Gerichts­sach­ver­stän­di­ger vs. Pri­vat­gut­ach­ter

Das Ver­hält­nis zwi­schen dem vom Gericht bestell­ten Sach­ver­stän­di­gen und dem Gut­ach­ter eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten (hier: zur Fra­ge der Dienst­fä­hig­keit des kla­gen­den Beam­ten) bestimmt sich nach den Grund­sät­zen, die für das Ver­hält­nis von Amts­arzt und behan­deln­dem Arzt gel­ten.

Gerichts­sach­ver­stän­di­ger vs. Pri­vat­gut­ach­ter

Eben­so wie dem Amts­arzt und einem von ihm hin­zu­ge­zo­ge­nen Fach­arzt kommt dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen grund­sätz­lich Vor­rang zu.

Dies hat sei­nen Grund in ihrer recht­li­chen Stel­lung. Im Gegen­satz zu einem Pri­vat­arzt, der womög­lich bestrebt ist, das Ver­trau­en des Pati­en­ten zu erhal­ten, neh­men sowohl Amts­arzt als auch gericht­li­cher Sach­ver­stän­di­ger die Beur­tei­lung nach ihrer Auf­ga­ben­stel­lung unbe­fan­gen und unab­hän­gig vor.

Sie ste­hen Beam­ten und Dienst­herrn glei­cher­ma­ßen fern. Daher darf sich das Gericht auf ihre medi­zi­ni­schen Beur­tei­lun­gen stüt­zen, wenn die oben dar­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.

Erhebt der Pri­vat­arzt dage­gen sub­stan­zi­ier­te Ein­wen­dun­gen, hängt die Ver­wert­bar­keit davon ab, ob der gericht­li­che Sach­ver­stän­di­ge bzw. der Amts­arzt mit fach­ärzt­li­cher Unter­stüt­zung schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar dar­le­gen kön­nen, aus wel­chen Grün­den sie den Ein­wen­dun­gen nicht fol­gen 1.

Sol­che sub­stan­zi­el­len Ein­wen­dun­gen sind hier nicht dar­ge­legt. Die vom Klä­ger in Bezug genom­me­nen Stel­lung­nah­men und Attes­te der ihn behan­deln­den Ärz­te las­sen weit­ge­hend schon eine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem gericht­lich ver­an­lass­ten Gut­ach­ten ver­mis­sen. Ins­be­son­de­re man­gelt es die­sen weit­ge­hend an einer argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten. Der Klä­ger setzt viel­mehr die von den ihn behan­deln­den Ärz­ten gestell­ten Dia­gno­sen anstel­le der­je­ni­gen des gericht­lich bestell­ten Sach­ver­stän­di­gen und räumt ihnen – ein­sei­tig – den Vor­rang ein, ohne die Fest­stel­lung des gericht­li­chen Gut­ach­tens hin­rei­chend in Zwei­fel zu zie­hen.

Selbst wenn von einem Ver­fah­rens­feh­ler aus­zu­ge­hen wäre, weil eine per­sön­li­che Unter­su­chung des Klä­gers nicht statt­fin­den konn­te, so ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­ser sich nicht auf die Ent­schei­dung aus­ge­wirkt hat. Denn durch die mehr­fa­che, nicht nach­voll­zieh­bar begrün­de­te Wei­ge­rung des Klä­gers, sich für eine per­sön­li­che Unter­su­chung durch den gericht­lich bestell­ten Sach­ver­stän­di­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, hät­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zum Nach­teil des Klä­gers des­sen Dienst­un­fä­hig­keit nach dem Rechts­ge­dan­ken der §§ 444 und 446 ZPO eben­falls anneh­men kön­nen 2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. April 2016 – 2 B 23.15

  1. BVerwG, Beschluss vom 31.10.2012 – 2 B 33.12, NVwZ-RR 2013, 115 Rn. 35[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.01.2012 – 2 C 7.11, Buch­holz 237.95 § 208 SHLBG Nr. 1 Rn. 14; Beschluss vom 21.02.2014 – 2 B 24.12, Buch­holz 237.8 § 56 RhPLBG Nr. 3 Rn. 11[]