Grund­sätz­li­che Bedeu­tung – und ihre Dar­le­gung in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Grund­sätz­li­che Bedeu­tung im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO kommt einer Rechts­sa­che zu, wenn sie eine für die erstreb­te Revi­si­ons­ent­schei­dung ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge des revi­si­blen Rechts auf­wirft, die im Inter­es­se der Ein­heit und der Fort­bil­dung des Rechts revi­si­ons­ge­richt­li­cher Klä­rung bedarf.

Grund­sätz­li­che Bedeu­tung – und ihre Dar­le­gung in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Das Dar­le­gungs­er­for­der­nis des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO setzt inso­weit die For­mu­lie­rung einer bestimm­ten, höchst­rich­ter­lich noch unge­klär­ten und für die Revi­si­ons­ent­schei­dung erheb­li­chen Rechts­fra­ge des revi­si­blen Rechts und außer­dem die Anga­be vor­aus, wor­in die all­ge­mei­ne, über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­de Bedeu­tung besteht. Die Beschwer­de muss daher erläu­tern, dass und inwie­fern die Revi­si­ons­ent­schei­dung zur Klä­rung einer bis­her revi­si­ons­ge­richt­lich nicht beant­wor­te­ten fall­über­grei­fen­den Rechts­fra­ge des revi­si­blen Rechts füh­ren kann1.

Die Begrün­dungs­pflicht ver­langt, dass sich die Beschwer­de mit den Erwä­gun­gen des ange­foch­te­nen Urteils, auf die sich die auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge von angeb­lich grund­sätz­li­cher Bedeu­tung bezieht, sub­stan­ti­iert aus­ein­an­der­setzt und im Ein­zel­nen auf­zeigt, aus wel­chen Grün­den der Rechts­auf­fas­sung, die der Fra­ge zugrun­de liegt, zu fol­gen ist2. Die Dar­le­gung muss sich auch auf die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit des jeweils gel­tend gemach­ten Zulas­sungs­grunds erstre­cken.

Soll die grund­sätz­li­che Bedeu­tung aus der Klä­rungs­be­dürf­tig­keit von Uni­ons­recht und der Not­wen­dig­keit, eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ein­zu­ho­len, her­ge­lei­tet wer­den, ist dar­zu­le­gen, dass in dem erstreb­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren zur Aus­le­gung einer ent­schei­dungs­re­le­van­ten uni­ons­recht­li­chen Rege­lung vor­aus­sicht­lich eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ein­zu­ho­len sein wird und kei­ne hin­rei­chen­den Grün­de vor­lie­gen, die die Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung ent­behr­lich erschei­nen las­sen3. Die blo­ße Behaup­tung uni­ons­recht­li­cher Zwei­fels­fra­gen ohne Aus­ein­an­der­set­zung mit der the­men­re­le­van­ten Recht­spre­chung reicht hier­für nicht aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 23. April 2019 – 1 B 14.19

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.08.1997 – 7 B 261.97, Buch­holz 310 § 133, n.F. VwGO Nr. 26 S. 14 []
  2. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 08.06.2006 – 6 B 22.06, NVwZ 2006, 1073 Rn. 4 f.; und vom 10.08.2015 – 5 B 48.15 3 m.w.N. []
  3. BVerwG, Beschlüs­se vom 22.10.1986 – 3 B 43.86, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 243; und vom 10.10.1997 – 6 B 32.97, Buch­holz 422.2 Rund­funk­recht Nr. 29 S. 17 []