GIRL und die Schwei­ne­mast-Gerü­che

In vie­len Bun­des­län­dern wur­de inzwi­schen die vom Län­der­aus­schuss für Immis­si­ons­schutz (LAI) erstell­te Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie (GIRL), im Lang­ti­tel „Fest­stel­lung und Beur­tei­lung von Geruchsim­mis­sio­nen” durch ent­spre­chen­de Erlas­se oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ein­ge­führt, so auch in Nord­rhein-West­fa­len 1. Die Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie dient der Erfas­sung und Beur­tei­lung von Gerü­chen als Immis­si­on nach § 3 BIm­SchG. In Nord­rhein-West­fa­len etwa lös­te sie die Raf­fi­ne­rie-Richt­li­nie 1975 und den Durch­füh­rungs­er­lass zur TA Luft 1986 ab. Sie hat eine Bedeu­tung bei Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren und bei Über­wa­chun­gen. Entsch­pre­chend der Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie ist von einer erheb­li­chen Beläs­ti­gung aus­zu­ge­hen, wenn in einer Orts­la­ge Geruchs­stun­den­häu­fig­kei­ten von mehr als 10% oder gar 15% im Jahr auf­tre­ten.

GIRL und die Schwei­ne­mast-Gerü­che

Die­se Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie wird auch in der Rech­spre­chung akzep­tiert, wie aktu­ell der vom Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg ent­schie­de­ne Fall eines geplan­ten Schwei­ne­mast­be­trie­bes zeigt:

Der geplan­te Betrieb einer Schwei­ne- und Rin­der­mast­an­la­ge für 3.512 Schwei­ne und 200 Bul­len auf dem Hof eines Land­wirts in Hamm-Wer­ries ist mit dem Immis­si­ons­schutz­recht ver­ein­bar. Das ergibt sich aus zwei Urtei­len des Ver­wal­tungs­ge­richts Arns­berg, mit denen das Ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­gen meh­re­rer Per­so­nen, die in der Umge­bung der Anla­ge woh­nen, gegen die Geneh­mi­gung des Vor­ha­bens durch die Stadt Hamm abge­wie­sen.

Die Klä­ger hat­ten sich vor allem auf unzu­mut­ba­re Geruchsim­mis­sio­nen beru­fen, die mit dem Betrieb der Anla­ge ver­bun­den sei­en. Zwei Klä­ger woh­nen in einem Wohn­ge­biet in einer Ent­fer­nung von etwa 550 m, zwei wei­te­re im Außen­be­reich etwa 270 m von der Anla­ge ent­fernt. Dort befin­den sich bereits Schwei­ne­mast­stäl­le mit 1.276 Plät­zen und vier Bul­len­mast­stäl­le mit 238 Plät­zen. Die Stadt Hamm hat­te die Ände­rung und Erwei­te­rung der Anla­ge nach Durch­füh­rung eines immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ver­fah­rens mit Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung und inte­grier­ter Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung im Juli 2010 geneh­migt.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg kommt in sei­nen Urtei­len zu dem Ergeb­nis, dass die Geneh­mi­gung Rech­te der Klä­ger nicht ver­let­ze. Die Kla­ge einer Klä­ge­rin sei bereits unzu­läs­sig, weil die­se Klä­ge­rin im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben habe. Unab­hän­gig davon sei­en die Kla­gen unbe­grün­det, weil die zu erwar­ten­den Beläs­ti­gun­gen durch Gerü­che bei umfas­sen­der Wür­di­gung aller Umstän­de noch zumut­bar sei­en. Nach der im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Geruchsim­mis­si­ons­pro­gno­se wür­den die Grenz­wer­te der so genann­ten Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie (GIRL) an den Grund­stü­cken der Klä­ger unter­schrit­ten. Das Lan­des­amt für Natur, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz NRW habe die Pro­gno­se als nach­voll­zieh­bar und plau­si­bel ange­se­hen. Die hier­ge­gen vor­ge­brach­ten Ein­wän­de der Klä­ger sei­en nicht stich­hal­tig. Die Stadt habe in der Geneh­mi­gung ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben, dass der neue Stall mit einem Abluft­wä­scher aus­zu­stat­ten sei, der zu einer min­des­tens 70 pro­zen­ti­gen Geruchs­min­de­rung füh­re. Die­ser Wert sei rea­lis­tisch und ein­halt­bar. Es bestün­den auch kei­ne aus­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür, dass die Anla­ge gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen her­vor­ru­fen wer­de.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom vom 7. April 2011 – 7 K 2487/​10, 7 K 2493/​10

  1. Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie vom 05.11.2009, MBl. NRW. Nr. 31 vom 27.11.2009 S. 533[]