Glän­zen­de Dach­zie­gel

Rege­lun­gen zur ein­heit­li­chen Dach­ge­stal­tung in einem Bebau­ungs­plan, wie etwa der Aus­schluss glän­zen­der Mate­ria­li­en, bedür­fen einer Abwä­gung der pri­va­ten Inter­es­sen der Grundstücks­eigentümer mit dem all­ge­mei­nen Inter­es­se an einer ein­heit­li­chen Gestal­tung eines Gebiets. Und danach ist, wie jetzt das Koblen­zer Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied, der Aus­schluss von glän­zen­den Dach­zie­geln durch einen Bebau­ungs­plan unzu­läs­sig.

Glän­zen­de Dach­zie­gel

Die Klä­ger wen­den sich gegen eine behörd­li­che Auf­for­de­rung, die aus glän­zen­den Tondach­pfannen bestehen­de Dach­ein­de­ckung ihres Wohn­ge­bäu­des in einem Neu­bau­ge­biet Win­nin­gens zu besei­ti­gen. Zur Begrün­dung stützt sich die Bau­be­hör­de auf die gestal­te­ri­sche Fest­set­zung des Bebau­ungs­plans der Gemein­de Win­nin­gen, die eine grau­f­ar­be­ne Dach­eindeckung der Gebäu­de vor­schreibt, die Ver­wen­dung glän­zen­der Mate­ria­li­en hin­ge­gen aus­schließt. Die Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wies die dage­gen gerich­te­te Beru­fung der Bau­be­hör­de zurück.

Die Gemein­de dür­fe Rege­lun­gen über die äuße­re Gestal­tung bau­li­cher Anla­gen in Bebau­ungsplänen oder in Sat­zun­gen nur für Gebie­te mit beson­de­rem Geprä­ge tref­fen. Dabei habe sie – mit Blick auf den grund­ge­setz­li­chen Schutz des Eigen­tums – das Inter­es­se der Grund­stückseigentümer mit den Belan­gen der All­ge­mein­heit an der Gestal­tung eines Gebiets abzu­wä­gen. Wegen der Absicht der Gemein­de, den his­to­ri­schen Orts­kern der Mosel­gemeinde Win­ni­gen zu erhal­ten, sei die Farb­be­schrän­kung für Dach­ein­de­ckun­gen auf „grau“ in dem angren­zen­den Gebiet sach­ge­recht begrün­det wor­den. Dies gel­te jedoch nicht hin­sichtlich der Vor­ga­be, nur „nicht glän­zen­des“ Dach­ma­te­ri­al zu ver­wen­den. Ein Aus­schluss von glän­zen­den Dach­be­de­ckun­gen sei zwar nicht von vorn­her­ein unzu­läs­sig. Erfor­der­lich sei aller­dings eine Abwä­gung dar­über, ob sol­che Mate­ria­li­en geeig­net sei­en, das Orts­bild zu beein­träch­ti­gen, wenn gleich­zei­tig ande­re reflek­tie­ren­de Dach­ein­de­ckun­gen wie Sonnen­kollektoren und Dach­flä­chen­fens­ter zuläs­sig sei­en. Hier­an feh­le es im vor­lie­gen­den Fall.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 1. Okto­ber 2008 -1 A 10362/​08.OVG