Gewer­be­an­mel­dung einer Sei­ten­sprungagen­tur

Die Zuver­läs­sig­keit einer Per­son für eine selb­stän­di­ge gewerb­li­che Betä­ti­gung in einem beson­ders über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Gewer­be ist aus­zu­schlie­ßen, wenn auf­grund von meh­re­ren Ein­trä­gen im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter und dem bis­he­ri­gen Ver­hal­ten der Per­son die Schluss­fol­ge­rung zu zie­hen ist, dass ein aus­ge­präg­ter Hang zur Miss­ach­tung der Rechts­ord­nung besteht.

Gewer­be­an­mel­dung einer Sei­ten­sprungagen­tur

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Gewer­be­un­ter­sa­gung eines Betrei­bers einer Sei­ten­sprungagen­tur für rech­tens gehal­ten. Im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Recht­schut­zes hat sich der Gewer­be­trei­ben­de gegen die Unter­sa­gung gewehrt. Die Stadt­ver­wal­tung Lud­wigs­ha­fen hat die­se Gewer­be­un­ter­sa­gung aus­ge­spro­chen. Seit Som­mer 2012 ist die Sei­ten­sprungagen­tur in Lud­wigs­ha­fen nebst Part­ner­ver­mitt­lung betrie­ben wor­den. Dazu inse­rier­te der Betrei­ber u.a. in der Tages­zei­tung „Die Rhein­pfalz“ mit Tex­ten wie „Neu 1. Sei­ten­sprungagen­tur dis­kret, seri­ös, erfolg­reich, Super­kon­tak­te zu sexy Frau­en“. Den Anru­fern über­gab der Antrag­stel­ler gegen Ent­gelt eine Lis­te mit den Tele­fon­num­mern von angeb­lich an Sei­ten­sprün­gen oder einer nähe­ren Bezie­hung inter­es­sier­ten Frau­en. In der Fol­ge­zeit beschwer­te sich eine Frau über zuneh­men­de Beläs­ti­gun­gen von Män­nern am Tele­fon; sie habe dem Antrag­stel­ler ihre Daten nicht zur Ver­fü­gung gestellt. Dar­auf­hin traf sich ein Mit­ar­bei­ter der Stadt Lud­wigs­ha­fen als ver­meint­li­cher Inter­es­sent mit dem Betrei­ber der Sei­ten­sprungagen­tur. Die­ser bot dem Mit­ar­bei­ter gegen eine Gebühr von 150 € für die ers­ten 6 Mona­te und eine Fol­ge­ge­bühr von 75 € für das zwei­te Halb­jahr an, regel­mä­ßig „wil­li­ge“ Frau­en von 18 – 70 Jah­ren zu ver­mit­teln. Der Antrag­stel­ler über­gab dem Mit­ar­bei­ter Unter­la­gen mit sog. „unver­bind­li­chen Kon­takt­vor­schlä­gen“, in denen u.a. Name, Her­kunfts­land, Haar­far­be, Figur, Ober­wei­te, Bezie­hungs­ab­sicht (locker oder fest, Wochen­end­be­zie­hung), finan­zi­el­le For­de­run­gen sowie die jewei­li­ge Tele­fon­num­mer der Damen auf­ge­führt waren. Nach­dem sich der Mit­ar­bei­ter der Stadt Lud­wigs­ha­fen als sol­cher zu erken­nen gege­ben hat­te, räum­te der Antrag­stel­ler ein, nicht im Besitz einer Gewer­be­an­mel­dung zu sein.

Die Stadt Lud­wigs­ha­fen hol­te in der Fol­ge­zeit Aus­künf­te über den Antrag­stel­ler aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter ein. Danach war die­ser im Zeit­raum 1997 – 2011 in 13 Fäl­len zu Geld- und Frei­heits­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Dar­auf­hin unter­sag­te die Stadt Lud­wigs­ha­fen dem Antrag­stel­ler wegen gewer­be­recht­li­cher Unzu­ver­läs­sig­keit die Aus­übung der Sei­ten­sprungagen­tur und ord­ne­te die sofor­ti­ge Voll­zie­hung an.

Der Antrag­stel­ler leg­te dage­gen Wider­spruch ein und such­te um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz beim Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt mit der Begrün­dung nach, die Ver­ur­tei­lun­gen in der Ver­gan­gen­heit stün­den nicht im Zusam­men­hang mit der von ihm betrie­be­nen Sei­ten­sprungagen­tur und erlaub­ten kei­ne nega­ti­ven Rück­schlüs­se auf sei­ne gewer­be­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit. Im Übri­gen sei die von der Stadt Lud­wigs­ha­fen ange­führ­te Begrün­dung, er gebe Tele­fon­num­mern ahnungs­lo­ser Frau­en an sei­ten­sprung­wil­li­ge Män­ner her­aus, eine halt­lo­se Behaup­tung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt las­se das bis­he­ri­ge Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers nicht erwar­ten, dass er sein Gewer­be in Zukunft im Ein­klang mit der Rechts­ord­nung betrei­ben wer­de. Mit der Sei­ten­sprungagen­tur betrei­be er ein nach der Gewer­be­ord­nung beson­ders über­wa­chungs­be­dürf­ti­ges Gewer­be („Ver­mitt­lung von Ehe­schlie­ßun­gen, Part­ner­schaf­ten und Bekannt­schaf­ten“). Die gewer­be­po­li­zei­li­che Über­wa­chung der davon erfass­ten Gewer­be­trei­ben­den habe vor allem den Schutz der Kun­den zum Ziel. Dane­ben bestehe auch ein kri­mi­nal­prä­ven­ti­ver Grund. Denn regel­mä­ßig wer­de der Kun­de lang­fris­tig an die Ver­mitt­lungs­agen­tur gebun­den und habe nicht uner­heb­li­che Vor­aus­zah­lun­gen zu leis­ten. Dem ste­he häu­fig eine nicht adäqua­te Dienst­leis­tung gegen­über. Auch könn­ten die anfal­len­den Infor­ma­tio­nen aus der höchst­per­sön­li­chen Sphä­re des Kun­den miss­bräuch­lich ver­wandt wer­den. Der Antrag­stel­ler sei in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach straf­recht­lich in Erschei­nung getre­ten. Im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter fän­den sich 13 Ein­trä­ge. Zwar hät­ten die meis­ten Straf­ta­ten kei­nen Gewer­be­be­zug. In ihrer Häu­fig­keit zeig­ten die­se aber, dass der Antrag­stel­ler dazu nei­ge, in straf­be­wehr­ter Wei­se die Rechts­ord­nung zu ver­let­zen. Die dadurch sich auf­drän­gen­de Pro­gno­se eines künf­tig rechts­wid­ri­gen Ver­hal­tens bei Aus­übung des Gewer­bes wer­de auch durch das bis­he­ri­ge gewerb­li­che Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers bestä­tigt. So habe er sich nicht an die gesetz­li­chen Vor­schrif­ten gehal­ten und den Gewer­be­be­trieb erst ange­mel­det, nach­dem er von Sei­ten der Stadt Lud­wigs­ha­fen dazu auf­ge­for­dert wor­den sei. Aus den Akten erge­be sich fer­ner, dass der Antrag­stel­ler Tele­fon­num­mern von Damen an poten­ti­el­le Kun­den wei­ter­ge­ge­ben habe, die ihm die­se nicht zu die­sem Zweck zur Ver­fü­gung gestellt hät­ten. Trotz sei­ner Ende Novem­ber 2012 erfolg­ten Abmel­dung füh­re der Antrag­stel­ler sei­nen Gewer­be­be­trieb tat­säch­lich wei­ter, denn am 12. Dezem­ber 2012 habe sich eine Frau erneut bei der Stadt Lud­wigs­ha­fen mit der Aus­sa­ge gemel­det, dass sich der Antrag­stel­ler am Vor­tag wie­der bei ihr gemel­det und nach­ge­fragt habe, ob sie nicht bereit wäre, bei sei­ner Part­ner­ver­mitt­lung auf 400 Euro-Basis als zu ver­mit­teln­de Dame an Her­ren, wel­che auf Part­ner­su­che wären, arbei­ten zu wol­len.

Danach las­se der Gesamt­ein­druck des bis­he­ri­gen Ver­hal­tens des Antrag­stel­lers allein den Schluss zu, dass bei ihm ein aus­ge­präg­ter Hang zur Miss­ach­tung der Rechts­ord­nung bestehe, der die Zuver­läs­sig­keit für eine selb­stän­di­ge gewerb­li­che Betä­ti­gung in einem beson­ders über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Gewer­be aus­schlie­ße. Zur Ver­mei­dung wei­te­rer erheb­li­cher Rechts­ver­stö­ße im Zusam­men­hang mit der Aus­übung des kon­kre­ten Gewer­be­be­trie­bes sei es daher gebo­ten, dem Antrag­stel­ler das Gewer­be zu unter­sa­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2012 – 4 L 1021/​12.NW