Gruß­wort im Gemein­de­blätt­chen

Ein Orts­bür­ger­meis­ter darf im amt­li­chen Teil eines Mit­tei­lungs­blat­tes kei­ne Stel­lung­nah­me zu all­ge­mein­po­li­ti­schen Fra­gen abge­ben, die kei­nen spe­zi­fi­schen Bezug zu sei­ner Gemein­de haben.

Gruß­wort im Gemein­de­blätt­chen

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall erschien am 24. Dezem­ber 2010 im amt­li­chen Teil des Mit­tei­lungs­blatts der Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim das Weih­nachts­gruß­wort eines Orts­bür­ger­meis­ters, das sich in brei­ter Form auch mit bun­des- und lan­des­po­li­ti­schen Fra­gen befass­te. Unter ande­rem wur­de die Arbeit der Bun­des­kanz­le­rin gelobt und kri­tisch auf lan­des­po­li­ti­sche Vor­komm­nis­se ein­ge­gan­gen. Nach einer Rüge der Kom­mu­nal­auf­sicht der Kreis­ver­wal­tung Bad Kreuz­nach und der Auf­for­de­rung, die Unzu­läs­sig­keit der Ver­öf­fent­li­chung in geeig­ne­ter Wei­se im Mit­tei­lungs­blatt bekannt­zu­ge­ben, teil­te der Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim dem Antrag­stel­ler mit, man beab­sich­ti­ge ent­spre­chend zu ver­fah­ren. Dar­auf­hin bean­trag­te der Orts­bür­ger­meis­ter beim Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes, um eine sol­che Ver­öf­fent­li­chung zu ver­hin­dern.

Der Antrag des Orts­bür­ger­meis­ters blieb vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz frei­lich ohne Erfolg: Es feh­le vor­lie­gend, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, schon an einem Recht des Antrag­stel­lers, das durch die geplan­te Ver­öf­fent­li­chung der Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim ver­letzt sein könn­te. Dem Antrag­stel­ler ste­he kein Unter­las­sungs­an­spruch zu, mit dem er die geplan­te Ver­öf­fent­li­chung zu dem von ihm gefer­tig­ten Weih­nachts­gruß­wort ver­hin­dern kön­ne. Im Rah­men sei­ner Befug­nis zur Öffent­lich­keits­ar­beit kön­ne ein Orts­bür­ger­meis­ter in amt­li­cher Funk­ti­on ledig­lich zu Fra­gen Stel­lung neh­men, die eine spe­zi­fi­sche Orts­be­zo­gen­heit hät­ten. Er besit­ze kein all­ge­mein­po­li­ti­sches Man­dat. Die Ver­öf­fent­li­chung des Weih­nachts­gruß­wor­tes des Antrag­stel­lers habe in selb­stän­di­gen Teil­be­rei­chen kei­nen Bezug zur Orts­ge­mein­de, son­dern ver­hal­te sich zu all­ge­mein poli­ti­schen Fra­gen der Außen‑, Bun­des- und Lan­des­po­li­tik. Von daher über­schrei­te das Gruß­wort offen­sicht­lich die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen der zuläs­si­gen Öffent­lich­keits­ar­beit eines kom­mu­na­len Amts­trä­gers. Fer­ner kom­me durch die Art der text­li­chen Gestal­tung die par­tei­po­li­ti­sche Prä­fe­renz des Antrag­stel­lers klar zum Aus­druck, was die Ver­pflich­tung der Kom­mu­nen zur Wah­rung der par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­li­tät ver­let­ze. Die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung Lan­gen­lons­heim tra­ge aber die redak­tio­nel­le Ver­ant­wor­tung für den amt­li­chen Teil des Mit­tei­lungs­blatts und habe die Ver­öf­fent­li­chung zuge­las­sen. Von daher neh­me sie durch die beab­sich­tig­te Erklä­rung im Mit­tei­lungs­blatt, wonach das Weih­nachts­gruß­wort nicht auf die Orts­ebe­ne begrenz­te Ereig­nis­se und per­sön­li­che Wer­tun­gen mit par­tei­po­li­ti­scher Prä­gung zum Gegen­stand gehabt habe, eine eige­ne Auf­ga­be wahr. Rech­te des Orts­bür­ger­meis­ters wür­den hier­durch nicht beein­träch­tigt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 27. Janu­ar 2011, 1 L 56/​11.KO