Gemein­sa­mer Ein­schu­lungs­be­reich in Ber­lin-Mit­te

Die Fest­le­gung gemein­sa­mer Ein­schu­lungs­be­rei­che für meh­re­re Grund­schu­len in Ber­lin-Mit­te ver­stößt gegen den Grund­satz alters­an­ge­mes­se­ner Schul­we­ge. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin den Bezirk im Rah­men von Eil­ver­fah­ren ver­pflich­tet, Antrag­stel­ler an den von ihnen gewünsch­ten Grund­schu­len auf­zu­neh­men.

Gemein­sa­mer Ein­schu­lungs­be­reich in Ber­lin-Mit­te

Das Bezirks­amt Mit­te von Ber­lin hat­te im Sep­tem­ber 2010 acht Grund­schu­len in einem Radi­us von 5 km zu einem gemein­sa­men Ein­schu­lungs­be­reich zusam­men­ge­fasst. Davon betrof­fen sind die Grund­schu­le am Arkona­platz, die Papa­ge­no-Grund­schu­le, die Kas­ta­ni­en­baum-Grund­schu­le, die Hein­rich-Sei­del-Grund­schu­le, die Gus­tav-Fal­ke-Grund­schu­le, die Vine­ta-Grund­schu­le, die Grund­schu­le am Kop­pen­platz und die Guts­Muths-Grund­schu­le. Die­se Neu­ord­nung stütz­te sich auf das Ber­li­ner Schul­ge­setz, das die Fest­le­gung gemein­sa­mer Ein­schu­lungs­be­rei­che aus­drück­lich zulässt. Die Bil­dung eines gemein­sa­men Ein­schu­lungs­be­reichs hat zur Fol­ge, dass jede Schu­le die­ses Ein­schu­lungs­be­reichs für alle Kin­der, die in die­sem Bereich woh­nen, die zustän­di­ge Grund­schu­le ist. Die Kin­der haben daher kei­nen Anspruch auf den Besuch der ihrer Woh­nung am nächs­ten lie­gen­den Schu­le.

Einer Rei­he von Antrag­stel­lern war die Auf­nah­me in die jewei­li­ge Wunsch­schu­le aus Kapa­zi­täts­grün­den ver­sagt wor­den, wobei ihnen Kin­der mit teil­wei­se deut­lich wei­te­ren Schul­we­gen vor­ge­zo­gen wor­den waren. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin bean­stan­de­te die­se Pra­xis, weil der Zuschnitt des beschlos­se­nen gemein­sa­men Ein­schu­lungs­be­reichs den Grund­satz alters­an­ge­mes­se­ner Schul­we­ge nicht beach­te. Richt­schnur für einen alters­an­ge­mes­se­nen Schul­weg, den Schul­an­fän­ger bewäl­ti­gen könn­ten, sei eine Län­ge von etwa 1 km, wobei zusätz­lich die loka­len Gege­ben­hei­ten, ins­be­son­de­re die Gefah­ren­träch­tig­keit des Schul­we­ges durch den Stra­ßen­ver­kehr, zu berück­sich­ti­gen sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschlüs­se vom 27. Juli 2011 – VG 9 L 188.11, VG 9 L 189.11, VG 9 L 192.11 VG, 9 L 210.11 und VG 9 L 215.11.