Gewalt unter Schü­lern

Bei einem Schü­ler, der an einer gewal­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung gegen einen ande­ren Schü­ler betei­ligt ist, kann die Ver­wei­sung an eine ande­re Schu­le gerecht­fer­tigt sein.

Gewalt unter Schü­lern

So hat das Ver­wal­tungs­ge­rich Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, mit dem sich ein Schü­ler dage­gen gewehrt hat, künf­tig eine ande­re Schu­le des­sel­ben Bil­dungs­gangs besu­chen zu müs­sen. Der 15-jäh­ri­ge Antrag­stel­ler besuch­te bis­lang die 9. Klas­se eines Gym­na­si­ums in Ber­lin-Mit­te. Im Janu­ar 2014 schlug und trat er – gemein­sam mit meh­re­ren Mit­schü­lern – in einer Unter­richts­pau­se auf eine damals 14-jäh­ri­ge Mit­schü­le­rin ein und schleif­te das dann am Boden lie­gen­de Mäd­chen vor den Augen der ande­ren Mit­schü­ler durch den Klas­sen­raum. Bei der Schü­le­rin wur­den erheb­li­che Ver­let­zun­gen fest­ge­stellt. Der Antrag­stel­ler wand­te sich in einem Eil­ver­fah­ren gegen die von der Klas­sen­kon­fe­renz aus­ge­spro­che­ne Ent­schei­dung, ihn in eine ande­re Schu­le des­sel­ben Bil­dungs­gangs zu über­wei­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin recht­fer­ti­ge das Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers die Annah­me, dass er die ord­nungs­ge­mä­ße Unter­richts- und Erzie­hungs­ar­beit in erheb­li­chem Maße beein­träch­tigt habe. Mil­de­re Mit­tel, etwa ein schrift­li­cher Ver­weis, ein Aus­schluss vom Unter­richt oder die Umset­zung in eine Par­al­lel­klas­se, ver­sprä­chen ersicht­lich kei­ne Aus­sicht auf Erfolg, um sei­nem Fehl­ver­hal­ten wirk­sam zu begeg­nen.

Der Antrag­stel­ler kön­ne sich nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, die Mit­schü­le­rin habe das Ver­hal­ten selbst pro­vo­ziert. Zwar habe die­se ihm – wohl aus Ver­se­hen – in einer vor­an­ge­hen­den Hof­pau­se bei einer Schnee­ball­schlacht einen Stein ins Gesicht gewor­fen. Weil sich die­ser Vor­fall aber bereits Stun­den vor­her ereig­net habe und Gegen­stand klä­ren­der Gesprä­che zwi­schen allen Betei­lig­ten und Lehr­kräf­ten gewe­sen sei, kön­ne von einer Affekt­re­ak­ti­on nicht die Rede sein. Viel­mehr han­de­le es sich um eine völ­lig über­zo­ge­ne „Ver­gel­tungs­ak­ti­on“, die der Antrag­stel­ler offen­bar auch jetzt noch mit sei­ner Wer­tung mei­ne recht­fer­ti­gen zu kön­nen, die Ent­schul­di­gung der Mit­schü­le­rin sei nicht ernst­haft gewe­sen.

Wer als Schü­ler in der Schul­öf­fent­lich­keit eine der­ar­ti­ge Gewalt­be­reit­schaft demons­trie­re, erwei­se sich als nicht auf­ge­schlos­sen gegen­über der auf Gewalt­lo­sig­keit und auf ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes und sozia­les Han­deln aus­ge­rich­te­ten Unter­richts- und Erzie­hungs­ar­beit; er erschwe­re zudem die Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le in Bezug auf sei­ne Mit­schü­ler. Blei­be der­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten sank­ti­ons­los, büße die Schu­le die zur Ver­mitt­lung der genann­ten Ziel erfor­der­li­che Glaub­wür­dig­keit und Durch­set­zungs­fä­hig­keit ein.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 22. Mai 2014 – VG 3 L 328.14