Geld für die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der Par­tei­en

Für Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­plan des Bun­des 2006 an die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der poli­ti­schen Par­tei­en gibt es kei­ne wirk­sa­me gesetz­li­che Grund­la­ge. Die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­ons der Par­tei "Die Lin­ken" hat somit kei­nen Anspruch auf die­se Zuwen­dung – die den Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der ande­ren poli­ti­schen Par­tei­en gewähr­ten Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­plan des Bun­des 2006 sind rechts­wid­rig.

Geld für die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der Par­tei­en

Mit die­ser Begrün­dung gab jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg dem das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend Recht, das die Gewäh­rung von Zuwen­dun­gen aus Mit­teln des Kin­der- und Jugend­plans des Bun­des für 2006 der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei "Die Lin­ken" ver­wei­gert hat­te. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um hat­te den Antrag abge­lehnt, weil die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on nach sei­nen Erkennt­nis­sen nicht die Gewähr für eine den Zie­len des Grund­ge­set­zes för­der­li­che Arbeit bie­te. Die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der CDU/​CSU und der SPD hat­ten 2006 jeweils rund 300.000 Euro und die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der FDP und von Bünd­nis 90/​Die Grü­nen jeweils rund 100.000 Euro erhal­ten.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hielt die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um hin­sicht­lich der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei „Die Lin­ke“ geäu­ßer­ten Zwei­fel an der Gewähr­leis­tung einer den Zie­len des Grund­ge­set­zes för­der­li­chen Arbeit für nicht berech­tigt und ver­pflich­te­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um, den Antrag der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei „Die Lin­ke“ auf Gewäh­rung von Zuwen­dun­gen aus Mit­teln des Kin­der- und Jugend­plans des Bun­des für 2006 erneut zu beschei­den. Hier­ge­gen hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung konn­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg offen las­sen, ob der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um ange­leg­te Maß­stab bei der Ver­ga­be von Zuwen­dun­gen an die Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der poli­ti­schen Par­tei­en recht­mä­ßig ist und die hin­sicht­lich der Ver­fas­sungs­treue der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei „Die Lin­ke“ geäu­ßer­ten Zwei­fel trag­fä­hig sind. Jeden­falls bedür­fen Zuwen­dun­gen an Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen poli­ti­scher Par­tei­en in dem hier in Rede ste­hen­den Umfang einer spe­zi­el­len gesetz­li­chen Grund­la­ge. Das Haus­halts­ge­setz des Bun­des von 2006, in dem Mit­tel für den Kin­der- und Jugend­plan des Bun­des aus­ge­wie­sen sind, reicht hier­für nicht aus.

Zwar wird für die Zah­lung von staat­li­chen Zuwen­dun­gen als Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge grund­sätz­lich ein nur durch Par­la­ments­be­schluss legi­ti­mier­tes Haus­halts­ge­setz als aus­rei­chend ange­se­hen. Dies gilt jedoch nicht, wenn durch staat­li­che Zuwen­dun­gen an par­tei­na­he Orga­ni­sa­tio­nen in grund­rechts­re­le­van­te Berei­che ein­ge­grif­fen wird, ins­be­son­de­re die Frei­heits- und Gleich­heits­sphä­re der Bür­ger, wesent­li­che Grund­la­gen des Gemein­we­sens sowie das Neu­tra­li­täts­ge­bot des Staa­tes betrof­fen sind. Der gel­tend gemach­te Anspruch der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei „Die Lin­ke“ auf Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­plan des Bun­des 2006 schei­tert damit an einer ent­spre­chen­den wirk­sa­men gesetz­li­chen Grund­la­ge; dem­ge­mäß waren auch die den Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der ande­ren poli­ti­schen Par­tei­en gewähr­ten Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­plan des Bun­des 2006 rechts­wid­rig.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg , Urteil vom 14. März 2012 – 6 B 19.11