Gewerb­li­che Funk­tür­me und die Funk­an­la­gen der Feu­er­wehr

Betrei­ber gewerb­lich errich­te­ter und genutz­ter Anten­nen­trä­ger kön­nen nicht ver­pflich­tet wer­den, auf einem von ihnen betrie­be­nen Funk­turm die Anbrin­gung einer Funk­an­la­ge zur Alar­mie­rung von Ret­tungs­dienst und Feu­er­wehr ohne Ent­schä­di­gung zu dul­den.

Gewerb­li­che Funk­tür­me und die Funk­an­la­gen der Feu­er­wehr

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Rechts­streit errich­tet und betreibt die Klä­ge­rin, eine Gesell­schaft im Kon­zern der Deut­schen Tele­kom AG, Anten­nen­trä­ger, an denen sie Anbie­tern von Mobil­funk, Rund­funk- und Fern­seh­sen­dern sowie öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen wie der Poli­zei Plät­ze zur Anbrin­gung und Nut­zung von Funk­an­la­gen gegen Ent­gelt über­lässt. Der beklag­te Kreis Waren­dorf schloss im Jah­re 2000 mit der Klä­ge­rin einen Ver­trag, nach dem er auf deren Funk­turm in Sen­den­horst eine Gleich­wel­len­funk­an­la­ge für den Feu­er­schutz und den Ret­tungs­dienst des Krei­ses gegen Zah­lung eines Ent­gelts von jähr­lich 3 000 DM errich­ten und nut­zen durf­te. Im Jah­re 2006 kün­dig­te der beklag­te Kreis den Ver­trag und ver­pflich­te­te die Klä­ge­rin durch Bescheid, den Betrieb der Gleich­wel­len­funk­an­la­ge ent­schä­di­gungs­los zu dul­den. Er stütz­te sich dabei auf eine Vor­schrift des nord­rhein-west­fä­li­schen Feu­er­schutz­ge­set­zes, nach der Eigen­tü­mer und Besit­zer von Gebäu­den und Grund­stü­cken ver­pflich­tet sind, die Brand­schau und die Anbrin­gung von Feu­er­mel­de- und Alarm­ein­rich­tun­gen sowie von Hin­weis­schil­dern zur Gefah­ren­be­kämp­fung ohne Ent­schä­di­gung zu dul­den.

Die Klä­ge­rin hat gegen den Bescheid Kla­ge erho­ben, die sowohl erst­in­stanz­lich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter [1] wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len [2] in Müns­ter erfolg­los geblie­ben ist. Anders nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin der Kla­ge statt­ge­ge­ben und den Dul­dungs­be­scheid des beklag­ten Krei­ses Waren­dorf auf­ge­ho­ben hat:

Bei der gebo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung erfasst die hier her­an­ge­zo­ge­ne Vor­schrift des Feu­er­schutz­ge­set­zes nicht Eigen­tü­mer und Besit­zer gewerb­lich errich­te­ter und betrie­be­ner Anten­nen­trä­ger, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Eine ent­schä­di­gungs­lo­se Inan­spruch­nah­me ihres Eigen­tums und ihrer beruf­li­chen Leis­tung grif­fe unver­hält­nis­mä­ßig in die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Berufs­frei­heit und das Eigen­tum ein.

Regel­mä­ßig wird dem Eigen­tü­mer und Besit­zer auf­grund des Feu­er­schutz­ge­set­zes ledig­lich eine zusätz­li­che, von ihm bis­lang nicht aktua­li­sier­te und als wirt­schaft­lich uner­gie­big betrach­te­te Nut­zung (zum Bei­spiel des Daches sei­nes Hau­ses für die Anbrin­gung einer Feu­er­si­re­ne) auf­ge­zwun­gen. Bei gewerb­li­chen Betrei­bern von Anten­nen­trä­gern wird hin­ge­gen gera­de auf die Nut­zung zuge­grif­fen, die der Betrei­ber bei der Errich­tung sei­ner Anla­ge im Auge hat­te, in die er ziel­ge­rich­tet inves­tiert hat und die er als Basis sei­ner geschäft­li­chen Akti­vi­tät ver­wen­det. Sei­ne Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se wer­den hier­durch in ihrem Kern betrof­fen.

Der staat­li­che Zugriff wäre nur zumut­bar, wenn er einen Aus­gleich erhiel­te, den das Gesetz hier gera­de nicht vor­sieht. Eben­so darf der Staat die Bür­ger für Auf­ga­ben, die im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen, regel­mä­ßig nur dann beruf­lich in Anspruch neh­men, wenn er eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung für die Inan­spruch­nah­me leis­tet.

Eine Inan­spruch­nah­me kann zwar aus­nahms­wei­se ent­schä­di­gungs­los zuläs­sig sein, wenn ein hin­rei­chen­der Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Zugriffs­ob­jekt bzw. dem Eigen­tü­mer auf der einen und dem ver­folg­ten Gemein­wohl­ziel auf der ande­ren Sei­te besteht. Der Betrei­ber eines gewerb­li­chen Funk­turms trägt aber kei­ne beson­de­re, her­aus­ge­ho­be­ne Ver­ant­wor­tung für den Brand- und Kata­stro­phen­schutz, die eine Abkehr von dem Prin­zip recht­fer­ti­gen wür­de, dass die öffent­li­che Auf­ga­be des Brand­schut­zes aus Steu­er­mit­teln zu finan­zie­ren ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Juni 2013 – 6 C 1.12

  1. VG Müns­ter, Urteil vom 14.08.2009 – 1 K 680/​08[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 29.12.2011 – 5 A 2012/​09[]