Gestal­tungs­sat­zung für das Fach­werk-Dorf

Es ist ein legi­ti­mer Zweck für eine Gestal­tungs­sat­zung, ein über­kom­me­nes Orts­bild und die his­to­ri­sche Bau­sub­stanz gegen struk­tur­frem­de Ver­än­de­run­gen zu schüt­zen und zu erhal­ten. Durch ent­spre­chen­de Rege­lun­gen in einer ört­li­chen Gestal­tungs­sat­zung wird auch das Eigen­tums­recht der betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer nicht ver­letzt.

Gestal­tungs­sat­zung für das Fach­werk-Dorf

Mit die­ser Begrün­dung beur­teil­te jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz die Gestal­tungs­sat­zung der Orts­ge­mein­de Rum­bach im Wesent­li­chen als recht­mä­ßig. Die Gestal­tungs­sat­zung der Orts­ge­mein­de Rum­bach ist damit ganz über­wie­gend wirk­sam; ledig­lich eini­ge Detail­re­ge­lun­gen sind nach der Ent­schie­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz rechts­wid­rig.

Im gut erhal­te­nen Orts­kern der Orts­ge­mein­de Rum­bach, die in der Ver­gan­gen­heit erfolg­reich am Wett­be­werb "Unser Dorf hat Zukunft" ("Unser Dorf soll schö­ner wer­den") teil­ge­nom­men hat­te, befin­den sich u. a. 24 unter Denk­mal­schutz ste­hen­de Höfe und Wohn­häu­ser, bei denen es sich vor­wie­gend um Fach­werk­häu­ser han­delt. Im Okto­ber 2010 erließ die Gemein­de zur Erhal­tung der his­to­ri­schen Bau­sub­stanz eine Gestal­tungs­sat­zung. Dage­gen hat ein Haus­ei­gen­tü­mer einen Nor­men­kon­troll­an­trag gestellt, weil er eine Viel­zahl von Sat­zungs­be­stim­mun­gen für zu unbe­stimmt hält. Dar­über hin­aus sieht er sich in sei­nen Eigen­tü­mer­be­fug­nis­sen unver­hält­nis­mä­ßig ein­ge­schränkt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz bean­stan­de­te ledig­lich eini­ge Detail­re­ge­lun­gen der Gestal­tungs­sat­zung:

Die Orts­ge­mein­de habe ein legi­ti­mes Inter­es­se, die his­to­ri­sche Bau­sub­stanz durch eine Gestal­tungs­sat­zung gegen struk­tur­frem­de Ver­än­de­run­gen zu schüt­zen und damit das über­kom­me­ne Orts­bild zu erhal­ten. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Zwe­cke sei­en die Sat­zungs­re­ge­lun­gen über­wie­gend hin­rei­chend bestimmt und ver­letz­ten den Antrag­stel­ler nicht in sei­nem Eigen­tums­recht. So sei­en z. B. die Bestim­mun­gen über die Dach­ge­stal­tung, die Fas­sa­den­glie­de­rung und das Anbrin­gen von Mar­ki­sen sowie Wer­be­an­la­gen vom Ziel der Erhal­tung eines ein­heit­li­chen, an die his­to­ri­sche Bebau­ung ange­pass­ten Orts­bil­des gerecht­fer­tigt. Das Anbrin­gen von Anten­nen, Satel­li­ten­schüs­seln und Solar­an­la­gen an sicht­ba­ren Gebäu­de­tei­len sei nur ein­ge­schränkt, wenn sie an nicht ein­seh­ba­ren Stel­len gleich effek­tiv genutzt wer­den könn­ten. Damit wer­de den Wün­schen der Haus­be­sit­zer Rech­nung getra­gen. Unwirk­sam sei­en hin­ge­gen ledig­lich die Rege­lun­gen über die Ver­sie­ge­lung der Höfe, die Auf­stel­lung von Müll­be­häl­tern, die Flach­dach­ge­stal­tung im rück­wär­ti­gen Bereich der Grund­stü­cke sowie die Gestal­tung von Bal­kon­ge­län­dern.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 15. Juni 2011 – 8 C 10364/​11.OVG