Grab­ge­stal­tung in nach­bar­li­cher Ver­bun­den­heit

Zwei neben­ein­an­der lie­gen­de Rei­hen­grä­ber auf einem Fried­hof dür­fen trotz einer anders­lau­ten­den Bestim­mung in der Fried­hofs­sat­zung eine gemein­sa­me Grab­ein­fas­sung erhal­ten, ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz für den Fried­hof der im Wes­ter­wald gele­ge­nen Orts­ge­mein­de Mör­len.

Grab­ge­stal­tung in nach­bar­li­cher Ver­bun­den­heit

Die Klä­ger stell­ten im Jahr 2007 bei der beklag­ten Orts­ge­mein­de als Fried­hofs­trä­ge­rin den Antrag, ihre bei einem Ver­kehrs­un­fall ums Leben gekom­me­nen Eltern in einer gemein­sa­men Grab­stät­te (Dop­pel­grab) bestat­ten zu dür­fen. Die­sen Antrag lehn­te die Orts­ge­mein­de unter Ver­weis auf die ent­ge­gen­ste­hen­de Fried­hofs­sat­zung, die ledig­lich Rei­hen­grä­ber zulas­se, und die Not­wen­dig­keit eines ein­heit­li­chen Erschei­nungs­bil­des der Grab­rei­hen ab. Nach­dem die ver­stor­be­nen Eltern der Klä­ger in zwei neben­ein­an­der lie­gen­den Rei­hen­grä­bern bestat­tet wor­den waren, bean­trag­ten die Klä­ger, eine bei­de Grä­ber umfas­sen­de gemein­sa­me Grab­ein­fas­sung zuzu­las­sen. Auch die­sen Antrag lehn­te die Orts­ge­mein­de ab, da Dop­pel­grä­ber seit über 30 Jah­ren nicht mehr geneh­migt wor­den sei­en und zukünf­ti­ge Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ver­mie­den wer­den soll­ten.

Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­ben die Klä­ger Kla­ge, mit der sie die Zulas­sung einer gemein­sa­men Grab­ein­fas­sung der bei­den Grä­ber begehr­ten. Zur Begrün­dung mach­ten sie gel­tend, die Fried­hofs­sat­zung sei unwirk­sam, da die Beklag­te bei der Aus­ge­stal­tung der Sat­zung nicht die Wün­sche und Inter­es­sen der Fried­hofs­nut­zer berück­sich­tigt habe. Außer­dem wer­de durch die Ver­bin­dung der bei­den Grab­stel­len in kei­ner Wei­se die Wür­de des Fried­hofs beein­träch­tigt. Dem­ge­gen­über wand­te die beklag­te Orts­ge­mein­de ein, eine gemein­sa­me Grab­ein­fas­sung erwei­se sich als Dop­pel­grab­stät­te, die die Fried­hofs­sat­zung nicht zulas­se.

Die Kla­ge hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz Erfolg: Die Klä­ger, so die Ver­wal­tungs­rich­ter, hät­ten einen Anspruch auf Zustim­mung der Beklag­ten zu der bean­trag­ten Grab­ein­fas­sung. Selbst wenn man davon aus­ge­he, dass die Sat­zung Dop­pel­grä­ber wirk­sam aus­schlie­ße, ver­sto­ße die geplan­te Umge­stal­tung der Grab­stät­ten hier­ge­gen nicht. Recht­lich han­de­le es sich näm­lich wei­ter­hin um zwei Rei­hen­grä­ber. Zwar ent­ste­he der opti­sche Ein­druck eines Dop­pel­gra­bes. Es sei jedoch nicht zu erken­nen, wes­halb dies der Wür­de des Fried­ho­fes wider­spre­chen sol­le. Durch die gleich­zei­ti­ge Her­stel­lung der Grä­ber und die iden­ti­schen Ruhe­zei­ten kön­ne es auch nicht dazu kom­men, dass bei Auf­lö­sung eines der bei­den Rei­hen­grä­ber ein die Wür­de des Fried­hofs beein­träch­ti­gen­der Tor­so einer ver­meint­li­chen ehe­ma­li­gen Dop­pel­grab­stel­le ent­ste­he. Da eine Situa­ti­on wie die vor­lie­gen­de in einem Ort mit 600 Ein­woh­nern sicher nicht häu­fig vor­kom­me, sei auch eine Gefahr für die Ein­heit­lich­keit des Erschei­nungs­bil­des des Fried­ho­fes nicht zu befürch­ten. Hin­zu kom­me, dass die Fried­hofs­sat­zung kei­ne Grö­ßen­be­schrän­kung für Rei­hen­grä­ber vor­se­he.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 18. Febru­ar 2010 – 1 K 1260/​09.KO

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