Getrenn­te Gebüh­ren­sät­ze für Abwas­ser und Nie­der­schlags­was­ser

Zur Fest­stel­lung des gebüh­ren­recht­li­chen Ergeb­nis­ses eines bestimm­ten Bemes­sungs­zeit­raums bedarf es einer – ggf. um Aus­gleichs­be­trä­ge zu berei­ni­gen­den – Gegen­über­stel­lung des tat­säch­li­chen Gebüh­ren­auf­kom­mens und der tat­säch­li­chen Gesamt­kos­ten der Ein­rich­tung, die in dem zu betrach­ten­den Zeit­raum ent­stan­den sind. Die Ergeb­nis­se der Vor­jah­re spie­len dabei nur inso­weit eine Rol­le, als sie zur Ein­stel­lung von Kos­ten­über­de­ckung oder Kos­ten­un­ter­de­ckun­gen in die Kal­ku­la­ti­on geführt haben. Ob dies zu Recht gesche­hen oder zu Unrecht unter­blie­ben ist, ist dabei ohne Bedeu­tung.

Getrenn­te Gebüh­ren­sät­ze für Abwas­ser und Nie­der­schlags­was­ser

Das Äqui­va­lenz­prin­zip und der Gleich­heits­grund­satz kön­nen es gebie­ten, auch inner­halb einer öffent­li­chen Ein­rich­tung getrenn­te Gebüh­ren­sät­ze fest­zu­set­zen, wenn wesent­li­che Leis­tungs­un­ter­schie­de bei den ein­zel­nen Benut­zern der Ein­rich­tung auf­tre­ten 1. In dem Umstand, dass das auf den Grund­stü­cken anfal­len­de Nie­der­schlags­was­ser – je nach Lage des Grund­stücks – über einen Misch­was­ser- oder einen Nie­der­schlags­was­ser­ka­nal abge­lei­tet wird und im letz­te­ren Fall nicht der Klär­an­la­ge zuge­führt, son­dern direkt in einen Vor­flu­ter ein­ge­lei­tet wird, kann ein sol­cher wesent­li­cher Leis­tungs­un­ter­schied nicht gese­hen wer­den.

Nach § 13 Abs. 1 S. 2 KAG bil­den tech­nisch getrenn­te Anla­gen, die der Erfül­lung der­sel­ben Auf­ga­be die­nen, eine Ein­rich­tung, bei der Gebüh­ren nach ein­heit­li­chen Sät­zen erho­ben wer­den, sofern durch die Sat­zung nichts ande­res bestimmt ist. Eine sol­che ander­wei­ti­ge Bestim­mung hat die Beklag­te in ihrer Sat­zung nicht getrof­fen. Misch­was­ser- und Nie­der­schlags­was­ser­ka­nä­le gehö­ren danach glei­cher­ma­ßen zu der von der Beklag­ten betrie­be­nen öffent­li­chen Ein­rich­tung. Nach der Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg kön­nen aller­dings das Äqui­va­lenz­prin­zip und der Gleich­heits­grund­satz es gebie­ten, auch inner­halb einer öffent­li­chen Ein­rich­tung getrenn­te Gebüh­ren­sät­ze fest­zu­set­zen, wenn wesent­li­che Leis­tungs­un­ter­schie­de bei den ein­zel­nen Benut­zern der Ein­rich­tung auf­tre­ten 2. In dem Umstand, dass das auf den Grund­stü­cken anfal­len­de Nie­der­schlags­was­ser – je nach Lage des Grund­stücks – über einen Misch­was­ser- oder einen Nie­der­schlags­was­ser­ka­nal abge­lei­tet wird und im letz­te­ren Fall nicht der Klär­an­la­ge zuge­führt, son­dern direkt in einen Vor­flu­ter ein­ge­lei­tet wird, kann jedoch ein sol­cher wesent­li­cher Leis­tungs­un­ter­schied nicht gese­hen wer­den 3.

Die mit der Erhe­bung einer Nie­der­schlags­was­ser­ge­bühr abge­gol­te­ne Leis­tung, die von der Gemein­de gegen­über den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern erbracht wird, besteht aus der Abnah­me des auf den Grund­stü­cken anfal­len­den Ober­flä­chen­was­sers. Die­se Leis­tung ist für die Eigen­tü­mer aller an die Abwas­ser­be­sei­ti­gung ange­schlos­se­nen Grund­stü­cke die Glei­che, unab­hän­gig davon, ob das Grund­stück an einen Misch­was­ser­ka­nal oder einen Nie­der­schlags­was­ser- und einen (getrenn­ten) Schmutz­was­ser­ka­nal ange­schlos­sen ist. Wel­chen Auf­wand die Besei­ti­gung des Ober­flä­chen­was­sers im jewei­li­gen Ein­zel­fall erfor­dert, spielt dabei kei­ne Rol­le, da weder das Äqui­va­lenz­prin­zip noch der Gleich­heits­satz ver­lan­gen, dass die Benut­zungs­ge­büh­ren nach der Höhe der durch die Benut­zung des ein­zel­nen Gebüh­ren­schuld­ners ver­ur­sach­ten Kos­ten bemes­sen wer­den müs­sen 4. Des­halb hängt die Bemes­sung der Schmutz­was­ser­ge­bühr nicht davon ab, ob es zur Ent­sor­gung des auf dem jewei­li­gen Grund­stück anfal­len­den Schmutz­was­sers einer 100 m oder einer 10 km lan­gen Schmutz­was­ser­lei­tung bedarf. Dar­auf, wel­chen Weg das auf einem Grund­stück anfal­len­de Nie­der­schlags­was­ser nach des­sen Abnah­me durch die Kom­mu­ne nimmt, ins­be­son­de­re, ob es über Pum­pen und das Klär­werk oder auf direk­tem Weg dem Vor­flu­ter zuge­führt wird, kommt es danach eben­falls nicht an.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2010 – 2 S 138/​10

  1. im Anschluss an VGH Bad.-Württ., Urtei­le vom 04.07.1996 – 2 S 1478/​94, BWGZ 1997, 540; Urteil vom 9.2.1995 – 2 S 542/​94BWGZ 1995, 392[]
  2. VGH Bad.-Württ., Urtei­le vom 04.07.1996 – 2 S 1478/​94, BWGZ 1997, 540; und vom 09.02.1995 – 2 S 542/​94, BWGZ 1995, 392[]
  3. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 28.11.2005 – 2 S 1800/​05; eben­so Nds. OVG, Urteil vom 24.10.2007 – 2 LB 34/​06[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 08.12.1986 – 8 B 74.86, NVwZ 1987, 503; Urteil vom 16.09.1981 – 8 C 48.81, NVwZ 1982, 622; Schulte/​Wiesemann in: Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Stand Mai 2010, § 6 Rn. 205 m.w.N.[]