Grundrechtsbindung kommunal beherrschter Wohnungsbauunternehmen

kommunal beherrschtes Wohnungsbauunternehmen unterliegt nicht nur einer eingeschränkten Bindung an die Grundrechte.

Es bedarf daher für die Verhängung eines Hausverbots mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG jeweils eines sachlichen Grundes.

Die Grundrechte des Grundgesetzes gelten nicht nur für bestimmte Bereiche, Funktionen oder Handlungsformen staatlicher Aufgabenwahrnehmung, sondern binden die öffentliche Gewalt umfassend und insgesamt1. Zwar können der Staat und andere Träger öffentlicher Gewalt – vorbehaltlich besonderer rechtlicher Vorgaben – ihre Aufgaben auch mit den Mitteln des Privatrechts erfüllen; sie handeln dabei jedoch stets in Wahrnehmung ihres dem Gemeinwohl verpflichteten Auftrags2.

Ihre unmittelbare Bindung an die Grundrechte hängt daher weder von der Handlungsform noch von der Organisationsform ab, in der sie dem Bürger gegenübertreten und umfasst daher auch juristische Personen des Privatrechts, soweit sie von der öffentlichen Hand beherrscht werden3.

Für die früher verbreitete Auffassung, wonach die „fiskalische“, das heißt die privatrechtlich handelnde Verwaltung jenseits des sogenannten Verwaltungsprivatrechts grundsätzlich keiner Grundrechtsbindung unterliege4, ist mit Blick auf Art. 1 Abs. 3 GG daher kein Raum5.

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 21. Februar 2019 – 2 BvR 2456/18

Fußnoten:

  1. vgl. BVerfGE 128, 226, 244; BVerfG, Beschluss vom 19.07.2016 – 2 BvR 470/08 26 []
  2. vgl. BVerfGE 128, 226, 244 f.; BVerfG, Beschluss vom 19. Juli 2016 – 2 BvR 470/08, Rn. 26 []
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 19. Juli 2016 – 2 BvR 470/08, Rn. 26 []
  4. vgl. BGHZ 36, 91, 93 f.; BGH, Urteil vom 14.12 1976 – VI ZR 251/73 33 f.; Urteil vom 24.10.2003 – V ZR 424/02 18 ff.; Urteil vom 02.12 2003 – XI ZR 397/02 12; anders nunmehr: Urteil vom 26.06.2015 – V ZR 227/14 9 []
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 19. Juli 2016 – 2 BvR 470/08, Rn. 31 []