Gna­den­frist für bis­si­ge Schä­fer­hun­de

Bis­si­ge Hun­de dür­fen von der zustän­di­gen Ord­nungs­be­hör­de beschlag­nahmt und ein­ge­zo­gen, nicht aber auch sofort ein­ge­schlä­fert wer­den.

Gna­den­frist für bis­si­ge Schä­fer­hun­de

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg hat mit den Eil­an­trag des Hal­ters einer Schä­fer­hün­din gegen deren Beschlag­nah­me und Ein­zie­hung abge­lehnt, die die Stadt Dorn­han nach dem drit­ten Beiß­vor­fall ange­ord­net hat­te. Soweit die Stadt dar­über hin­aus die sofor­ti­ge Ein­schlä­fe­rung des Hun­des vor­ge­se­hen hat­te, hat das Gericht dem Eil­an­trag statt­ge­ge­ben:

Die Beschlag­nah­me erwei­se sich, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, aller Vor­aus­sicht nach als recht­mä­ßig. Die Schä­fer­hün­din sei bereits im Jahr 2006 bestands­kräf­tig als gefähr­li­cher Hund im Sin­ne der Poli­zei­ver­ord­nung über das Hal­ten gefähr­li­cher Hun­de ein­ge­stuft wor­den. Nach Beiß­vor­fäl­len in den Jah­ren 2006 und 2007 habe der Antrag­stel­ler die Hün­din als neu­er Hal­ter von sei­ner Groß­mutter über­nom­men. Dabei sei ihm auf­ge­ge­ben wor­den, die Hün­din außer­halb des befrie­de­ten Besitz­tums an der Lei­ne und mit einem fes­ten Maul­korb zu füh­ren. Den­noch habe sie am 18.8.2009 aus sei­ner Woh­nung durch die geöff­ne­te Gar­ten­tür ent­wei­chen kön­nen, sei auf die Stra­ße gelau­fen und habe dort einen sechs­jäh­ri­gen Jun­gen, der mit sei­nem Kin­der­rol­ler unter­wegs gewe­sen sei, ins Gesäß gebis­sen. Die Biss­wun­den hät­ten im städ­ti­schen Kran­ken­haus behan­delt wer­den müs­sen.

Die­ser Vor­fall bele­ge ein­drück­lich, so die Frei­bur­ger Ver­wal­tungs­rich­ter, dass von der Schä­fer­hün­din auch unter Obhut des Antrag­stel­lers wei­ter­hin eine Gefahr für das bedeu­ten­de poli­zei­li­che Schutz­gut des Lebens und der Gesund­heit Drit­ter aus­ge­he. Nach der Poli­zei­ver­ord­nung über das Hal­ten gefähr­li­cher Hun­de sei­en die­se so zu beauf­sich­ti­gen, dass von ihnen kei­ne Gefah­ren für Men­schen, Tie­re oder Sachen aus­ge­hen könn­ten, ins­be­son­de­re kein Ent­wei­chen des Hun­des mög­lich sei. Der Ver­let­zung die­ser beson­de­ren Hal­ter­pflicht kön­ne der Antrag­stel­ler nicht mit Erfolg ent­ge­gen­hal­ten, am Tag des drit­ten Beiß­vor­falls sei­en Hand­wer­ker in sei­nem Haus gewe­sen, die die strik­te Anord­nung, die Türen ver­schlos­sen zu hal­ten, miss­ach­tet hät­ten. Es sei allein Sache des Antrag­stel­lers als Hun­de­hal­ter, in einer sol­chen Situa­ti­on beson­de­re Vor­keh­run­gen zu tref­fen, die ein Ent­wei­chen der Schä­fer­hün­din ver­hin­der­ten.

Nach­dem die Stadt schon zum Zeit­punkt der Beschlag­nah­me davon habe aus­ge­hen dür­fen, dass die gefähr­li­che Schä­fer­hün­din auch nach Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen Beschlag­nah­me­frist nicht mehr an den Antrag­stel­ler her­aus­ge­ge­ben wer­den kön­ne, weil er sich als unzu­ver­läs­sig zum Hal­ten des Hun­des erwie­sen habe, habe sie die Ein­zie­hung des Hun­des hier aus­nahms­wei­se zugleich mit sei­ner Beschlag­nah­me anord­nen dür­fen. Bevor end­gül­tig über die Recht­mä­ßig­keit der Ein­zie­hung ent­schie­den sei, feh­le es aber an einem über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­se dar­an, den Hund sofort ein­zu­schlä­fern. Es sei nicht ersicht­lich, dass sich die von dem Hund aus­ge­hen­de Gefahr auch dann rea­li­sie­re, wenn die­ser dem Antrag­stel­ler weg­ge­nom­men und poli­zei­li­cher Gewahr­sam an ihm begrün­det wer­de.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 29. Okto­ber 2009 – 1 K 1686/​09