht der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 22 GG. Sie sind daher abwei­chungs­fest. Der Ver­ord­nungs­ge­ber wird hier­durch gehin­dert, für Nie­der­sach­sen ein Son­der­recht bei der Gebüh­ren­er­he­bung im Bereich des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts zu schaf­fen. Die neu in das Nie­der­säch­si­sche Ver­wal­tungs­kos­ten­ge­setz auf­ge­nom­me­ne Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für Abwei­chun­gen des Ver­ord­nungs­ge­bers von bun­des­recht­li­chen Gebüh­ren­re­ge­lun­gen bie­tet für die ange­grif­fe­ne Gebüh­ren­ver­ord­nung des Wirt­schafts- und des Finanz­mi­nis­te­ri­ums kei­ne Grund­la­ge. Sie ist ver­fas­sungs­kon­form ein­schrän­kend aus­zu­le­gen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 15. Novem­ber 2012 – 7 KN 101/​12 u. a.